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  • Vermutlicher Atomtest in der Ostkurve.

  • Wäre ein idealer Austragungsort für sichere Fussballspiele: Die Wasserburg Chillon.

  • Wäre relativ leicht einzunehmen: Das Stade de Suisse.

Das Stade de Suisse sollte in eine Burg umgebaut werden

Die Chancen stehen gut, dass im Kanton Bern das verschärfte Hooligan-Konkordat eingeführt wird. Wenn es tatsächlich soweit kommen sollte, dann empfiehlt sich eine Kompletterneuerung des Stade de Suisse.

Es herrscht Krieg in den Stadien. So müssen auch YB-Fans puren Überlebenswillen an den Tag legen, um das Stade de Suisse nach Abpfiff nicht in einem Sack zu verlassen. Deshalb ist es von grösster Wichtigkeit, dass im Kanton Bern das Hooligan-Konkordat eingeführt wird. Dieses würde den kriegstreiberischen Fans endlich einen Riegel vorschieben. Werfen wir einen Blick darauf.

Ein wichtiger Punkt bildet Artikel 2. Darin geht es um gewalttätiges Verhalten. Es werden nicht nur die üblichen Sachen wie strafbare Handlungen gegen Leib und Leben, Sachbeschädigungen und Nötigung verboten, sondern auch «Verursachung einer Explosion oder Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht». Nur zur Klarheit: Das ist kein Auszug aus der Genfer Konvention, sondern steht so in dieser Schrift, mit der sich die beteiligten Kantone den diesjährigen Friedensnobelpreis wohl bereits gesichert haben. Schliesslich gehört das Stade de Suisse zu den gefährlichsten Orten der Welt. Gleich hinter der Küste Somalias und Transylvanien nach Sonnenuntergang.

Das Hooligan-Konkordat soll das nun ändern. Wird es eingeführt, wird knallhart durchgegriffen – bis in den Intimbereich. Denn künftig dürfen Polizei und private Sicherheitskräfte auch in diesem Bereich nach Gegenständen suchen, die «Explosionen verursachen oder Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht» mit sich bringen können. Dazu braucht es nicht einmal einen konkreten Tatverdacht. Natürlich geht das noch nicht weit genug. Am besten würde man gar niemand mehr ins Stadion lassen. Doch das wäre aus wirtschaftlicher Hinsicht nicht clever. Deshalb sollten schwerwiegende bauliche Massnahmen zur Sicherheit ergriffen werden, die dem Hooligan-Konkordat entsprechen. Es braucht Kerker statt Raubtierkäfige, Wassergräben statt Wasserwerfer, Zugbrücken statt Fanzüge und Burgmauern statt Hamburger. Nur als Festung im mittelalterlichen Sinne ist das Stade de Suisse dem Hooligan-Konkordat ebenbürtig.

Doch halt! Laut einer Umfrage, durchgeführt von des BSC Young Boys und der Fanarbeit Bern, fühlen sich 99 Prozent der befragten Fans im Stade de Suisse sicher. Sicherheit und Fussball waren doch bisher zwei völlig gegensätzliche Begriffe. Wenn dem nicht so wäre, würde es doch Instrumenten wie dem Hooligan-Konkordat an jeglicher Legitimation fehlen.

Das verwundert und ist bloss durch zwei Thesen zu erklären. Die erste: Das Publikum ist durch die fortwährenden heidentümlichen Gewaltorgien innerhalb des Stadions bereits schon so abgestumpft, dass diese schon als ganz normal, und daher nicht als Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Die zweite: Auch ohne das Hooligan-Konkordat sind Fussballspiele eigentlich völlig harmlos. Man darf sogar die Kinder mitbringen.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 25. Februar 2013