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  • Take-Away, Konditor, Tubenversion: Wer gewinnt?

  • Alles, was es für eine Vermicelles-Orgie braucht.

Ein Dessert, drei Welten

Vermicelles vom Grossverteiler, vom Konditor oder gleich aus der Tube? Der «Hauptstädter hat sich an den Vergleich gewagt.

Alle Jahre wieder: Wenn die Blätter fallen, rüsten sich Berns Gastronomen mit Unmengen an Vermicelles aus – schliesslich das Herbstdessert schlechthin. Die «Haupstädter»-Gourmetfraktion lässt auch saisonale Essensphänomene keinesfalls ausser Acht und schreitet zum Vermicelles-Vergleich.

Natürlich könnte man sich da durch die Konditoreien Berns essen. Nur würde das arg auf das Budget und den Kalorienhaushalt der «Haupstädter»-Redaktion schlagen. Darum geht es stattdessen zum Extremtest: Verglichen wird ein hausgemachtes Vermicelles aus der Bäckerei, eine Version vom Take-away-Stand und die Billigvariante: Vermicelles und Rahm aus der Tube respektive Dose, inklusive Meringues aus der Grosspackung.

ver_takeDie Take-away-Version stammt aus der Migros-Fressmeile in der Marktgasse und schlägt dort mit 3.20 Franken zu Buche. Vielleicht wartete das Vermicelles schon zu lange auf einen Abnehmer, vielleicht wäre das Urteil bei einer frisch gemischten Kreation anders ausgefallen, geschmacklich überzeugt das Ganze nicht. «Schmeckt ziemlich künstlich», kritisiert Testesser 1. «Schmeckt trocken», findet Testesserin 2. Auch Testesserin 3 spart nicht mit Kritik: Das Ganze sei zu süss.

verm_selbstDass das Vermicelles im Bild selbst zusammengebaut ist, ist wohl kaum zu übersehen. Das Vermicelles aus der Tube schlägt mit 3.10 Franken zu Buche, für Meringue-Schalen und Schlagrahm gehen weitere 6.45 Franken drauf. Im Preisvergleich schneidet das Eigenbau-Vermicelles trotzdem am besten ab, könnte man doch mengenmässig problemlos eine zweite Gourmetfraktion durchfüttern. Wenig beeindruckt von der Billigversion ist wieder Testesser 1, das Tuben-Vermicelles schmecke nach gar nichts. Testesserin 3 dagegen lobt die vergleichsweise zurückhaltende Süsse: «Da spürt man richtig die Kastanien raus.»

ver_kondDie Krönung des Vermicelles-Tests ist, wie insgeheim vielleicht auch erwartet, tatsächlich das Dessert aus der Konditorei Bohnenblust, das aber mit 4.50 Franken auch preislich obenaus schwingt. Laut Verkäuferin ist das Ganze aber auch hausgemacht. «Die Cremigkeit entscheidet, der Konditor gewinnt», urteilt Testesserin 2. Testesserin 3 ist vom ziemlich starken Alkoholgeschmack wenig beeindruckt, wird aber durch das positive Urteil von Testesser 1 überstimmt.

Fazit Vermicelles sind kein Take-away-Gericht, sondern gehören bei einer ausgedehnten Nachmittagspause genossen. Logisch, löst die Take-away-Version wenig Begeisterung aus, und logisch ist die Konditorei-Kreation Siegerin des Tests. Und doch: Die Tubenversion geht zwar sicher nicht als Siegerin hervor, überrascht aber von Geschmack und Konsistenz her. Für die Redaktion hat sich der Test so oder so gelohnt, ist die Süssigkeitenversorgung dank übrig gebliebenen Meringues doch auf Wochen hinaus gesichert.

Die Hauptstädter-Redaktion


Publiziert am 12. November 2014