So legen Sie Ihr Altersgeld umsichtig an

In welche Aktienfonds soll man als Pensionär investieren? Und welche Anlageklassen sind sonst noch wichtig? Der Experte weiss Rat.

Die Anlagestrategie fürs Alter will gut geplant sein. Foto: iStock

Ich möchte mein Altersgeld gestaffelt investieren. Es kommen für mich nur ETF in Frage. Würden Sie in den SMI, SPI oder SLI investieren? Zudem möchte ich noch in den S&P 500 investieren. In welche ETF? Ich werde dieses Jahr 62 Jahre alt. Mein PK-Geld von rund 500’000 Franken liegt auf zwei Freizügigkeitskonten. Die nächsten drei Jahre löse ich zudem jedes Jahr ein Säule-3a-Konto auf und mache Vermögensverzehr. R. B.

Es ist grundsätzlich positiv, dass Sie gestaffelt investieren wollen, da wir nie wissen, ob es im Zuge der andauernden Coronakrise neue und heftige Rückschläge gibt. Um in den Schweizer Aktienmarkt zu investieren, würde ich je einen Exchange Traded Fund (ETF) nutzen, der an den SMI und einen, der an den deutlich breiter gefassten SPI gekoppelt ist.

Mit dem SMI setzen Sie auf die 20 Schweizer Unternehmen mit der höchsten Börsenkapitalisierung. Allerdings haben in diesem Index die drei Schwergewichte Roche, Nestlé und Novartis ein Übergewicht. In gewissen Börsenphasen entwickeln sich kleinere Unternehmen besser. Daher würde ich im Sinne der Diversifikation auch ein Instrument auf den SPI mit einbeziehen, mit dem Sie kostengünstig den gesamten Schweizer Aktienmarkt abdecken können.

Für den SMI würde ich den entsprechenden ETF der UBS mit Fondsdomizil Schweiz wählen. Dieser zeichnet sich durch ein hohes Volumen, tiefe Gebühren und aufgrund des Fondsdomizils Schweiz durch steuerliche Vorteile aus. Für den SPI würde ich das Produkt iShares Core SPI (CH) der BlackRock-Tochter nutzen. Beim S&P 500-Index engagieren Sie sich in die Aktien der 500 grössten Unternehmen der USA. Hier halte ich den iShares Core S&P 500 UCITS ETF für interessant.

Alterskapital sollte breit auf verschiedene Anlageklassen diversifiziert werden.

Auf keinen Fall aber sollten Sie nur auf diese Instrumente setzen, sondern Ihr Kapital breit auf verschiedene Anlageklassen wie Anleihen, Aktien, Immobilien oder Rohstoffe diversifizieren. Auch diese Anlageklassen lassen sich einfach mittels Indexfonds oder ETFs abbilden. Wenn Sie sich nur auf Aktien fokussieren oder diese zu stark gewichten, haben Sie zwar auf lange Sicht theoretisch hohe Renditechancen. Gleichzeitig gehen Sie aber ein Klumpenrisiko und hohe Kursschwankungsrisiken ein.

Der Corona-Crash hat uns wieder mal vor Augen geführt, dass selbst erstklassige Aktien innert kurzer Zeit durchaus zwanzig, dreissig oder mehr Prozent einbrechen können. Weil auch ganze Märkte – wie es sich gerade gezeigt hat – abstürzen können, nützt es in solchen Fällen auch wenig, dass man bezogen auf den entsprechenden Markt eine breite Diversifikation vorgenommen hat. Daher ist eine Diversifikation auch auf andere Anlageklassen notwendig.

Zudem würde ich selbst im Aktiensegment, das Sie angesprochen haben, noch breiter diversifizieren und zusätzlich Instrumente einsetzen, die zum Beispiel an den EuroStoxx50-Index und einen Emerging-Markets-Index wie den MSCI Emerging Markets gebunden sind. Gerade weil es sich um Ihr Altersgeld handelt und Sie dieses für die Bestreitung Ihres Lebensunterhaltes im Alter brauchen, sollten Sie aus meiner Sicht besonders vorsichtig mit dem Kapital umgehen.

Mit Geld, das man für die Bestreitung des Lebensunterhaltes braucht, muss man besonders vorsichtig umgehen.

Nach einem Crash besteht zwar bei erstklassigen Aktien eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich diese auf lange Sicht wieder erholen. Doch erstens gibt es dafür keine Garantie und zweitens kann die Erholung auch mal mehr als zehn Jahre dauern. Im Gegensatz zu einem ganz jungen Menschen haben Sie den Nachteil, dass Ihr Anlagehorizont zwangsläufig kürzer ist. Diesen wichtigen Aspekt sollten Sie bei der Festlegung Ihrer eigenen Risikofähigkeit und Ihrer Anlagestrategie unbedingt gebührend berücksichtigen.

Sie sollten sich vor einem Investment somit genau überlegen, wie viel Risiken Sie mit Ihrem Geld eingehen wollen und können, ohne dass Sie bei weiteren Einbrüchen an den Finanzmärkten in Not kommen. Die gigantischen Finanzspritzen der internationalen Notenbanken werden hoffentlich dazu beitragen, dass sich die Märkte und die Wirtschaft als Ganzes nach der Corona-Krise wieder stabilisieren. Sie führen aber zu einem weiteren Anstieg der globalen Schuldenberge, die irgendwann zu einer weiteren gravierenden Belastungsprobe für die Finanzmärkte werden dürften.

