Soll ich PK-Gelder selbst anlegen?

Wer sein Pensionskassenkapital ohne fachkundige Unterstützung bewirtschaften will, muss mit den Risiken der Märkte umgehen können.

Zuverlässige Rente statt volles Risiko: Mit dem Pensionskassengeld sollte konservativ budgetiert werden. Foto: iStock

Ich überlege mir, wie viel Kapital ich aus der Pensionskasse nehme und wie viel ich für eine Rente stehen lasse. Um das zu entscheiden, ist die Netto-Wertschriftenrendite matchentscheidend. Wenn dieser Wert bei 2 Prozent liegt, scheint mir ein Kapitalbezug von 50 Prozent passend, wenn aber die Netto-Rendite des Wertschriftendepots bei 2,50 Prozent, oder gar 3 Prozent liegt, sieht es ganz anders aus, dann sollte ich 100 Prozent Kapital beziehen. Können Sie mir ein Institut nennen, welches mir einen Netto-Ertrag vertraglich garantiert? Meine Hausbank verspricht mir 3 Prozent, kann oder will das aber nicht garantieren. J.M.

Natürlich wäre es schön, wenn Ihnen Ihre Bank eine vorher festgelegte Rendite garantieren würde. Man könnte gut budgetieren und wäre sicher, dass das Geld später im Pensionsalter gut reicht.

Im aktuellen Marktumfeld gibt Ihnen allerdings keine Bank eine Renditegarantie für ein ganzes Portfolio. Falls Renditen genannt werden, sind es in der Regel lediglich erwartete Renditen. Wenn sich die Märkte aber anders als erwartet entwickeln, können aus diesen erwarteten Renditen auch Negativ-Renditen werden, wie wir das aktuell im Rahmen der Corona-Krise auf brutale Art gesehen haben.

Geld anlegen bedeutet immer ein Risiko. Je nach gewählter Strategie und Instrumenten ist das Risiko höher oder tiefer. Ganz ohne Risiko geht es nicht. Dann müssten Sie das Geld auf dem Konto liegen lassen, verlieren aber wegen der Gebühren und der Teuerung trotzdem noch Geld und riskieren, dass Sie bei hohen Summen Negativzinsen bezahlen müssen.

Das alles zeigt, dass das Anlageumfeld sehr anspruchsvoll ist und dass es keineswegs einfach ist, jedes Jahr ohne zu grosse Risiken zwei bis drei Prozent Rendite zu erwirtschaften. Im letzten Jahr 2019 ging das recht locker, weil sich fast alle wichtigen Anlageklassen positiv entwickelten und die Aktienmärkte von einem Rekord zum nächsten eilten. Im Corona-Jahr 2020 indes resultieren bei mehreren Anlageklassen bislang mehrheitlich Negativrenditen. Es ist also immer alles möglich. Garantien haben Sie keine.

Ein Splitting des Pensionskassengeldes in Rente und Kapital ist oft ein guter Kompromiss.

Theoretisch sind sogar deutlich höhere Renditen möglich als die zwei bis drei Prozent, die Sie auf Ihrem Pensionskassengeld anstreben. Sie könnten etwa Dividendenperlen nutzen. Das sind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Papiere wie die Zurich oder Swiss Re brachten Dividendenrenditen von vier bis fast sechs Prozent pro Jahr.

Doch Sie sehen das Problem: Gerade die Versicherungsaktien Swiss Re und Zurich veranschaulichen momentan gut, dass man mit solchen Papieren starken Kursschwankungen ausgesetzt ist und auch Geld verlieren kann, wenn der Kurs taucht. Zudem sind die schönen Dividenden nie garantiert. Sie können bei schlechtem Geschäftsgang, wie wir das wegen Corona sehen, deutlich gekürzt oder sogar gestrichen werden. Das dürfte wegen der Corona-Krise bei vielen Börsenfirmen der Fall sein.

Generell müssen Sie sich bewusst sein, dass je mehr Rendite Sie auf Ihrem PK-Geld wünschen, desto mehr Risiko Sie in Kauf nehmen müssen. Falls Sie also drei Prozent Rendite im Jahr anstreben, bedeutet dies, dass die Bank zum Beispiel den Aktienanteil im Depot erhöht und Sie mit stärkeren Kursschwankungen konfrontiert sind. In guten Börsenjahren würden Sie profitieren. Nach einem Aktien-Crash wie im März 2020 würden Sie indes auf Buchverlusten sitzen, und die Rendite müssten Sie sich wohl abschminken.

Ihr PK-Kapital sollten Sie sich aus meiner Sicht nur auszahlen lassen, wenn Sie fachkundige Unterstützung bei der Anlage haben, mit den Risiken der Finanzmärkte umgehen können und in der Lage sind, Renditeschwankungen in Kauf zu nehmen. Ein Splitting von Rente und Kapital ist oft ein guter Kompromiss: Mit dem Kapital kann man von hoffentlich höheren Renditen an den Finanzmärkten profitieren, sitzt aber nicht gleich auf dem Trockenen, wenn es mal an den Börsen schlecht läuft, denn die Rente sichert Sie nach unten ab.

Ich empfehle Ihnen konservativ zu budgetieren und in den nächsten Jahren nur von tiefen Renditen auszugehen. Wenn es dann anders kommt, haben Sie kein Problem. Falls Sie aber schon zu hohe Renditeerwartungen budgetieren, könnte das in enttäuschenden Börsenjahren dazu führen, dass es für Sie punkto Ertrag ziemlich eng wird und Sie vielleicht sogar Mühe haben, im Rentenalter Ihren Lebensstandard zu finanzieren.