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  • Pendlerverkehr am Bahnhof Bern. (Bild: Martin Erdmann)

  • Hilfe für Orientierungslose: Rote Linien beim Treffpunkt. (Bild: Martin Erdmann)

  • Dem Pendlerstrom entkommen.(Bild: Martin Erdmann)

  • Links gehen, rechts stehen: Die Rolltreppen-Regeln des Bahnhofs – für einmal eingehalten. (Bild: Martin Erdmann)

  • Einfahren im Bahnhof Bern – und der Blick auf die Reitschule. (Bild: Martin Erdmann)

  • Friede vor den Maschinen. (Bild: Martin Erdmann)

Pendler’s Paradise

Der Berner Bahnhof ist zwar ein Labyrinth, aber eigentlich ganz in Ordnung: Ein Fazit nach fünf Monaten pendeln.

Als ich das erste Mal in den unterirdischen Gängen des Berner Bahnhofs strandete, war ich mir nicht sicher, ob ich jemals wieder das Tageslicht sehen würde. Denn ist man als Neupendler erst einmal in die Fänge der dichten Menschenströme geraten, so ist man besser mit scharfem Orientierungssinn ausgestattet. Die immense Anzahl an Treppen, Rolltreppen und Fahrstühlen macht einem die Entscheidung schwer, wie und wo man nun dem abenteuerlichen Bau entkommen will. Mein Fazit nach fünf Monaten pendeln: Am besten gar nicht. Denn der Berner Bahnhof ist eigentlich ganz in Ordnung.

Pendeln ist absurd. Vom überfüllten Zug in den überfüllten Bahnhof, getrieben von der Hektik des Alltags. Doch der Berner Bahnhof ist im Vergleich zu anderen Schweizer Bahnhöfen selbst zu unerträglichsten Pendlerzeiten eine Art Oase der Ruhe. Von meinem Heimbahnhof in Luzern bin ich mir anderes gewohnt: Dort rennen sich die Menschen mit katholizistischem Eifer über den Haufen oder prallen gegen asiatische Reisegruppen, die mit ihren Rollkoffern vor den Perrons Barrikaden bilden.

Klar, es klingt nach einem Klischee. Aber der Berner Bahnhof ist schon um einiges lässiger als andere dieses Landes. Sinnbild dafür: Die Situation vor den Geldautomaten. Es gibt so viele davon, man wird nie zum Anstehen verdonnert. Noch extremer und menschenleerer gestaltet sich die Lage vor den Billetautomaten. Hier wurde massiv aufgerüstet. Die Kastenreihe erinnert an die Spielautomaten in Las Vegas – und die meisten der Ticketautomaten fangen wohl mehr Staub als Kunden. Wer sich zur schlimmsten Rush Hour ein wenig Privatsphäre gönnen will, schaut deshalb am besten nach, wie viel eine Reise an einen Ort seiner Wahl kostet.

Am Berner Bahnhof wird nie jemand den Hungertod sterben. Denn die Dekadenz des Bahnhofs setzt nicht nur bei der Installation neuer Automaten keine Grenzen, sondern auch bei Verpflegungsständen. Selbstverständlich: beim Brezelkönig im Bahngeschoss kann es gelegentlich zu Hotdog-Engpässen kommen. Doch davon abgesehen ist der Berner Bahnhof eine kulinarische Hochburg, zumindest auf Pendlerniveau.

Doch noch Tageslicht. Dieses bringt für Pendlerneulinge oft böse Überraschungen zum Vorschein. Zumeist taucht man an Orten auf, die man nie anvisiert hat. Das ist aber nicht weiter tragisch: Denn wohin welcher Ausgang führt, ist wohl ein Rätsel, dessen gut gehütetes Geheimnis lediglich Einheimischen und altgedienten Zugfahrern vorbehalten ist. Ich bleibe dran.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 11. September 2012

9 Kommentare

  1. Rolf Helbling says:

    Der Berner Bahnhof ein Labyrinth? Das ist doch lächerlich. Es gibt nur eine einzige Unterführung unter den Gleisen durch, und diese ist ganz ohne Abzweigungen. Der Autor möge sich vom Zürcher Untergrund fernhalten, dort würde garantiert nicht mehr zum Vorschein kommen.
    Kulinarisch hat der Bahnhof auch wenig zu bieten, jeder zweite Laden ist eine Bäckerei (oder ein Laden mit einem bäckereiähnlichen Angebot) oder ein Kiosk.
    Das mit der unangenehmen Enge sehe ich ähnlich, aber das wird mit jedem Quadratmeter, der auch noch für teures Geld vermietet wird, nur noch schlimmer. Eine zweite Unterführung täte Not. Ausserdem könnte man sich dann auch endlich wirklich verirren, so wir in Zürich.