14 Kommentare zu «So legen Sie Ihr Altersgeld umsichtig an»

  • Kurt Seiler sagt:

    Warum sollte ich mit Emerging und Europa diversifizieren?
    Diese beiden Märkte fressen mir nur die gute Rendite von den USA weg.
    War immer so und wird vermutlich immer so bleiben.
    Ich würde (gestaffelt) für einen sehr grossen Betrag Berkshire Hathaway kaufen.
    Da hat man keine Scherereien mit der Besteuerung der Divi – weil schon gar nicht vorhanden.
    Pro Jahr würde ich einfach für einen fixen Betrag, so ca. 5 – 10 % der investierten Summe Anteile verkaufen.
    Sollte sehr lange dann reichen.
    Über allfällige Problem beim Vererben würde ich mir nicht den Kopf zerbrechen.
    …bin ja dann schliesslich tot.

    • Leser HE sagt:

      Herr Seiler, Ihr Vertrauen in Berkshire Hathaway in Ehren, aber Sie sollten nicht vergessen das die bestimmenden Leute dort sehr, sehr alt sind.

      Und ob die jüngeren auch so ein gutes Händchen haben werden resp. Berkshire Hathaway zusammen halten können, kann niemand voraussehen.

      • Kurt Seiler sagt:

        Die hatten Jahrzehnte Zeit um sich Nachfolge aufzubauen.
        Frisches Blut tut vielleicht sogar noch gut.
        Ich sehe Berkshire als quasi ETF auf den S+P500.
        Ohne Divi und ohne Steuern.
        OK vielleicht nicht die USD 60000.- überschreiten.

      • Theo Camenzind sagt:

        Sehe ähnlich wie Sie, jedoch nicht in dieser Absolutheit. Gerade jetzt hinkt Berkshire H. stark S&P 500 hinterher. Ganz zu schweigen von den grossen Tech-Titeln, in die Buffett wenig investiert. USA einzig durch B.H. zu ersetzen halte ich für etwas verkürzt gedacht. B.H. hat jedoch seine Vorteile, wie sagen: keine Fondskosten, egal wie tief diese auch sind.

  • Panja Flöte sagt:

    Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, den SMI mit dem SPI zu kombinieren, da sich beide Indizes überschneiden. Ich selbst würde den breiter gefassten SPI nehmen oder sogar den SLI, der die 30 grössten Schweizer Firmen enthält (inkl. Kappung, d.h. pro Firma max. 10% im Index möglich).

    Um möglichst breit zu diversifizieren, sollte man auf die ganze Welt setzen. Klar, die USA läuft und lief bis jetzt immer gut, aber das kann sich ändern. Mit dem „FTSE All-World“ (VWRL) kann günstig ein Welt-Aktien-ETF zum Portfolio gemischt werden. Der VWRL selbst enthält bereits ca. 60% USA, diesen also nicht mehr mit einem S&P-ETF mischen. Mögliche Mischung: 90% VWRL, 10% SLI. Aber jeder kann natürlich mischen, wie er will.

    • Johnny sagt:

      Ich denke, mit Schweiz und den USA sollte genug diversifiziert sein.
      Zu viel Diversifikation frisst Rendite.
      Dass die USA den Bach runter geht hör ich schon seit meiner Kindheit.
      Das sind auch schon 40 Jahre.
      Passiert ist das Gegenteil

  • Gion-Duri Mengold sagt:

    Ich würde betreffend Diversifizierung die Themeninvestments von Vontobel ins Auge fassen: auf bestimmte Themen zugeschnitten mit Firmen aus USA, Asien und Europa.

  • Leser HE sagt:

    Achtung:
    bei US-Wertpapieren sollte man bei einem Gesamtwert von über USD 60’000.- die Erbschaftssteuer der USA nicht vergessen.

    Die muss dann auch von Nicht-US-Bürgern gezahlt werden.

    Dürfte wohl auch auf Anlagen in Berkshire Hathaway zutreffen.

  • Esther sagt:

    Heutzutge ist die politische Situation in der Welt so unsicher, dass ich es lieber auf 2 Sparkontos anlegen würde, in 2 verschiedenen Banken.

    So sind sie sicher.

    Ich spreche aus Erfahrung.

    • Paul Kellenberger sagt:

      Anstatt Kapital auszahlen lassen und dann auf ein Sparkonto legen wäre Rente anstelle Kapitalauszahlung die bessere Alternative.

    • Renata Rubina Rolischo sagt:

      Diese „Erfahrung“ können Sie bitte etwas erläutern? Die Sparkontos rentieren negativ, das ist „sicher“. Sonst ist dabei gar nichts „sicher“. Und beim Altersgeld hat man immer noch einen Zeithorizont, der besseres zulässt, als Geld mit Sicherheit zu verbrennen…

  • F. Acht sagt:

    Gibt es auch Tips zu Nachhaltigen Anlagen? Hier im Dagobertenforum fühle ich mich irgendwie nicht abgeholt. Bevor ich irgendwelche Renditen einstreiche für deren Erwirtschaftung ich keinen Finger gekrümmt habe möchte ich lieber wissen, welche Bevölkerung (ohne Sozialversicherung) dabei gerade verliert oder welchen Wald ich damit gerade abholze. Finde Kohle ja schon auch geil, aber fühle mich besser wenn ich damit Niemandem schade. Anyone?

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