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Berner Labelitis – genug ist nicht genug!

Bern will «Fair-Trade-Town» werden und so ein weiteres Städte-Label sammeln. Welche Labels wir schon haben und was wir noch werden könnten.

1600 «Fair-Trade-Towns» in 26 Ländern gibt es – und bald soll Bern dazugehören. Das Label zeichnet Städte aus, «die sich für fairen Handel einsetzen». Es wäre nicht das erste Label, mit welchem sich die Stadt schmücken darf. Klar, die Altstadt gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Dazu ist Bern auch «Energiestadt» und bemüht sich um das UNICEF-Label «Kinderfreundliche Stadt». Zudem ist Bern natürlich auch «Reformationsstadt» – schliesslich sollen im Fundament der Münsterplattform immer noch Figuren lagern, die dem Bildersturm im Münster zum Opfer fielen.

Bereits geschafft hat es die Stadt in die «Blue Community». Dieses Label zeichnet Städte aus, die sich «zu einem sorgsamen Umgang mit Wasser» bekennen und dazu, «dass die Wasserversorgung eine zentrale öffentliche Aufgabe ist und bleibt.» Das hat seinerzeit für Aufsehen gesorgt, weil an den Sitzungen der Stadtverwaltungen jetzt alle Leitungswasser trinken müssen und kein Mineralwasser mehr serviert wird. Allen voran hatte sich damals aus offensichtlichen Gründen der «Verband Schweizerischer Mineralquellen und Softdrink-Produzenten» echauffiert: «Die Kampagne macht das Mineralwasser schlecht», hiess es.

Wir finden: Alles schön und gut, aber noch lange nicht genug! Die Stadt Bern sollte sich dringen auch um diese Labels bemühen:

Label für Good Governance (LfGGI)
O-Ton: «Zwölf Prinzipien, die allesamt das Zusammenwirken von Politik und Verwaltung sowie das Verhältnis der Kommunen zu den BürgerInnen und der Öffentlichkeit bilden berühren, bilden den Kern der Strategie.»
Potentielle Gegner: «Mehr Good Governance? Die Kampagne macht ungeprüfte Gemeinderats-Kandidaturen schlecht!»

Grünstadt Schweiz
gruenstadt
Was für Basel, Luzern und Winterthur richtig ist, kann für Bern nicht falsch sein: Grünstadt Schweiz ist ein Label für «nachhaltiges Stadtgrün».
O-Ton: «Das Label GRÜNSTADT SCHWEIZ zeichnet Städte aus, die den Grünräumen einen hohen Stellenwert einräumen. Sie kommen damit einem zunehmenden Bedürfnis der Bevölkerung an garantierter hoher Qualität und Verfügbarkeit von Grünräumen nach.»
Potentielle Gegner: «Mehr Grün? Die Kampagne macht Strassen, Parkplätze und Autos schlecht!»

Gesundheitsstadt
gesundheitsstadt
O-Ton: «Primäres Ziel: Erhaltung und Verbesserung der körperlichen, physischen und sozialen Gesundheit der Bevölkerung.»
Potentielle Gegner: «Mehr Gesundheit? Die Kampagne macht mir mein Essen schlecht!»

Charity-Label
charity
O-Ton: «Miteinander ist füreinander. Viele Städte unterstützen aktiv das bürgerschaftliche Engagement in ihren Regionen. Charity Label unterstützt das ehrenamtliche Engagement.»
Potentielle Gegner: «Mehr Charity? Die Kampagne macht meinen Egoismus schlecht!»

European Heritage
europeanheritage
«O-Ton»: «European Heritage sites are milestones in the creation of today’s Europe.»
Potentielle Gegner: «Mehr Europa? Die Kampagne macht die Ursprünge der Schweiz schlecht!»

Smart City
smartcity
O-Ton: «Smart City steht als Begriff für ein zukunftsgerichtetes Entwicklungskonzept von fortschrittlichen Städten und Gemeinden (Energiestädte) in der Schweiz.»
Potentielle Gegner: «Intelligenter Strom? Die Kampagne macht Atomkraftwerke schlecht!»

Klimabündins
climatealliance
O-Ton: «Die Schweizer Klimabündnis-Städte KBSS fordern vom Bund eine mutigere Klimapolitik.»
Potentielle Gegner: «Mehr Klimaschutz? Die Kampagne macht Strassen, Parkplätze und Autos schlecht!»

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 19. Februar 2016

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