Mehr Zins? Mehr Risiko!

Die Aktien der Versandapotheke Zur Rose Group halten sich trotz Coronakrise erfreulich gut. Doch die Zinsen gibt es nicht umsonst.

Profitiert von der Digitalisierung im Gesundheitswesen: Zürcher Filiale der Zur Rose Group. Foto: Keystone

Unsere Bank empfiehlt uns eine Anleihe der Zur Rose Group mit Coupon 2,5%. Wie schätzen Sie diese ein? K.E.

Die Zur Rose Group ist eine Versandapotheke und zählt zu den grössten Internethandels-Apotheken Europas. Vor der Konkurrentin Shop Apotheke aus Holland ist Zur Rose der grösste europäische Player. Hierzulande ist sie ausserdem als Ärztegrossistin tätig. Bei uns ist die an der Schweizer Börse gehandelte Firma mit Sitz im thurgauischen Frauenfeld in Deutschland fast noch bekannter über ihre Apothekenmarke DocMorris.

Bei den Aktien gehört Zur Rose zu den wenigen Papieren, die sich erfreulich halten und trotz Crash seit Jahresanfang ein stolzes Plus aufweisen. Die Aktie zeitweise belastet hat allerdings, dass die Versandapotheke eine Wandelanleihe im Volumen von 175 Millionen Franken platziert hat. Ursprünglich geplant waren nur 150 Millionen. Wegen der starken Nachfrage wurde das Volumen um 25 Millionen aufgestockt.

Die Versandapotheke beantragt der Generalversammlung vom 23. April die Schaffung von bedingtem und genehmigtem Aktienkapital und will neue Aktien im Umfang von bis zu 15 Prozent der bestehenden Anteile ausgeben können.

Zur Rose beabsichtigt, die Mittel für die Markteinführung elektronischer rezeptpflichtiger Medikamente zu nutzen. Zudem werden Wachstumsinitiativen in Europa zur Verbreiterung der Kundenbasis finanziert. Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Coupon beträgt 2,75 Prozent pro Jahr.

Wachstum hat immer einen Preis und kostet viel Kapital.

Als typische Wachstumsfirma im E-Commerce-Geschäft investiert die Gruppe viel in den Ausbau ihrer Marktstellung, verdient aber unter dem Strich kein Geld. Mittelfristig soll sich auch das ändern: 2022 sollen die Verkäufe nicht nur auf 2,5 Milliarden Franken steigen, sondern es soll auch eine positive Ebitda-Marge erreicht werden.

Wachstum hat immer einen Preis und kostet viel Kapital, wie die Bilanz der Gruppe verrät. Hier orte ich denn auch einen Schwachpunkt bei der Zur Rose Group, was man sich vor allem als Investor von Anleihen der Firma vor Augen halten sollte. Ein Schuldnerrating der grossen Kreditratingagenturen Moody’s oder Standard&Poor’s gibt es nicht. Auch die Zürcher Kantonalbank, die sonst eine breite Zahl von Firmen in ihrem Swiss Rating Guide abdeckt, hat die Schuldnerqualität von Zur Rose nicht bewertet, was es für Privatanleger schwierig macht, die Risiken der Zur-Rose-Anleihen einzuschätzen.

Aus meiner Sicht tragen Sie mit den Papieren ein erhöhtes Risiko. Dafür erhalten Sie einen attraktiven Coupon von 2,5 Prozent oder sogar 2,75 Prozent bei der Wandelanleihe. Es gilt der Grundsatz: Mehr Zins gibt es nur mit mehr Risiko. Frankenanleihen bringen derzeit kaum mehr Zins – wer 2 Prozent Zins will, muss bei der Schuldnerqualität Abstriche machen.

Dennoch stufe ich die Anleihe und den Schuldner Zur Rose als recht gut ein, zumal die Versandapothekengruppe von der durch die Corona-Krise erst recht forcierten Digitalisierung auch im Gesundheitswesen profitieren wird.

1 Kommentar zu «Mehr Zins? Mehr Risiko!»

  • Oil of Olaf sagt:

    Je stärker wir auf das Internet und die Digitalisierung ausgerichtet und angewiesen sind, umso empfindlicher sind wir auf Sicherheit die es niemals voll und immer gibt. Das Internet ist inzwischen so komplex verknüpft und aufgestellt, dass niemand mehr alles überschauen kann. Digitale Geräte und Software sind ebenso anfällig. Z,B. Ein kräftig heftiger Sonnensturm und wir haben eine existenzielle Krise wie man sie wirklich noch nie erlebt hat. Kaufen und konsumieren Sie von regionalen Dienstleistern und Geschäften bevor wir alle diese definitiv in Konkurs getrieben haben und die totale Internet Abhänigkeit herrscht.

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