Lassen Sie Euros nicht auf dem Konto liegen

Fremdwährungen, die nicht gebraucht werden, bringen auf einem Privatkonto wenig. Besser, man investiert das Geld.

Investieren statt horten: Vom Brachliegen auf dem Konto ist auch bei Fremdwährungen abzuraten. Foto: Keystone

Was soll man mit 10’000 Euro auf einem Privatkonto bei der ZKB machen? Sie werden mittelfristig nicht gebraucht, kosten immer wieder Spesen und bringen nichts. Liquidieren, abwarten, ETF in Euro? P.S.

Wie beim Schweizer Franken bekommen Sie auf Ihrem Eurobestand keinen Zins. Gleichzeitig sind Sie mit einem Währungsrisiko konfrontiert. Der Euro hat gegenüber dem Franken erneut Terrain eingebüsst und dürfte auf lange Sicht wohl eher zur Schwäche tendieren, da die Europäische Zentralbank aufgrund der Corona-Krise und der weltweiten Rezession noch lange an einer ultralockeren Geldpolitik festhält.

Einen eigentlichen Absturz des Euro erwarte ich vorderhand nicht. Denn einen gewissen Schutz bietet Ihnen immerhin die Schweizerische Nationalbank. Sie kämpft gegen eine weitere Erstarkung des Frankens und unternimmt alles für sie Mögliche, damit der Euro nicht noch mehr verliert.

Tatsache ist aber, dass Sie auf Ihrem Eurobestand nichts verdienen und faktisch nach Abzug der Gebühren und unter Berücksichtigung der Teuerung sogar Geld verlieren. Je nach Konstellation kann es im Sinne der Diversifikation Sinn machen, dass Sie die Euros behalten. Ich würde diese Frage im Kontext Ihres Gesamtportfolios beurteilen.

Dank der Diversifikation in Euro haben Sie die Chance, etwas mehr Rendite zu erwirtschaften.

Wenn Sie das Geld längere Zeit ohnehin nicht brauchen, sollten Sie es auf keinen Fall lange Zeit einfach auf dem Konto brachliegen lassen. Vielmehr würde ich es investieren. Falls Sie einen langen Anlagehorizont haben, könnten Sie die Euros in europäische Aktien anlegen. Das ist einfach möglich über einen Anlagefonds in Euro oder einen Exchange Traded Fund (ETF), wie Sie ihn ebenfalls in Ihrer Frage angesprochen haben.

Falls Sie beispielsweise regelmässig Erträge auf Ihrem Geld wünschen, wäre für Sie vielleicht ein Anlagefonds oder ETF interessant, der sich auf europäische Dividendenperlen fokussiert. Allerdings tragen Sie bei solchen Aktienanlagen ein erhöhtes Risiko und müssen bereit sein, starke Kursschwankungen in Kauf zu nehmen. Auch in nächster Zeit erwarte ich aufgrund der Corona-Krise weiter stärkere Turbulenzen an den Börsen.

Welche Anlageform infrage kommt, hängt von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft ab. Dies gilt nicht nur für die Euros, sondern für Ihr gesamtes Geld. Eine mögliche Anlage sollte daher im Kontext Ihrer übrigen finanziellen Konstellation angeschaut werden.

Wenn Sie ohnehin auch sonst in Aktien investieren, macht eine Diversifikation in europäische Aktien durchaus Sinn. Falls Sie aber Wert auf hohe Sicherheit legen und sich nur auf Anleihen fokussieren, würde ich eher einen Anlagefonds oder ETF mit Euro-Obligationen nutzen. Dank der Diversifikation in Euro haben Sie die Chance, etwas mehr Rendite zu erwirtschaften.

Lassen Sie sich von Ihrer Bank konkrete Vorschlage ausarbeiten, wie Sie die Euros anhand Ihres persönlichen Risikoprofils investieren können. Möglichkeiten gibt es sehr viele. Diese müssen aber zu Ihnen und zu Ihrer Risikobereitschaft passen.

10 Kommentare zu «Lassen Sie Euros nicht auf dem Konto liegen»

  • Anh Toàn sagt:

    Sie könnten den gleichen Artikel schreiben für einen Europäer, Amerikaner über CHF 10’000 auf einem Konto: Er sollte die investieren, nicht rumliegen lassen, diese Fremdwährung, die keine Zinsen bringt und Spesen kostet. Gut die CHF haben aufgewertet zu EUR und USD, aber woher weiss man, dass die Kursänderungen auch in Zukunft in die Richtung geht?

    Und dann soll man also, statt den Cash zinslos rumliegen lassen, diesen in zinslose erstklassige Bonds investieren, damit man auch noch Verwaltungskosten für keine Zinsen erzielen bezahlen darf?

    Aber ganz verwerflich ist wirklich, so 10’000 Taler einfach li3gen zu lassen, das ist keine artgerechte Haltung von Geld, das ist unmoralisch, es ist das Recht jedes Talers, verzinst zu werden.

