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Zeitfenster (5): Hundert Jahre Länggasse

Die fünfte Folge der Zeitfenster-Serie führt uns in die Länggasse.


(Bilder: Staatsarchiv, FN Jost N 1686/gbl)
Wo beginnt man einen Rundgang durch die Länggasse? Natürlich beim Hauptgebäude der Universität, das auf dieser Aufnahme von 1934 nicht viel anders aussieht als heutzutage…


(Bilder: Staatsarchiv, T. A Bern Universität 7/gbl)
…treten wir aber einen Schritt zurück, gibt es dann doch ein paar Unterschiede zur historischen Aufnahme. Das Bild ist undatiert, offenbar wurde die Uni Bern aber für attraktiv genug befunden, dass sie gar als Postkartensujet diente. Das Denkmal von Albrecht von Haller ist gemäss Angaben der Universität 1908 errichtet worden, irgendwann danach musste der gute Albrecht aber offensichtlich gezügelt werden.


(Bilder: Staatsarchiv, T. A Bern Länggass_Quartier 8/gbl)
Wir biegen in die Länggassstrasse ein, die gemäss dem «Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920» die «historische Ausfallstrasse vom Murtentor zum Bremgartenwald» bildet. Der Villenbau vorne beim Falkenplatz, den wir noch erahnen können, begann im Übrigen schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – rief doch der Bau des Bahnhofs 1858 Terrainspekulanten auf den Plan.


(Bilder: Facebook: Alte Ansichten der Stadt Bern/gbl)
Ebenfalls die Länggassstrasse, diesmal im Jahr 1920 mit Blick in die Bühlstrasse hinein, die im «Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920» treffend als «neubarockes Ensemble mit reicher Detailgestaltung» beschrieben wird. Das Gebäude rechts ist das Produkt eines Architekturwettbewerbes von anno 1900 zum Zweck des Baus des (damals) neuen Verwaltungsgebäudes für die Eidgenössische Alkoholverwaltung, die noch immer hier untergebracht ist. Google beweist dazu im Übrigen Humor: Sucht man nach «Eidgenössischer Alkoholverwaltung» erscheint dieselbe mit der korrekten Adresse – und dem Vermerk «Bierhandlung».


(Bilder: Facebook: Alte Ansichten der Stadt Bern/gbl)

Weg von der Länggassstrasse, rein ins Quartier. Wir wandern in den Fichtenweg, heute wie damals beschauliches Familienquartier, wenn auch die Kindermode im Jahr 1913 einen deutlich konservativeren Stil demonstrierte.


(Bilder: Facebook: Alte Ansichten der Stadt Bern/gbl)

Wir beenden den Rundgang im hintersten Zipfel der Länggasse, im Neufeld. Die hübsche Strassenlaterne am Eingang der Daxelhoferstrasse auf der undatierten Aufnahme musste im Laufe der Zeit leider weichen, das pittoreske Türmchen steht aber immer noch da.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 15. Mai 2015

4 Kommentare

    • Gianna Blum says:

      Ich gebe zu, ich bin ertappt, diese Information war in der «neueren Architektur» nicht zu finden. Dankeschön!

  1. Paul Wenger says:

    Beeindruckende Entwicklungen!
    Fazit aus hundert Jahren Städtebau: 1 Denkmal gezügelt, 1 Strassenlaterne abgerissen und das Grünzeug gepflegt.

    • Bernhard Zürcher says:

      Es ist in der Tat erstaunlich, wie Bern auch bezüglich Bebauung am Ort tritt. Wo andernorts, zum Beispiel in den Regionen Genf und Zürich, nur mittelalterliche und repräsentative Bauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschützt und erhalten bleiben, ist in Bern sozusagen jedes einmal errichtete Gebäude automatisch Bestandteil einer unantastbaren “Altstadt”, die sich vom mittelalterlichen Stadtzentrum über die Länggasse, den Breitenrain, das Murifeld, das Kirchenfeld bis zum Fischermätteli erstreckt. Noch heiliger als diese Bauten sind den Bernern nur noch die urigen Bauernhäuser.

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    • Gianna Blum says:

      Ich gebe zu, ich bin ertappt, diese Information war in der «neueren Architektur» nicht zu finden. Dankeschön!

  1. Paul Wenger says:

    Beeindruckende Entwicklungen!
    Fazit aus hundert Jahren Städtebau: 1 Denkmal gezügelt, 1 Strassenlaterne abgerissen und das Grünzeug gepflegt.

    • Bernhard Zürcher says:

      Es ist in der Tat erstaunlich, wie Bern auch bezüglich Bebauung am Ort tritt. Wo andernorts, zum Beispiel in den Regionen Genf und Zürich, nur mittelalterliche und repräsentative Bauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschützt und erhalten bleiben, ist in Bern sozusagen jedes einmal errichtete Gebäude automatisch Bestandteil einer unantastbaren “Altstadt”, die sich vom mittelalterlichen Stadtzentrum über die Länggasse, den Breitenrain, das Murifeld, das Kirchenfeld bis zum Fischermätteli erstreckt. Noch heiliger als diese Bauten sind den Bernern nur noch die urigen Bauernhäuser.

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