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Zwischen wählen und gähnen

Aufgepasst, liebe Politfreunde! Heute erklären wir Ihnen, wieso Sie den gestrigen Wahlsonntag verschlafen haben.

Als investigativem Politblog werden dem «Hauptstädter» gelegentlich heisse Geheimnisse aus der Welt der Mächtigen zugespielt. So wurden uns kürzlich in einer Berner Tiefgarage von einem Zigaretten rauchenden Mann im Trenchcoat Dokumente brisanten Inhalts überreicht. Diese bargen Informationen, die nur wenigen Menschen im Kanton bekannt waren: Am Sonntag war der zweite Wahlgang der Regierungsratsersatzwahlen! Im familiären Kreis wurde dabei Pierre-Alain Schnegg in die Kantonsregierung gehievt. Lediglich 30,4 Prozent der Stimmberechtigten waren eingeweiht und gaben ihre Stimme ab.

Weil solche geheimen Wahlen nicht unserem Demokratieverständnis entsprechen, haben wir unsere besten Leute losgeschickt, um diesen sonderbaren Fall zu durchleuchten und damit schliesslich die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Rechercheergebnisse fielen weit weniger konspirativ aus als erhofft. Chemtrails, Freimaurer und Echsenmenschen sind ausnahmslos unschuldig. Der wahre Grund, wieso kaum jemand vom zweiten Wahlgang der Regierungsratsersatzwahlen gewusst hatte, besteht darin, dass kantonale Politik oft zu öde ist, als dass man sich darum zu kümmern brauchte.

Das soll nun nicht in eine Schmähschrift an die Adresse unserer kantonalen Politiker ausarten. Die leisten bestimmt alle ganz wertvolle Arbeit. Schliesslich beantworten sich Fragen zu Staumauererhöhungen, zum Verkaufsverbot von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln oder zum Kreiselbau in Reichenbach nicht von selbst. Das Problem aber ist: Solche Geschäfte stehen nun einmal nicht auf der sexy Seite der Politik. Vielleicht liegt die Schuld für die Attraktivitätsarmut der kantonalen Politik gar nicht am langweiligen Agendasetting. Vielleicht sind wir es, die Mainstream-Medien, die Busse tun sollten. Vielleicht ist unsere Berichterstattung einfach nicht pfiffig genug, um kantonale Politik zum Stammtischthema mit hoher Priorität zu etablieren.

Als mediale Speerspitze geht der «Hauptstädter» mit gutem Beispiel voran und liefert Ihnen alles, was Sie zu diesem ominösen Wahlsonntag wissen müssen – kurz, knackig, kompetent:

– Freikirchler Schnegg hat sich bei den ersten Interviews nach seiner Wahl weder bei Jesus noch dem lieben Gott bedankt.
– Thomas Fuchs verwechselte das Rathaus mit der Postfinance-Arena und erschien mit einer überdimensionalen Bern-Flagge.
– Die Regierung ist nun wieder in bürgerlicher Hand.

Was das alles für Auswirkungen auf die Höhe von Staumauern hat, bleibt abzuwarten.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 4. April 2016

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1 Kommentar

  1. Martin M. says:

    Schön, das unser Kanton wieder in Bürgerlicher Hand ist. Man kann jetzt nur hoffen, dass die Wirtschaftsförderung wieder einen zentralen Punkt einnimmt und die Scherben die die rote Politik über Jahrzehnte angerichtet hat wieder zusammengeleimt werden können.

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  1. Martin M. says:

    Schön, das unser Kanton wieder in Bürgerlicher Hand ist. Man kann jetzt nur hoffen, dass die Wirtschaftsförderung wieder einen zentralen Punkt einnimmt und die Scherben die die rote Politik über Jahrzehnte angerichtet hat wieder zusammengeleimt werden können.

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