    • Anh Toàn sagt:

      “ könnten Sie die Euros in europäische Aktien anlegen. “

      Also so Siemens und Unilever und Sanofi und so: Sind die jetzt europäisch? Die machen ihre Umsätze doch etwa geographisch auf der Welt verteilt, wie entsprechende Konzerne aus den USA?

      Typisches Denken: Wird eine Aktie in EUR gehandelt, ist es eine europäische Aktie, wurden EUR investiert: Royal Dutch war mal eine europäische Aktie, jetzt ist es eine britische. Ich hatte mal Samsung und Hyundai ADR’s in EUR im Depot, meine Bank hat diese dann als europäisches Investment kategorisiert.

      Aktien sind Investitionen in USD in erster Linie, USD verdienen die Unternehmen, noch leben wir in einer Dollarwelt. Kauft man EuroStoxx, kauft man mehr USD als EUR.

      • Kurt Seiler sagt:

        Natürlich gibt es die Europäer!
        Man erkennt sie an der eindeutig schlechteren Performance gegenüber ihrer US-Konkurrenz.

  • Kurt Seiler sagt:

    Ich würde die Euros in Dollar umtauschen und US-Aktien kaufen.

    • Anh Toàn sagt:

      Ich würde mich in Dollar verschulden, um (US-)Aktien zu kaufen, als Anleger mit Referenzwährung CHF.

      Ob Siemens oder GE (oder ABB), ob Airbus oder Boeing, eigentlich egal. In den USA gibt es aber mehr Aktien/Unternehmen in Zukunftsmärkten, die USA sind nicht das Land der Entwickler und Tüftler, im Silikon Valley sind keine Tech Nerds, da sind Marketing Fuzzis und Venture Kapitalisten und da sind die USA das Mass aller Dinge und darum sind insgesamt US Aktien das Mass aller Dinge. Letztlich sind US Aktien mehr Tech, mehr Biotech als sogenannt „europäische“: Es ist kein anderer geographischer Mix, aus dem anderen Land entsteht ein anderer Branchenmix.

    • Anh Toàn sagt:

      Ausserdem können Sie US Aktien auch kaufen, ohne die EUR formell in USD zu tauschen: Sie können in EUR gehandelte ETF’s auf US Indices kaufen, sie können direkt an europäischen Börsen gehandelte „Depositary Shares“ in EUR kaufen:

      Darum geht es mir im Kern zu diesem Beitrag: Mit welcher Währung eine Aktie oder ein ETF gekauft wird, sagt wenig bis nichts darüber, in welche Währung investiert wird.

      In welche(n) Währung(sraum) investiert wird, ist strategisch die wichtigste Entscheidung beim Anlegen, wie das Investment bezahlt wird, ist eine taktische Entscheidung.

      Hier wird aus dem taktischen „Problem“, es sind EUR, eine Strategie entwickelt, richtigerweise ergibt sich die Strategie aus dem Gesamtvermögen und Risikofähigkeit, der Rest ist Taktik.

      • Anh Toàn sagt:

        Die Denkweise, hier liegt noch Geld, also muss ich es anlegen, erachte ich als grundlegend falsch. Es ist nicht schlimm, wenn irgendwo noch Geld rumliegt, man muss dies nicht unbedingt investieren. Solches Denken führt zu Fehlinvestitionen, immerhin ist dann weniger da, über das man sich Gedanken machen muss, wie man es investieren soll. Richtig wäre eine Denkweise wie, hier sehe ich eine viel versprechende Investition, woher nehme ich das Geld dafür, allenfalls leihe ich es mir oder verkaufe etwas weniger rentables.

  • Hans Meier sagt:

    „Lassen Sie sich von Ihrer Bank konkrete Vorschlage ausarbeiten, wie Sie die Euros anhand Ihres persönlichen Risikoprofils investieren können.“
    Hand aufs Herz Herr Spieler, ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Bank für einen Anlagewert von € 10’000.00 sehr interessiert ist Vorschläge auszuarbeiten.
    Fragesteller P.S. lässt leider völlig offen wie er a) zu den 10T € gekommen ist, b) wie er anderweitig investiert, c) was sein Anlagehorizont ist, d) welche Risikobereitschaft vorhanden ist etc, etc.

  • Tim Weser sagt:

    Ich würde das Geld auf einem Konto wie bei Transferwise überweisen wo die Einzahlung und die Aufbewahrung nichts kostet und günstig ein Transfer in andere Währungen möglich ist.
    Oder bei Boon.Planet einzahlen. Kostenloses Konto mit virtueller Kreditkarte (Apple Pay-fähig) und ohne Fremdwährungsgebühren. Aktuell gibt es sogar 0.75% Zinsen bis 10’000 EUR Einlage.
    Ist auch mit Wohnsitz in der Schweiz möglich.

  • Peter Schneider sagt:

    Ich würde die EUR zu Transferwise verschieben und über die Jahre hinweg mit der kostenlosen Transferwise Debitkarte (MC) z.B. bei Amazon oder im Laden in Deutschland einkaufen. Kontoführungsgebühren: 0.
    https://transferwise.com/u/07935
    Das führt zu einer enormen Verringerung von Kreditkartengebühren (schlechter FX, Auslandsgebühren… Fällt alles weg).

Kommentar

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