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Hunger löschen

Das Restaurant Bar Löscher ist jetzt tatsächlich auch das: ein Restaurant. Es darf gekocht und gegessen werden. Letzteres haben wir noch so gerne getan.

Im Restaurant Bar Löscher an der Viktoriastrasse hat sich ja in der kurzen Zeit seines Bestehens nur eine Tradition wirklich entwickeln können: die der konstanten Unsicherheit. Weil Nachbarn Einsprache gegen das Baugesuch zur Zwischennutzung in der Alten Feuerwehrkaserne erhoben haben, ist weiter unklar, wie lange die Gastronomie in der ehemaligen Fahrzeughalle noch bleiben darf.

Doch inzwischen ist immerhin ein Amtsschimmel in leichten Trab gefallen: Das Lebensmittelinspektorat hat entschieden, dass das Restaurant Löscher jetzt auch warme Gerichte servieren darf. Es ist jetzt wirklich und wahrhaftig: ein Restaurant. Mittags ein vegetarisches und ein Fleischmenü sowie Salat und Suppe, abends je ein Vegi-, Fleisch- und Pastamenü zeugen davon.

Wir finden problemlos Platz am Donnerstagabend, noch scheint sich die gute Nachricht nicht herumgesprochen zu haben. Das zusammengewürfelte Inventar und die wuselige Bar sorgen für eine warme Atmosphäre im grossen Raum, der sich seinem Schicksal als wortwörtliche Mehrzweckhalle bestens gefügt hat. Als Apéro gibt es helles Bier und ein dunkles, sirupiges, das gut schmeckt, aber auf nüchternen Magen fast etwas mächtig ist.

Zum Glück kommt die Vorspeise hurtig. Einmal der gemischte Salat (Fr. 5.50) und einmal der Federkohl mit pochiertem Ei (Fr. 12.50). Am Salat gibt es nichts auszusetzen. Der Federkohl ist dagegen durch und durch bemerkenswert, eine Wucht und ein Geheimnis in einem. Das Gemüse ist durch, aber knusprig, und das Ei bis auf eine dünne Aussenhaut flüssig, aber nirgends schlabbrig. Beim Dressing wurde am Olivenöl nicht gespart, was immer eine helle Freude ist. (Wer das, wie wir, unbedingt nachkochen will: Die scheue Nachfrage ergibt, dass der Federkohl vorgängig nicht blanchiert, sondern roh in der Bratpfanne kurz gebraten wurde.)*

Und die Vorspeise war nur der Anfang. Dank der freundlichen Bedienung wissen wir, was ein Rondini ist, verzichten dann aber auf jene gefüllten Minikürbisse (Fr. 29.50) und die Gemüselasagne (Fr. 19.50) und bestellen das Fleischmenü. Der Schmorbraten mit Wurzelgemüse und Kartoffelgratin (Fr. 33.50) kommt rasch und heiss an den Tisch. Die drei dicken Bratenscheiben sind wunderbar zart und schmackhaft und kommen, man ruft es sich gern in Erinnerung, aus der Region. Es ist traditionelle Seelennahrung, die hier serviert wird, und die eigene Grossmutter hätte es nicht besser gekonnt.

Vielleicht genügt etwas althergebrachte Landgasthofküche, um Skeptiker davon zu überzeugen, dass sich Dinge durchaus auch mal verändern dürfen. Ein Bratenteller im Löscher wäre jedenfalls eine 1a-Bestechung für naserümpflerische Nachbarn.

Die Beschwerdefrist für die Baubewilligung der Alten Kaserne läuft noch bis Ende Monat.

Zum Löscher auf Facebook geht es hier.

*Nachtrag: Wie uns die Küchencrew des Löschers dienstfertig mitgeteilt hat, war der Federkohl, den wir verspiesen haben, doch vor dem Sautieren blanchiert. Zuvor sei «aus Zeitgründen» darauf verzichtet worden, was dem Ergebnis allerdings auch nicht abträglich gewesen sei.

 

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 18. Januar 2016

5 Kommentare

  1. Onkel Arnold says:

    “Die drei dicken Bratenscheiben […] kommen, man ruft es sich gern in Erinnerung, aus der Region.”
    Ruft man sich das tatsächlich so gern in Erinnerung? Die meisten Omnivoren hören es meiner Erfahrung nach überhaupt nicht gern, wenn ihnen gesagt wird, dass das Stück Leiche auf dem Teller früher mal ein friedlicher Nachbar war.

    • Hanna Jordi says:

      Ich kann Ihnen nicht zustimmen. Wer sich entschieden hat, auf Fleisch nicht zu verzichten, ist doch froh zu wissen, dass das Tier weder vor noch nach dem Tod Tausende Kilometer hinter sich bringen musste.

    • Onkel Arnold says:

      Wieso haben Sie sich denn dazu entschieden, auf Fleisch nicht zu “verzichten” (ich für meinen Teil verzichte nicht, ich lehne ab), obwohl Sie wissen, dass dafür jemand sterben musste? Jemand, dem es egal sein dürfte, wie weit seine sterblichen Überreste nach seinem gewaltsamen Ableben noch transportiert werden? Jemand, der einfach nur in Freiheit und Unversehrtheit hätte leben wollen?

    • Ama says:

      Aba, ich mag gebratene Leichen aus der Nachbarschaft deutlich lieber. Die schecken viel besser, weil oft grad frisch von der Wiese oder aus dem Wald.

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  1. Onkel Arnold says:

    “Die drei dicken Bratenscheiben […] kommen, man ruft es sich gern in Erinnerung, aus der Region.”
    Ruft man sich das tatsächlich so gern in Erinnerung? Die meisten Omnivoren hören es meiner Erfahrung nach überhaupt nicht gern, wenn ihnen gesagt wird, dass das Stück Leiche auf dem Teller früher mal ein friedlicher Nachbar war.

    • Hanna Jordi says:

      Ich kann Ihnen nicht zustimmen. Wer sich entschieden hat, auf Fleisch nicht zu verzichten, ist doch froh zu wissen, dass das Tier weder vor noch nach dem Tod Tausende Kilometer hinter sich bringen musste.

    • Onkel Arnold says:

      Wieso haben Sie sich denn dazu entschieden, auf Fleisch nicht zu “verzichten” (ich für meinen Teil verzichte nicht, ich lehne ab), obwohl Sie wissen, dass dafür jemand sterben musste? Jemand, dem es egal sein dürfte, wie weit seine sterblichen Überreste nach seinem gewaltsamen Ableben noch transportiert werden? Jemand, der einfach nur in Freiheit und Unversehrtheit hätte leben wollen?

    • Ama says:

      Aba, ich mag gebratene Leichen aus der Nachbarschaft deutlich lieber. Die schecken viel besser, weil oft grad frisch von der Wiese oder aus dem Wald.

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