Soll ich in der Krise ein Haus kaufen?

Private sollten sich bei der Fremdfinanzierung eines Eigenheims möglichst zurückhalten und konservativ budgetieren.

Corona-resistent: Wenn die Aktien schlecht laufen, dürfte wieder mehr Geld in Eigenheime fliessen. Foto: Urs Jaudas

Wir besitzen eine Wohnung, welche wir im Jahr 2014 gekauft hatten. Da uns die Wohnung mit zwei Kleinkindern etwas zu eng wird, sind wir auf der Suche nach einem grösseren Zuhause. Wir haben einen Besichtigungstermin für ein Objekt, welches uns ganz gut gefällt. Die Immobilienpreise sind jedoch nach wie vor unverschämt hoch im Kanton Zürich. Wir sind verunsichert, ob es ein Fehler wäre, jetzt eine neue Immobilie zu kaufen, wo wir nicht wissen, was für ein Ausmass das Coronavirus auf die Nachfrage respektive die Preise haben wird. Was würden Sie uns raten? W.H.

Prognosen sind in der aktuellen Corona-Krise heikel. Da wir alle die genauen Konsequenzen des Coronavirus für die Wirtschaft noch nicht seriös abschätzen können und nicht wissen, wie lange sich die Krankheit noch weiter ausbreitet und wie lange es geht, bis ein Gegenmittel einsetzbar ist, sind alle Prognosen kaum verlässlich. Man kann sich Szenarien zurechtlegen, mehr nicht.

Stark negative Folgen der Corona-Krise erwarte ich auf dem Immobilienmarkt für Büroliegenschaften und Detailhandelsliegenschaften. Wegen der Corona-Krise wird sich der Trend zum Homeoffice stark verstärken, und zwar auch dann noch, wenn die Krise überwunden ist. Eine Folge der Krise wird sein, dass auch ohne Krisenzeiten mehr Firmen und Mitarbeitende Homeoffice machen werden, womit es künftig weniger Büroflächen braucht.

Ähnliches gilt bei den Ladenflächen: Die Corona-Krise stärkt die Digitalisierung und den Internethandel. Auch nach der Krise werden von einer breiten Bevölkerungsschicht mehr Waren per Internet bestellt als noch vor der Krise, womit es weniger Läden oder zumindest weniger grosse Ladenflächen braucht.

Mit dem Ende der Krise dürften die Preise für Wohnobjekte langsam eher wieder etwas zunehmen.

Komplexer ist die Lagebeurteilung bei Wohnliegenschaften. Renditeliegenschaften waren schon vor der Krise überkauft. Bei selbst genutztem Wohneigentum sehe ich unterschiedliche Aspekte. Weil die Wirtschaft wohl in eine Rezession abgleitet und sich die Einkommenslage und die Arbeitsplatzsicherheit vieler verschlechtert, könnten einige nicht mehr in der Lage sein, ihre Hypotheken zu bezahlen. Zwangsverkäufe dürften sich häufen. Das spricht für sinkende Preise auch in diesem Segment.

Für eine weiter gute Nachfrage nach selbst genutztem Wohneigentum sprechen allerdings die extrem tiefen Zinsen, die wegen der Krise und der Notenbankmassnahmen noch sehr lange tief bleiben, sowie der Crash an den Aktienmärkten. Wenn die Aktien schlecht laufen und die Anleger das Vertrauen in diese verlieren, dürfte wohl wieder mehr Geld in Eigentumswohnungen und -häuser fliessen, weil die Anleger hier mehr Stabilität für ihr Geld erhoffen.

Die Frage ist nun, welcher Aspekt stärker auf die Preise wirkt. Kurzfristig rechne ich auch bei Wohneigentum mit sinkenden Preisen. Mit dem Ende der Krise und einer allmählichen Erholung der Wirtschaftslage dürften aber auch die Preise für Wohnobjekte langsam eher wieder etwas zunehmen.

Für Sie entscheidend sind die Wohnqualität für Ihre Familie, da Sie die Liegenschaft selbst bewohnen, und die Frage, ob Sie die Liegenschaft finanziell gut tragen können. Auch hier spielen die Arbeitsplatzsicherheit und Ihre persönlichen wirtschaftlichen Aussichten nach der Krise eine wichtige Rolle. Sie müssen für sich genau prüfen, ob und unter welchen Umständen Sie ein Haus und die damit verbundene Fremdfinanzierung tragen können.

Angesichts der ungewissen konjunkturellen Perspektiven würde ich eher konservativ budgetieren und bei der Fremdfinanzierung masshalten, damit Sie und Ihre Familie bei einer allenfalls eintretenden Verschlechterung Ihrer finanziellen Situation wegen der Krise nicht in eine Notlage geraten.