Libor oder Festhypothek?

Zinsen, Flexibilität und Sicherheit: Unser Experte Martin Spieler sagt, welche Hypothekarmodelle jetzt Sinn machen.

Mehrere Offerten, gute Konditionen: Lassen Sie sich Zeit, um die richtige Bank oder PK zu finden. Foto: iStock

Bei meiner Tochter steht für deren Eigentumswohnung eine Erneuerung der Hypothek an. Sie hat jetzt zwei Hypotheken bei der Migros-Bank im Betrag von total rund 500’000 Franken mit Laufzeit bis 2021. Welches Hypothekarmodell und welche Laufzeit sind sinnvoll? Y.R.

Für die Entscheidungsfindung über eine neue Hypothek sind einerseits die Zinsperspektiven, anderseits individuelle Bedürfnisse und Rahmenbedingungen wichtig. Bei den Zinsen rechne ich noch längere Zeit mit tiefen Hypothekarsätzen. Diese sind von den Kapitalmarktzinsen abhängig.

Zwar sind die Zinsen wegen der Corona-Krise und den Verwerfungen an den Finanzmärkten phasenweise gestiegen, weil sich die Anleger vor Zahlungsausfällen bei Anleihen von Schuldnern mit einem schlechten Kreditrating fürchteten. Inzwischen hat sich die Situation aber wieder eingependelt. Die internationalen Notenbanken haben mit ihren milliardenschweren Interventionen auch die Situation am Kapitalmarkt stabilisiert. Ein Zusammenbruch des Kreditmarktes, vor dem sich einige Investoren zeitweise fürchteten, konnte verhindert werden und ist unmittelbar nicht zu erwarten.

Die immensen Milliardenhilfen der Notenbanken und Regierungen für die Märkte und die Unternehmen zur Stützung der Wirtschaft und zur Abfederung der Rezession wegen der Corona-Krise sorgen dafür, dass sich die Zinsen weiter auf einem historisch tiefen Niveau bewegen. Die Märkte wurden erneut mit riesigen Geldsummen richtiggehend geflutet.

Mit Libor-Hypotheken und ab 2021 Saron-Hypotheken profitiert man weiter von den extrem tiefen Zinsen.

Wegen der Rezession können die Notenbanken dieses Geld aber wohl noch lange Zeit nicht aus den Märkten zurückziehen. Niemand will auch nach der Krise eine Erholung der Wirtschaft abwürgen. In der Schweiz muss die Nationalbank zusätzlich mit den Negativzinsen gegen eine weitere Erstarkung des Frankens ankämpfen, was ebenfalls für tiefe Sätze spricht.

Angesichts der weltweit dramatisch angestiegenen Schuldenbergen und der Geldflut befürchte ich, dass später eine Inflation zu einem Risiko wird. Kurz- und mittelfristig besteht indes diesbezüglich keine Gefahr. Sowohl die Teuerung als auch die Zinsen werden in diesem und im nächsten Jahr tief bleiben.

Vor diesem Hintergrund bleiben für mich Geldmarkt-Hypotheken wie Libor-Hypotheken und ab 2021 Saron-Hypotheken attraktiv. So profitiert man weiter von den extrem tiefen Zinsen. Allerdings sind die individuellen Bedürfnisse Ihrer Tochter zu berücksichtigen: Wenn jemand hohe Sicherheit und Berechenbarkeit wünscht, kann es Sinn machen, eher eine Festhypothek mit langen Laufzeiten zu wählen. Diese sind nach wie vor sehr günstig. Selbst bei den langen Laufzeiten, wo die Zinsen wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten kurzzeitig angezogen hatten, ist wieder eine Beruhigung eingetreten.

Wenn jemand seine Finanzierungskosten möglichst zuverlässig budgetieren möchte, fährt er mit einer Festhypothek von fünf bis zehn Jahren Laufzeit nach wie vor gut. Allerdings haben Festhypotheken auch Nachteile: Man ist sehr lange vertraglich gebunden. Wenn ein vorzeitiger Ausstieg nötig wird, etwa aufgrund eines Immobilienverkaufs oder einer Scheidung, kann eine Festhypothek zum Problem werden, da ein vorzeitiger Ausstieg teuer kommt.

Ihren Angaben entnehme ich, dass Ihre Tochter die Hypothek auf zwei Tranchen gesplittet hat, deren Laufzeiten nur einige Monate auseinanderliegen. Das macht für mich wenig Sinn. Vielmehr wäre ein Wechsel zu einer Konkurrenzbank, die nach einem Vergleich allenfalls tiefere Konditionen bietet, erschwert. Ich würde diese Tranchen zusammennehmen und neben der Hausbank auch andere Banken oder allenfalls auch Versicherungen und Pensionskassen für eine Offerte anfragen, zumal Ihre Tochter sich mit der Erneuerung der Hypothek nicht beeilen muss.

Dank eines Vergleichs der Konditionen kann man in der Regel bei einer Hypothek einiges an Zinskosten einsparen, womit mehr für den übrigen Lebensbedarf genutzt werden kann.