    PS: Wilkommen in der Länggass 🙂

    • Franz Mueller says:

      @r.helbling: Pendle seit sechs Jahren BS-BE und zurück. Im Vergleich zum BS SBB ist der hiesige Bahnhof bis nach Mitternacht ein lebendiges, quirliges Zentrum, hier ist immer irgendwo etwas los! Der Bahnhof in BS vertrömt dafür den Mief der frühen sechziger Jahre, abgestanden, freudlos, witzlos, krampfhat etwas modernisiert, zum ablöschen, die Rampe. In BE SBB kommen alle auf ihre Kosten, ob Vegi-Fan, Wurschtfresser oder Biertrinker von Gottes Gnaden.In BE kann ich noch still und leise unter den Rolltreppen ein Bierli kippen und den vorbeihastenden Leuten zusehen. Einzig die (zu) vielen Bäckereien/Läden die einem fast die Gipfeli/Weggli virtuell um die Ohren hauen, stören mich etwas. Ach ja, im Winter ist der Bahnhof BE eine zugige Unterführung, bisig, arschkalt, kein Ort zum verweilen. Ansonsten ist der Bahnhof BE im Sommer/Herbst ganz okay- als Bauwerk jedoch ein grandios stillos hässliche Mausefalle.Eine niedertschmetternde Beton/Glasschachtel eines miesen Architekten. Mit einem perversen schlechten Geschmack. Mit einer riesigen Normaluhr oben links am Bahnhofplatz- und Autos die vorbeibrausend, Fussgänger nach dem Leben trachtend. Und zu vielen Unterführungen ins Nirwana? Wie ein Fuchsbau, wer abtaucht, kommt der/die auch wieder zum Vorschein? Unheimlich heimlich, aber doch geliebt-und ebenso verspottet.

  2. Lui.Anche says:

    Au, weia, bei diesem Blog ist so ziemlich alles abverheit. Der Berner Bahnhof ist kein Labyrinth – oder ist der Autor total orientierungslos? Der Berner Bahnhof ist auch nicht “eigentlich ganz in Ordnung”, sondern ein totales Fehlkonstrukt. Kommt mir vor wie eine hässliche Person, die sich alle Mühe gibt, schön auszusehen: schöne Kleider, Schminke – aber es will nicht gelingen. Am besten: abreissen und neu bauen! Weiter im Text: Der Berner Bahnhof ist zu keiner Zeit eine “Art Oase der Ruhe”. Der Berner Bahnhof ist beileibe keine “kulinarische Hochburg” – aber vielleicht verköstigt sich Martin Erdmann beim Sprüngli. Kurzum: Bei so viel Unwissen, Unkenntnis, Fehleinschätzungen und – im wahrsten Sinne des Wortes – Geschmacklosigkeiten des Autors packt mich das blosse Mitleid. Helft ihm!

    • Zimmermann Verena says:

      Das ganze Konstrukt des Hauptstädters ist verfehlt und ein weiterer Beweis des politisch unbedarften Journalismus des Bunds. In der Schweiz gibt es keine Hauptstadt, sondern eine Bundesstadt. Schade, dass durch Zeit-,Kosten- und Sensationsdruck der Recherchierjournalismus und die schweizerische Politikkultur immer mehr verschwindet.

    • Benedikt Sartorius says:

      Liebe Frau Zimmermann,

      Dies ist ein Blog, der auf durchaus spielerische Art und Weise das Leben in der Bundesstadt beleuchten will. Deshalb auch der Name, der natürlich historisch nicht korrekt ist. Das wurde im eröffnenden Artikel auch so deklariert, so hoffe ich doch.

