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In der Halligalli-Hölle

Am Wochenende wurde im Kursaal die Miss Bern 2015 gekürt. Wir haben uns an den Bühnenrand gesetzt.

Was ist da bloss schiefgegangen? Vermutlich ist einem hochrangigen Planungsmitglied der Miss-Bern-Wahl bei einer entscheidenden Teamsitzung ein Versprecher unterlaufen, wodurch Scham anstatt Charme zur Losung gemacht wurde. Egal wie viel Sonne Ihre vom Winter gebleichte Rübe abgekommen hat, nichts treibt einem dermassen die Röte ins Gesicht wie diese Miss-Bern-Wahl. Wenn Sie nun meinen, wir übertreiben, dann ist Ihnen bestimmt entgangen, dass es eine Polonaise gab. Menschenskind, eine Polonaise! Nichts führt einem direkter auf den Friedhof des guten Geschmacks als der alberne Tanz in der Einerreihe.

Natürlich, als mündiger Mensch kann man selber darüber entscheiden, ob man sich einer Polonaise anschliessen will. Doch wer in diesem Moment nicht mit plötzlicher Taubheit gesegnet wurde, musste hören, zu was sich die beachtliche Menschenreihe durch den Kursaal schlängelte. «Ein Stern, der deinen Namen trägt»! Wer den Song nicht kennt, er entspricht etwa der musikalischen Umsetzung einer Polonaise. Wenn Sie nun denken, wir sollten einmal den Fuss von der Spassbremse nehmen, dann haben Sie bestimmt nicht mitgekriegt, wer die Polonaise anführte. Piero Esteriore. Der Castingmusiker und zwischenzeitliche Coiffeur in der Lorraine machte auch wirklich vor gar nichts Halt, vor allem nicht vor Ringier, und trug den Malle-Klassiker tatsächlich auf Italienisch vor.

Apropos Ringier: Der «Blick» war in der Jury vertreten. Das macht Sinn. Schliesslich verfügt das Fachblatt für drollige Tiere und Titten über die nötige Jurykompetenz für eine Misswahl. Doch der «Blick» agierte nicht als alleiniger Meinungsmacher, er bekam Hilfe von ganz oben. Das Wissensformat und bestes Billag-Argument «Glanz & Gloria» schickte auch noch wen vorbei. Irgendwo daneben sass Rafael Beutl, bekannt aus der TV-Sendung «Der Bachelor», die Sendung mit Dialog. Er hat sich bestens auf die Show vorbereitet und würde «die zweite von rechts und die erste von links» wählen.

Beutls Gel-Mähne glänzte übrigens etwa so fest wie die Schuhe des Moderatoren-Teams. Vermutlich wurden diese gesponsert. Denn gesponsert wurde viel und das wurde genauso viel erwähnt. Eigentlich bestand der grösste Teil der Show daraus, dass die Moderatoren aus dem Schweizer Handelsregister vorgelesen haben. Dazwischen liefen entweder Werbespots auf der Grossleinwand oder die Kandidatinnen über den Laufsteg, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt waren, ihren Gefühlszustand ins Mikrophon zu hyperventilieren.

Dann kam das Publikums-Voting per SMS. Das ganze verlief etwa so durchsichtig ab wie Präsidentenwahlen in Russland. Nach nur einer Minute versagte das System, die Wahl wurde nicht wiederholt. Wenn Sie nun wissen wollen, wer gewonnen hat, dann lesen Sie doch einfach am Dienstag den «Berner Bär».

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 18. Mai 2015

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2 Kommentare

  1. Jumpin' Jack says:

    Also das geht natürlich gar nicht, dass Sie diesen herrlichen Anlass dermassen in den Schmutz ziehen. Zwangs-DNA-Test für Sie, Herr Erdmann!!!

    • Adrian B. says:

      Ich finde den Beitrag äusserst gelungen, ja herrlich zu lesen. Dass solche “Schönheitswahlen” niveaumässig so tief wie Dinosaurierknochen liegen, ist ja allgemein bekannt. Bravo, Herr Erdmann!!!

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  1. Jumpin' Jack says:

    Also das geht natürlich gar nicht, dass Sie diesen herrlichen Anlass dermassen in den Schmutz ziehen. Zwangs-DNA-Test für Sie, Herr Erdmann!!!

    • Adrian B. says:

      Ich finde den Beitrag äusserst gelungen, ja herrlich zu lesen. Dass solche “Schönheitswahlen” niveaumässig so tief wie Dinosaurierknochen liegen, ist ja allgemein bekannt. Bravo, Herr Erdmann!!!

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