Investieren in Rohstoffe – aber wie?

Wer in Rohöl und Edelmetalle anlegen möchte, tut dies am besten über Fonds – allerdings sind die Risiken und Schwankungen hoch.

Historische Tiefstände: Wegen der Corona-Krise sind die Rohölpreise drastisch gefallen. Foto: Getty Images

Die gegenwärtige Krise hat uns alle überrascht und einiges verändert. Aus diesem Grunde möchte ich in die Rohstoffe Gold, Silber und Erdöl investieren. Die Liste der entsprechenden ETF ist kompliziert und unübersichtlich. Können Sie ETF vorschlagen, mit denen in die drei Rohstoffe investiert werden kann? H.G.

Eigentlich zeichnen sich viele Rohstoffanlagen durch eine tiefe oder sogar negative Korrelation zu Aktien aus und sind daher eine sinnvolle Diversifikationsmöglichkeit innerhalb eines Depots. Im Falle von Rohöl hat dies aber in diesem Jahr gar nicht funktioniert: Wegen der Corona-Krise sind die Rohölpreise parallel zu den Aktien richtiggehend gecrasht und haben historische Tiefstände erreicht. Die Nachfrage nach Rohöl ist eingebrochen und dürfte aufgrund der weltweiten Rezession nur langsam wieder zunehmen.

Dennoch halte ich ein Investment, wie Sie es in Rohstoffe planen, für sinnvoll. Unabhängig von der Corona-Krise sollte man auch in Rohstoffanlagen diversifizieren, zumal diese auch einen Inflationsschutz bieten. Die Tatsache, dass die Ölnotierungen extrem tief sind, öffnet meines Erachtens Einstiegschancen, auch wenn sich der Ölpreis wohl nur langsam erholen wird. Allerdings sind Rohstoffanlagen riskant und besonders starken Kursschwankungen ausgesetzt. Dies trifft auch für Gold und Silber zu, obwohl diese Edelmetalle als Inbegriff für Sicherheit gelten.

Bei den Edelmetallen würde ich auf die Edelmetall-ETFs der ZKB zurückgreifen.

In die von Ihnen favorisierten Edelmetalle Gold und Silber und in Rohöl investieren können Sie über einen breit diversifizierten Rohstofffonds oder einen Exchange Traded Fund ETF, der an einen Rohstoff-Index gekoppelt ist und das ihm anvertraute in verschiedene Rohstoffe anlegt. Anlagefonds, wie sie praktisch alle grossen Fondsfirmen führen, investieren über Derivate in liquide Rohstoff-Terminkontrakte, sogenannte Rohstoff-Futures, der Sektoren Energie, Industriemetalle, Edelmetalle und Agrarrohstoffe. ETFs sind an einen Rohstoff-Index wie den Bloomberg Commodity Index gebunden.

Mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER von 0,19 Prozent günstig sind etwa die ETFs UBS ETF (IE) Bloomberg Commodity Index SF UCITS ETF (USD) oder iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF. Falls Sie hingegen separat je in einzelne Rohstoffe wie Rohöl investieren möchten, müssten Sie einen Exchange Traded Commodities-Instrument ETC nutzen. Anders als ETFs fallen ETCs bei einem Bankkonkurs aber nicht ins Sondervermögen, darum besteht bei diesen Instrumenten ein Emittentenrisiko.

Ansonsten können Sie ETCs ebenso wie ETFs über die Börse handeln. Möglichkeiten dafür bietet beim Rohöl etwa der WisdomTree Brent Crude Oil Longer Dated ETC oder der db Brent Crude Oil Booster ETC (EUR). Bei den Edelmetallen würde ich auf die bei Schweizer und ausländischen Privatanlegern und bei institutionellen Investoren weit verbreiteten und beliebten Edelmetall-ETFs der ZKB zurückgreifen, die je einen ETF auf Gold und auf Silber sowie übrigens separat auch auf Platin oder Palladium anbietet. Der grosse Pluspunkt dieser ETFs ist, dass sie alle mit den Edelmetallen physisch hinterlegt sind und in Europa zu den grössten Edelmetallfonds zählen, womit eine sehr hohe Marktliquidität gegeben ist. Hierzulande dürfen Gold-ETF schon seit bald 15 Jahren als Fonds mit nur einem Rohstoff-Produkt bewilligt werden, obschon die Fondsaufsicht bei diesen Vehikeln normalerweise eine Mindestdiversifikation fordert.