  3. André Gallant says:

    Eine wohl unfreiwillige Humoreske, dieser Blog. Habe den Eindruck, dass Herr Erdmann den Bahnhof nur vom Hörensagen kennt. @Lui Anche. Bin völlig einverstanden mit Ihnen.

  4. Maja Müller says:

    Meine Herren, da muss ich doch eine Lanze für Herrn Erdmann brechen. Wenn man neu ist im bahnhöfischen Untergrund – vor allem wenn man sich in den RBS-Bahnhof verirrt – kann man tatsächlich kurz der Orientierungslosigkeit zum Opfer fallen – ging mir jedenfalls so. Kein Vergleich zu Zürich, klar. Aber auch nicht so simpel wie Luzern. Was die “Oase der Ruhe” betrifft: In der Billetautomatenburg kann man sie tatsächlich finden, die Verschnaufpause von der Hektik. Ansonsten: Ja, der Berner Bahnhof ist weder schön noch durchdacht, das kommt davon das immer nur gekleckert statt geklotzt wird, sprich: immer nur da ein bisschen und dort ein bisschen ausbessern…

    • Lui Anche says:

      Die bahnhöfische “Oase der Ruhe” befindet sich ausgerecht im HB Zürich: in der grossen, weiten, leeren Halle, unter den Augen des tonnenschweren “ange protecteur” von Niki de Saint Phalle.

  5. Stephan Baumann says:

    Der Berner Bahnhof ist hässlich, aber er ist praktisch. Wer einmal im Nadelör des Basler Bahnhofs steckte, lobt sich die hässlich Unterführung in Bern. Billetautomaten brauchts soviele, damit man Ausweichsmöglichkeiten hat, wenn mal wieder mehrere defekt sind, was ja leider nicht selten ist.
    Hoffe wir, dass der Berner Bhf so bleibt, bis was wirklich tolles kommt und dass er nicht einer Einkaufsgalerie mit Bahnanschluss weichen muss.

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  1. Rolf Helbling says:

    Der Berner Bahnhof ein Labyrinth? Das ist doch lächerlich. Es gibt nur eine einzige Unterführung unter den Gleisen durch, und diese ist ganz ohne Abzweigungen. Der Autor möge sich vom Zürcher Untergrund fernhalten, dort würde garantiert nicht mehr zum Vorschein kommen.
    Kulinarisch hat der Bahnhof auch wenig zu bieten, jeder zweite Laden ist eine Bäckerei (oder ein Laden mit einem bäckereiähnlichen Angebot) oder ein Kiosk.
    Das mit der unangenehmen Enge sehe ich ähnlich, aber das wird mit jedem Quadratmeter, der auch noch für teures Geld vermietet wird, nur noch schlimmer. Eine zweite Unterführung täte Not. Ausserdem könnte man sich dann auch endlich wirklich verirren, so wir in Zürich.

    PS: Wilkommen in der Länggass 🙂

    • Franz Mueller says:

      @r.helbling: Pendle seit sechs Jahren BS-BE und zurück. Im Vergleich zum BS SBB ist der hiesige Bahnhof bis nach Mitternacht ein lebendiges, quirliges Zentrum, hier ist immer irgendwo etwas los! Der Bahnhof in BS vertrömt dafür den Mief der frühen sechziger Jahre, abgestanden, freudlos, witzlos, krampfhat etwas modernisiert, zum ablöschen, die Rampe. In BE SBB kommen alle auf ihre Kosten, ob Vegi-Fan, Wurschtfresser oder Biertrinker von Gottes Gnaden.In BE kann ich noch still und leise unter den Rolltreppen ein Bierli kippen und den vorbeihastenden Leuten zusehen. Einzig die (zu) vielen Bäckereien/Läden die einem fast die Gipfeli/Weggli virtuell um die Ohren hauen, stören mich etwas. Ach ja, im Winter ist der Bahnhof BE eine zugige Unterführung, bisig, arschkalt, kein Ort zum verweilen. Ansonsten ist der Bahnhof BE im Sommer/Herbst ganz okay- als Bauwerk jedoch ein grandios stillos hässliche Mausefalle.Eine niedertschmetternde Beton/Glasschachtel eines miesen Architekten. Mit einem perversen schlechten Geschmack. Mit einer riesigen Normaluhr oben links am Bahnhofplatz- und Autos die vorbeibrausend, Fussgänger nach dem Leben trachtend. Und zu vielen Unterführungen ins Nirwana? Wie ein Fuchsbau, wer abtaucht, kommt der/die auch wieder zum Vorschein? Unheimlich heimlich, aber doch geliebt-und ebenso verspottet.

