So verschenken Sie Ihr Vermögen doppelt

Schenkungen an erwachsene Kinder sind hilfreich – bei grossen Beträgen könnten aber je nach Kanton Steuern anfallen.

Trotz Deklarationspflicht: Bei kleineren Schenkungen an Familienmitglieder wird keine Steuer fällig. Foto: iStock

Ich bin pensioniert und verfüge über einen grösseren Bargeldbetrag. Ich überlege mir, ob ich meiner erwachsenen Tochter jährlich 10’000 Franken zum Einkaufen in die PK-Versicherung überweisen soll. Persönlich kann sie trotz Lücke keinen Einkauf vornehmen. Wie sieht das in steuerrechtlicher Hinsicht aus? Sie wohnt im Kanton St. Gallen. Muss sie den Betrag als Einkommen deklarieren? W.R.

Ihre Tochter muss die Schenkung in der Steuererklärung deklarieren – allerdings nicht als Einkommen, sondern ab dem Datum der Schenkung als Vermögen. Im Grundsatz gilt, dass eine allfällige Steuer im Zuge einer Schenkung vom Beschenkten geschuldet wird, während der Schenker solidarisch mit dem Steuerpflichtigen haftet.

In Ihrem konkreten Fall sehe ich indes keine steuerlichen Nachteile – weder für Sie noch für Ihre Tochter. Denn die Schenkung an direkte Nachkommen oder Ehegatten ist steuerfrei. Die genauen Regelungen sind nicht in allen Kantonen gleich. Im Kanton St. Gallen, wo Ihre Tochter wohnt, könnte der von Ihnen angestrebte Transfer ohne Steuerfolgen abgewickelt werden. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie sich über die genauen Konsequenzen auch bei Ihren Steuerbehörden erkundigen.

Wäre nicht mehr genug Geld für allfällige Pflegeheimkosten vorhanden, könnten grössere Schenkungen zum Problem werden.

Sowohl Sie als Schenker als auch Ihre Tochter als Beschenkte müssen den Geldtransfer in der ordentlichen Steuererklärung aufführen, damit der Geldfluss nachvollziehbar ist. Eine Steuer wird aber nicht fällig. Bei einigen Tausend Franken pro Jahr ist eine Schenkung aus meiner Sicht kein Problem.

Würden Sie Ihrer Tochter aber eine hohe Summe von beispielsweise 50’000 Franken oder 100’000 Franken pro Jahr oder mehr schenken, wären die genauen erbrechtlichen Folgen zu prüfen, falls Sie beispielsweise neben Ihrer erwachsenen Tochter noch andere Kinder hätten. Auch wenn Sie später in ein Pflegeheim eintreten müssten und es wäre nicht mehr genug Geld aus Ihrem Vermögen vorhanden, um Ihren Eigenanteil zur Deckung der Pflegeheimkosten zu berappen, könnten grössere Schenkungen zum Problem werden.

Da Sie mir schreiben, dass es Ihnen finanziell gut geht und Sie offenbar einiges an Vermögen auf der Seite haben, spricht auch dieser Aspekt nicht gegen die von Ihnen angedachte Schenkung. Dass Sie das Geldgeschenk an eine Bedingung knüpfen, finde ich sinnvoll: Ihre Tochter kann mit dem Geld ihre Altersvorsorge stärken, die laut Ihren Angaben Lücken aufweist.

Dank dem freiwilligen Einkauf in die Pensionskasse spart Ihre Tochter Steuern. Denn sie darf den Einkaufsbetrag für die zweite Säule im Folgejahr in der Steuererklärung in Abzug bringen, was ihr eine Steuerersparnis bringt. Sie profitiert also doppelt, obwohl sie den Betrag dann später bei einem Kapitalbezug im Zuge der Pensionierung oder über den Rentenbezug versteuern muss.

Bevor Ihre Tochter den freiwilligen Einkauf in ihre Pensionskasse vornimmt, sollte sie allerdings prüfen, wie solid die Kasse aufgestellt ist und wie mit freiwilligen Einkäufen in der Kasse umgegangen wird – etwa betreffend Risikoleistungen und Zuordnung in den obligatorischen oder überobligatorischen Teil, der schlechter verzinst wird.