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Ein Name, ein Schnäppchen

Eine Berner Firma kreiert für 28'000 Franken neue Namen. Wir können das auch.

Was für eine Geschäftsidee! Die Berner Firma Erfolgswelle kreiert exklusive Vornamen. So exklusiv, dass in zwölf Sprachen getestet wird, ob es die Neukreation nicht doch schon gibt; Vornamen mit «Klang und Rhythmus». Kostenpunkt: 28’000 Franken. Ein Schnäppchen also. Dafür garantiert Erfolgswelle, dass der Nachwuchs die allererste Person mit der entsprechenden Namenskreation sein wird. Nicht nur das, für den neuen Namen wird auch eine «glaubwürdige neue Geschichte und Mythologie» entwickelt. Angehende Eltern werden zudem beruhigt sein, zu erfahren, dass der Name im internationalen Markenregister nachrecherchiert wird, nicht dass der oder die Kleine dann plötzlich Adidas oder Almdudler heisst.

Wir sind beeindruckt. Und auch ein bisschen neidisch. Und denken uns: Das können wir auch. So schwierig ist das nämlich nicht. Extensive Recherche zeigt: Die einzige Einschränkung bei der ganzen Namensgebungsgeschichte scheint zu sein, das Zivilstandsamt dazu zu bringen, den Namen auch zu akzeptieren. Meistens tun die Behörden das auch, vorausgesetzt, der Name verletzt die Interessen des Kindes nicht offensichtlich. Zugegeben, Jessico haben die fiesen Behördenheinis unverständlicherweise nicht akzeptiert, wie der «Blick» entrüstet mitteilt. Das «internationale Handbuch der Vornamen» verdammt ausserdem Atomfried, Bierstübl und Satan als Kindesname.

Bei anderen Namen aber zeigen sich zumindest hiesige Behörden toleranter, gibt es in der Schweiz laut Statistik doch beispielsweise 30 Frauen, die auf den schönen Namen Pornthip hören, nicht zu vergessen auch die 27 Amor (ebenfalls Frauen), 25 Neat (männlich) und fünf Napoleon (männlich).

So können wir Ihnen stolz den ersten, exklusiven, «Hauptstädter»-Namensservice anbieten. Gut, eine Prüfung in zwölf Sprachen und ein Zertifikat der Uni Leipzig liegen nicht ganz drin, wir bieten dafür 50 Prozent Rabatt, wenn Sie sich mit halb so vielen Sprachen zufrieden geben.
Für das nette Schweizer Statistik-Namenstool gibt es überall entsprechende Gegenstücke, wir haben uns mal England, Frankreich, Italien und Spanien vorgenommen. Zusammen mit Deutsch und Rätoromanisch können wir also so eine Prüfung über sechs Sprachen anbieten, das soll doch auch was gelten.

Machen wir also einen Testdurchlauf. «Klang und Rhythmus» soll der Name haben. Hm. Lala. Die Köpfe des «Hauptstädter»-Kreativ-Teams rauchen. Kaffeenachschub kommt. Dumdum. Do, re, mi – Heureka! Doremi ist der neu kreierte Name. Klang, Rhythmus, Geschlechtsneutralität, alles da, zweifellos im Interesse des Kindes.

Wir durchforsten die internationalen Statistiktools. «No existen habitantes con el nombre consultado». «No names found». «Le prénom doremi n’existe pas». So weit, so gut, nun gilt es noch das Markenregister zu prüfen: 0 Treffer!

Na also. Mit dem grosszügigen «Hauptstädter»-Rabatt macht das dann 14’000 Franken, bitte.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 14. Januar 2015

10 Kommentare

  1. Marcel Lockhart says:

    Doremi, ein cooler Name. Kommt auf meine Liste. Werde aber meinen Sohn Jessico nennen und vor Gericht ziehen wenn der Name wieder abgelehnt. Das Geld liegt bereit für die Klage, muss nur noch eine Frau finden die den Namen und mich auch genauso toll findet.