  2. Lui.Anche says:

    Au, weia, bei diesem Blog ist so ziemlich alles abverheit. Der Berner Bahnhof ist kein Labyrinth – oder ist der Autor total orientierungslos? Der Berner Bahnhof ist auch nicht “eigentlich ganz in Ordnung”, sondern ein totales Fehlkonstrukt. Kommt mir vor wie eine hässliche Person, die sich alle Mühe gibt, schön auszusehen: schöne Kleider, Schminke – aber es will nicht gelingen. Am besten: abreissen und neu bauen! Weiter im Text: Der Berner Bahnhof ist zu keiner Zeit eine “Art Oase der Ruhe”. Der Berner Bahnhof ist beileibe keine “kulinarische Hochburg” – aber vielleicht verköstigt sich Martin Erdmann beim Sprüngli. Kurzum: Bei so viel Unwissen, Unkenntnis, Fehleinschätzungen und – im wahrsten Sinne des Wortes – Geschmacklosigkeiten des Autors packt mich das blosse Mitleid. Helft ihm!

    • Zimmermann Verena says:

      Das ganze Konstrukt des Hauptstädters ist verfehlt und ein weiterer Beweis des politisch unbedarften Journalismus des Bunds. In der Schweiz gibt es keine Hauptstadt, sondern eine Bundesstadt. Schade, dass durch Zeit-,Kosten- und Sensationsdruck der Recherchierjournalismus und die schweizerische Politikkultur immer mehr verschwindet.

    • Benedikt Sartorius says:

      Liebe Frau Zimmermann,

      Dies ist ein Blog, der auf durchaus spielerische Art und Weise das Leben in der Bundesstadt beleuchten will. Deshalb auch der Name, der natürlich historisch nicht korrekt ist. Das wurde im eröffnenden Artikel auch so deklariert, so hoffe ich doch.

  3. André Gallant says:

    Eine wohl unfreiwillige Humoreske, dieser Blog. Habe den Eindruck, dass Herr Erdmann den Bahnhof nur vom Hörensagen kennt. @Lui Anche. Bin völlig einverstanden mit Ihnen.

  4. Maja Müller says:

    Meine Herren, da muss ich doch eine Lanze für Herrn Erdmann brechen. Wenn man neu ist im bahnhöfischen Untergrund – vor allem wenn man sich in den RBS-Bahnhof verirrt – kann man tatsächlich kurz der Orientierungslosigkeit zum Opfer fallen – ging mir jedenfalls so. Kein Vergleich zu Zürich, klar. Aber auch nicht so simpel wie Luzern. Was die “Oase der Ruhe” betrifft: In der Billetautomatenburg kann man sie tatsächlich finden, die Verschnaufpause von der Hektik. Ansonsten: Ja, der Berner Bahnhof ist weder schön noch durchdacht, das kommt davon das immer nur gekleckert statt geklotzt wird, sprich: immer nur da ein bisschen und dort ein bisschen ausbessern…

    • Lui Anche says:

      Die bahnhöfische “Oase der Ruhe” befindet sich ausgerecht im HB Zürich: in der grossen, weiten, leeren Halle, unter den Augen des tonnenschweren “ange protecteur” von Niki de Saint Phalle.

  5. Stephan Baumann says:

    Der Berner Bahnhof ist hässlich, aber er ist praktisch. Wer einmal im Nadelör des Basler Bahnhofs steckte, lobt sich die hässlich Unterführung in Bern. Billetautomaten brauchts soviele, damit man Ausweichsmöglichkeiten hat, wenn mal wieder mehrere defekt sind, was ja leider nicht selten ist.
    Hoffe wir, dass der Berner Bhf so bleibt, bis was wirklich tolles kommt und dass er nicht einer Einkaufsgalerie mit Bahnanschluss weichen muss.

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