Hypozinsen werden sich wieder beruhigen

Auch der Hypothekenmarkt ist von der Corona-Krise betroffen – und die Turbulenzen am Kapitalmarkt werden anhalten. Besteht für Hausbesitzer Handlungsbedarf?

Die Zinsen für Festhypotheken mit längeren Laufzeiten sind phasenweise stark angestiegen: Ein Einfamilienhaus. Foto: Doris Fanconi (Tamedia)

Unsere Festhypothek läuft im Februar 2022 ab. Die Bank offeriert uns bereits heute eine Verlängerung um weitere fünf Jahre zum gleichen Satz. Da meine Frau und ich schon älter sind, wollen wir uns nicht für die weiteren fünf Jahre binden. Es wurde uns daher eine zweijährige Hypothek offeriert zu einem niedrigeren Satz. Da wir eher zu Saron («Swiss Average Rate Overnight») tendieren, wollen wir vorläufig noch zuwarten und später entscheiden. Was raten Sie uns? J.K.

Auch der Hypothekenmarkt ist von der Corona-Krise nicht verschont geblieben. Die Zinsen für Festhypotheken mit längeren Laufzeiten sind phasenweise stark angestiegen. Der Grund dafür liegt bei den Turbulenzen am Kapitalmarkt. Hier sind die Risikoprämien deutlich in die Höhe geklettert.

Angesichts der weltweiten Rezession haben sich die Wirtschaftsperspektiven für viele Unternehmen schwer eingetrübt. Wenn die Umsätze ausbleiben, drohen schnell rote Zahlen. Falls dann eine Firma auch noch auf hohen Schulden sitzt, die es zu refinanzieren gilt, kann es unter Umständen eng werden. Darum sind die Kreditgeber gegenüber Schuldnern mit einem schlechten Schuldnerrating deutlich zurückhaltender geworden.

Einige Firmen haben grosse Mühe, noch Kredite zu erhalten, weil die Investoren Zahlungsausfälle befürchten. Tatsächlich werden wir wegen der Corona-Krise weltweit eine Konkurswelle erleben. Die Nothilfemassnahmen der Regierungen und Notenbanken können diese zwar abfedern, sicher aber nicht ausschliessen.

Angesichts dieser düsteren Aussichten wollen die Investoren ihre erhöhten Risiken besser abgegolten haben. Hypotheken werden zwar durch die mit ihnen verbundenen Liegenschaften abgesichert. Die Refinanzierung der Hypotheken erfolgt aber zum grössten Teil über den Kapitalmarkt. Daher ist es auch bei den Zinsen für lang laufende Hypotheken zu Turbulenzen gekommen. Das ist letztlich auch Ausdruck der weit verbreiteten Unsicherheit.

Zunächst werden wir am Kapitalmarkt eine Bereinigung sehen. Bei den Obligationen hat diese bereits teilweise stattgefunden. Die Anleihen von schlecht eingestuften Schuldnern sind ähnlich wie die Kurse von Aktien tief in den Keller getaucht.

Vorderhand werden die Turbulenzen anhalten. Sobald sich die Corona-Krise aber stabilisiert und das Ausmass der wirtschaftlichen Konsequenzen besser abschätzbar wird, erwarte ich auch am Kapitalmarkt wieder eine ruhigere Entwicklung. Dann wirkt die Geldflut der Notenbanken wieder stärker.

Ich würde die Entwicklung bei den Zinsen im Auge behalten.

Angesichts der milliardenschweren Notmassnahmen und der globalen Rezession sind die grossen Notenbanken nicht in der Lage, die Zinsen zu erhöhen. Die Geldschwemme der Notenbanken sorgt dafür, dass die Zinsen wohl noch längere Zeit im Keller bleiben. Darum reche ich – von temporären Ausschlägen abgesehen, wie wir es aktuell erleben – nicht mit deutlich höheren Hypozinsen, sondern mit länger anhaltend günstigen Hyposätzen.

Aus meiner Sicht besteht für Hausbesitzer, deren Hypothek erst später ausläuft, derzeit kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Unabhängig von der Corona-Krise möchten Banken ihre Hypothekarkunden mit einer Festhypothek gerne lange an sich binden, da der Konkurrenzkampf im Hypothekargeschäft härter geworden ist.

Kurzfristig sind viele Pensionskassen und Versicherer mit Neuhypotheken etwas zurückhaltender. Doch das wird sich wieder ausgleichen, und der Konkurrenzkampf wird wieder voll spielen, womit wohl auch die Hypothekarsätze wieder etwas zurückkommen oder zumindest kaum deutlich ansteigen. Ich denke auch, dass Sie sich Zeit lassen können. Aber ich würde die Entwicklung bei den Zinsen im Auge behalten und frühzeitig mehrere Angebote einholen. Dann können Sie entscheiden.

Auch bei den von Ihnen erwähnten kurzfristigen Saron-Hypotheken, welche im nächsten Jahr die beliebten Libor-Hypotheken ablösen werden, erwarte ich weiter tiefe Zinsen. Allerdings trägt man bei diesen ein Restrisiko für den Fall, dass später die Zinsen dann doch einmal stärker anziehen. Dafür ist es meines Erachtens aber noch klar zu früh.

2 Kommentare zu «Hypozinsen werden sich wieder beruhigen»

  • Werner Wenger sagt:

    Wir wurden von unserer Bank orientiert, dass der Zinssatz beim kommenden Saron erst nach Valuta für die verflossene Periode bekannt gegeben. Die Kündigungsfrist jedoch weiterhin 3 Monate betragen würde. Somit wäre man noch mindestens 6 Monate im Saron gebunden. Das hat uns bewogen eine Festhypo unter 1% für 5 Jahre zu vereinbaren. Grundgedanke: Hypozinse unter 3% sind alleweil sehr günstig, und die Aussstiegsfrage alle 3 Monate fällt auch weg.

  • Martin sagt:

    In diesen struben Zeiten wo alles drunter und drüber geht ist für ältere Hausbesitzer eine fünfjährige Hypothek mit gutem Zins eine vernünftige Variante. Bei einem Hausverkauf (falls die Besitzer ins Altersheim ziehen) stellen sich die Banken etwas weniger quer wenns drum geht die Hypothek dem neuen Besitzer zu übergeben.

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