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Traktor und Transpi

Nicht nur im Kampf gegen das Tram Region Bern: Die Landmaschine ist ein äusserst beliebtes Demo-Vehikel. Sie ist auch längst nicht mehr bäuerlichen Protestierenden vorbehalten. Andere Gruppierungen haben den Traktor längst für sich entdeckt.

Kleinkinder wissen es schon längst: Die Landmaschine im Allgmeinen und der Traktor im Speziellen ist – vielleicht neben dem Kran – das beste Auto der Welt. Sie ist stark, laut und hat ein tolles Radprofil, und wenn es sein muss, kann sie einen schweren Anhänger oder scharfes Mähwerkzeug schleppen. Nichts bringt sie aus der Spur – eine Eigenschaft, die sie zum perfekten Demo-Vehikel macht.

Zuletzt haben das die Gegner des Trams Region Bern bewiesen: Als die Befürworter des Könizer Streckenabschnitts am Dienstag die geplante Schienenführung abschritten, hatten die Gegner gut sichtbar eine Handvoll Landwirtschaftsfahrzeuge, unter anderem einen sogenannten Mistzetter – gemäss Enzyklopädie ein «Anhänger zum Ausbringen von Festmist» –, am Strassenrand platziert. Die Botschaft: Die 20 Hektaren Acker in Schliern sollen nicht dem Tram zum Opfer fallen.

Die protestierenden Bauern bedienten sich wohlweislich einer langen Demo-Tradition. Der Traktor symbolisiert bäuerlichen Zusammenhalt im Kampf gegen tiefe Milchpreise, sinkende Subventionen und Freihandelsabkommen.

Nicht nur in Köniz…
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… sondern auch auf dem Berner Bundesplatz…
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… in Berlin…

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… und in München.

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Für die Protestforscher unter den Soziologen wäre es nun interessant, folgende These zu untersuchen: Im Laufe der Zeit haben sich andere Gruppierungen angeschickt, den Traktor zu kapern. Sie sind daran, ihn umzudeuten. Zum Gesinnungspanzer nicht mehr nur für Landwirtschaftsanliegen, sondern für Anliegen überhaupt. Er ist längst nicht mehr nur an den Demos gegen Atomstrom zu sehen…

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… wo sich das linksgrüne Publikum mit dem bäuerlichen mischt. Der Traktor zieht auch immer häufiger für mehr Freiräume, weniger Fleischkonsum und gegen Rassismus durch die Strassen.

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Verständlich. Andere Demo-Vehikel, etwa das Gummiboot, haben sich nicht direkt bewährt…
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Und wiederum andere lassen schlicht zu tief blicken.

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Aber das ist ein anderes Thema.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 10. September 2014

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