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Das Dählhölzli braucht den Klimawandel

Bitte keine Zugeständnisse am Klimagipfel in Paris. Die schrecklich langweilige Winterschlafzeit im Dählhölzli könnte endlich verkürzt werden.

Zurzeit streiten sich in Paris Politiker und Delegierte an der UNO-Klimakonferenz. Es geht auch darum, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Das Ganze zieht natürlich auch an den Bernerinnen und Bernern nicht spurlos vorbei. Zahlreich haben sie am Samstag demonstriert, um so den Druck auf die Delegierten der Pariser Klimakonferenz zu erhöhen. Fragt sich nur, ob sich diese durch Twitter-Liebesbotschaften ans Klima, Papierherzli, auf denen steht, was sie besonders lieben und was durch den Klimawandel bedroht ist, beeindrucken lassen. Hoffentlich nicht, die globale Erwärmung darf nicht gestoppt werden.

Denn waren Sie in den letzten Tagen einmal im Dählhölzli und haben das Maulen und Murren der Kinder gehört?

Es ist schrecklich. Die Dählhölzli-Bären Misha und Masha schlafen. Für Besucher bedeutet das Langeweile. Ein spannender Tierparkbesuch sieht anders aus.

leeres Gehege

Bei den Tieren, die wach sind, kann von putzig keine Rede sein. So ist der hässliche Wisent alles andere als ein Hingucker. Da nützt es wenig, dass er sich von der Kälte nicht abschrecken lässt und auch im Winter putzmunter ist.

Wisent grosss

Im Vivarium ist der Gähnfaktor hoch: Der Alet besticht durch seine schlechte Laune. Verständlich, besteht doch seine Arbeit durch ständiges Putzen des Papageientaucherbeckens.

Vivarium

Dem Ohrfleck-Röhrenaal mag kein Kind auf der Welt stundenlang zuschauen. Man stelle sich das Gezwänge nur schon mal vor.

ohrfleck-roehrenaal

Und die Lanzenotter lässt nun wahrlich kein Kinderherz höherschlagen.

Lanzenotter

Es ist jedes Jahr dasselbe. Es ist einfach zu kalt, die süssen, putzigen Tierchen machen sich rar. Der Igel, das Eichhörnchen, die Siebenschläfer, die sich als wilde Besucher im Dählhölzi wohlfühlen, sind alle am Pennen, nirgendwo zu sehen. Und als ob das nicht genug wäre, ist auch von den entzückenden Murmeli und den bezaubernden Zieseln kaum etwas zu sehen.

Wenn der Klimawandel weitergeht, verkürzt sich der Winterschlaf der Tiere.Gut so, denn bei einem weiteren Temperaturanstieg könnten wir uns neu auch im Winter im Dählhölzli an Bären, vorwitzigen Murmeli, Igeln, Zieseln & Co. erfreuen.

Und für das arme Eisbärenbaby, dessen Schollen im arktischen Meereis aufgrund der Erwärmung dahinschmelzen, könnte im Dählhölzli sicher ein Platz gefunden werden. Eine klassische Win-win-Situation: mehr Eintritte im Winter fürs Dählhölzi, mehr strahlende Kindergesichter. Also bitte, liebe Delegierte der UNO-Klimakonferenz, streiten Sie weiter, bleiben Sie in den Verhandlungen hart, machen Sie keine Zugeständnisse. Wir wollen auch im Winter im Dählhölzli aktive, putzige Bären sehen.

Eisbärli

 

 

Michèle Steiner

Michèle Steiner


Publiziert am 1. Dezember 2015

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