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Gastrowüste Bern?

Vor kurzer Zeit wurde der «Best of Swiss Gastro Award» verliehen. Die Beizenstadt Bern, sie ging dabei fast leer aus. Da kommt ein Gastroführer durch die Berner Lokale gerade rechtzeitig.

Die «Gastro-Awards», die vor einer Woche verliehen wurden, «zeichnen ein gutes Bild der Region», schreibt der «Tagi». Natürlich ist dabei die Region Zürich gemeint, denn würde man den Publikumspreis als Spiegel der Berner Beizenlandschaft nehmen, ja dann, dann würde man eine Gastrowüste erblicken. Nur gerade ein Lokal würde sich nämlich in dieser finden – quasi als Oase – und man würde zwar nicht hungrig aus dem Etablissement schreiten, da es durchaus eine schöne kleine Karte hat, aber ein Esslokal ist das prämierte Etablissement dann doch nicht. Denn das Einstein im Einsteinhaus spezialisiert sich – wie der Zusatz «Kaffee und Rauchsalon» unterstreicht – auf Kaffeespezialitäten sowie Rauchen im ersten Stock. Folgerichtig gewann das Lokal auch in der Kategorie «Coffee», und zwar den ersten Preis. Dafür: Herzliche Gratulationen!

Ein anderes Bild der Berner Beizenlandschaft zeichnet der eben erschienene Gastroübersichtsband «Aufgabeln in Bern – Zweiter Gang». 64, nach Quartier geordnete Lokale führt der Band auf. Und wahrlich, hungern muss man in der Stadt scheinbar nicht: Von der «Spysi» bis zum Bellevue Palace, von der Spaghetti-Factory bis zum Café Kairo präsentieren der Autor Hans-Rudolf Matscher und der Fotograf Marius Kaufmann vieles, was die städtische Beizenlandschaft hergibt. Und die scheint reicher, als ich bisher angenommen habe, da auch Orte aufgeführt werden, die mir bisher nicht ins Auge gesprungen sind. Natürlich: Gern gehegte Lieblingsorte wie die ehemalige inoffizielle «Bund»-Pizzeria-Kantine Cavallo Star am Bubenbergplatz werden grosszügig unterschlagen, aber irgendwo muss man ja eine Grenze ziehen. Oder sie werden aufgespart für den dritten Gang.

In einem solchen dürfte dann auch das publikumspreisgekrönte Einstein seinen Platz finden. Denn was im zweiten Gang von «Aufgabeln», das neu auch einen kleinen Wein- und Bierguide angehängt hat, noch fehlt, ist genau das: Ein Führer durch die Bars und Cafés dieser Stadt.

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«Aufgabeln – Zweiter Gang» gibt es hier zu bestellen.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 28. November 2012