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Verlorene Orte (II): Das Milchgässli

Der Hauptstädter ist auf der Suche nach versteckten Plätzen. Heute: Das Milchgässli.

Es gibt Orte in dieser Stadt, die drängen sich nicht auf. Verborgen hinter Bäumen oder Mauern, versteckt in Winkeln, fristen sie ihr Dasein. Zugänglich die einen, abweisend die anderen – einen Besuch wert sind diese Orte aber sowieso. Wir haben uns auf die Socken gemacht.

Velofahrer kennen es natürlich, das Milchgässli. Schliesslich steht dort die grosse Velostation. Ansonsten aber gibt es nicht viele Gründe, nach dem Bahnhofsausgang zweimal rechts abzubiegen. Zu Zeiten der alten Bahnhofshalle muss hier viel los gewesen sein. Bis 1970 hiess der Ort «Eilgutstrasse», im Volksmund aber schon immer Milchgässli. Klar: Hier wurden Güter umgeladen, hauptsächlich Milch.

Abgesehen von den Zweirädern hält sich der Verkehr im Milchgässli heutzutage in Grenzen. Der düstere Aufgang Richtung Burgerspital bleibt meist ungenutzt. Und doch scheint die verlorene Ecke ein beliebter Ort zu sein. Während sich lautere Grüppchen gerne zwischen Tibits und Sprüngli versammeln, bietet die Treppe vom Milchgässli zum Bahnhofsparking ein Rückzugsort für ruhigere Zeitgenossinnen und -genossen.

Ein Ort für jedermann ist das Milchgässli nicht. Aber ein Stück öffentlicher Raum, abseits von Konsumzwang – neuerdings sogar wieder bewacht von Bernhard Luginbühls Christopherus.

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Staatsarchiv Kanton Bern/FN Jost N 9565
Das Milchgässli 1937 Staatsarchiv Kanton Bern/FN Jost N 9565

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 9. November 2015

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