    • Helene says:

      Da hätte das Schwesterchen etwas Pech, denn Fasola heisst Bohne auf polnisch. Das Wort einfach googlen und die Bilder (und die tld deren Links) anschauen 😉

  2. Darja Rauber says:

    Pornthip ist doch ein normaler thailändischer Name, wenn ich mich nicht irre. Wurde wohl nicht unter den “12 meistverwendeten Sprachen” getestet… Na also, ich kann auch Kindernamen auf Afrikaans, Quiché, Pashtu oder Inuktitut vorschlagen und dafür 28`000 CHF verlangen…

  3. Kurt Weber says:

    Wieso nur neue Namen für den Nachwuchs? In Thailand beispielsweise wechselt man einfach seinen eigenen Vornamen, wenn einem ein neuer besser gefällt.

  4. Marco Affolter says:

    Ich kann echt nicht beurteilen ob der Aufwand für eine entsprechende Namensfindung in der Höhe von CHF 28k gerechtferigt ist. Aus eigener Erfahrung als (qualifizierter) Designer und Unternehmer weiss ich allerdings, dass z.B. die professionelle Namensfindung, bzw. die Logokreation, resp. generell das Branding massiv unterschätzt wird. Dementsprechend viele schwachsinnige Firmennamen, nichtssagende Logos, haarsträubende Anzeigen, lächerliche Spots im Regional TV usw. fluten in Zeiten des DTP und der allgemein vorherrschenden “ich-bin-auch-kreativ-Mentalität” die Medien ;-)…

  5. Aargauerin says:

    Im Kanton Aargau gibt es denn Namen Jessico bereits, dieser wurde als dritter Vorname von den “fiesen Behördenheinis” vor rund 10 Jahren schon akzeptiert.

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  1. Marcel Lockhart says:

    Doremi, ein cooler Name. Kommt auf meine Liste. Werde aber meinen Sohn Jessico nennen und vor Gericht ziehen wenn der Name wieder abgelehnt. Das Geld liegt bereit für die Klage, muss nur noch eine Frau finden die den Namen und mich auch genauso toll findet.

    • Helene says:

      Da hätte das Schwesterchen etwas Pech, denn Fasola heisst Bohne auf polnisch. Das Wort einfach googlen und die Bilder (und die tld deren Links) anschauen 😉

  2. Darja Rauber says:

    Pornthip ist doch ein normaler thailändischer Name, wenn ich mich nicht irre. Wurde wohl nicht unter den “12 meistverwendeten Sprachen” getestet… Na also, ich kann auch Kindernamen auf Afrikaans, Quiché, Pashtu oder Inuktitut vorschlagen und dafür 28`000 CHF verlangen…

  3. Kurt Weber says:

    Wieso nur neue Namen für den Nachwuchs? In Thailand beispielsweise wechselt man einfach seinen eigenen Vornamen, wenn einem ein neuer besser gefällt.

  4. Marco Affolter says:

    Ich kann echt nicht beurteilen ob der Aufwand für eine entsprechende Namensfindung in der Höhe von CHF 28k gerechtferigt ist. Aus eigener Erfahrung als (qualifizierter) Designer und Unternehmer weiss ich allerdings, dass z.B. die professionelle Namensfindung, bzw. die Logokreation, resp. generell das Branding massiv unterschätzt wird. Dementsprechend viele schwachsinnige Firmennamen, nichtssagende Logos, haarsträubende Anzeigen, lächerliche Spots im Regional TV usw. fluten in Zeiten des DTP und der allgemein vorherrschenden “ich-bin-auch-kreativ-Mentalität” die Medien ;-)…

  5. Aargauerin says:

    Im Kanton Aargau gibt es denn Namen Jessico bereits, dieser wurde als dritter Vorname von den “fiesen Behördenheinis” vor rund 10 Jahren schon akzeptiert.

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