Wer Gold kauft, braucht starke Nerven

Unser Geldberater verrät die Vor- und Nachteile der Krisenwährung – und warum in ein gut diversifiziertes Depot Gold gehört.

Gefragt und unberechenbar: Der im Zuge der Corona-Krise hohe Goldpreis wird künftig stark schwanken. Foto: iStock

Ich möchte nochmals etwas Gold erwerben, gerade jetzt in dieser äusserst turbulenten, unberechenbaren Zeit. Bei Raiffeisen wurde mir gesagt, dass dies sinnvoll sei. Die Berner Kantonalbank hingegen hatte mir davon eher abgeraten, da jetzt alle Gold kaufen und es teuer sei. Was stimmt nun? K.B.

Ich kann Ihnen keine abschliessende Antwort auf die Frage geben, welche von beiden Banken recht hat. Denn wir wissen alle nicht, was uns die Zukunft noch bringt, zumal die Corona-Krise vieles unberechenbar macht.

Gold ist eine klassische Krisenwährung. Das haben die Turbulenzen wegen der Corona-Krise und des Ölpreis-Crashs wieder gezeigt. Wenn die Anleger wie jetzt besonders verunsichert sind, flüchten viele ins Gold und weitere Edelmetalle sowie in sichere Staatsanleihen und in den Schweizer Franken. Im Zuge der Corona-Verunsicherung und der zeitweisen Abschwächung des Dollars wegen der Zinssenkung durch die US-Notenbank ist der Goldunzenpreis noch mehr angestiegen.

Gold bleibt auch künftig ein beliebtes Absicherungsinstrument gegen künftige Marktturbulenzen und Krisen. Ob auch in Zukunft ein weiterer starker Kursanstieg bei den Goldnotierungen drinliegt, hängt davon ab, ob sich die Finanzmärkte langsam beruhigen, oder ob neue Schocks die Investoren verunsichern.

Für weitere Verunsicherung sorgen könnten eine drastische Verschlimmerung der Corona-Krise, aber auch andere Gefahrenherde wie etwa ein Kreditcrash, wenn es aufgrund einer globalen Rezession zu vielen Zahlungsausfällen bei Anleihen-Schuldnern kommt, oder bei geopolitischen Ereignissen, die heute nicht oder nur schwer absehbar sind. Zweifellos wird die Corona-Krise das Wachstum in den meisten Ländern verlangsamen und wohl zu einer globalen Rezession führen, falls die Lungenkrankheit nicht bald eingedämmt werden kann.

In dieser Konstellation werden die Unternehmensergebnisse weltweit stark leiden und die Börsen turbulent bleiben. Dann würde sich das Gold wohl besser entwickeln als die Aktien. Das ist das pessimistische Szenario.

Es gibt aber auch das positive Szenario: dass nämlich die Ausbreitung des Coronavirus im Jahresverlauf gestoppt wird und ein Gegenmittel gefunden wird sowie die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen durch Massnahmen der grossen Notenbanken abgefedert werden können. Dann würden sich auch die Finanzmärkte langsam wieder beruhigen. Im Zuge einer Erholung an den Aktienmärkten könnte es dann zu einer Dämpfung beim Goldpreis kommen.

Welches Szenario zutrifft, weiss ich schlicht nicht. Sie müssen für sich überlegen, welche Marktentwicklung Sie in Zukunft für eher wahrscheinlich halten. Meines Erachtens bleiben die Märkte wohl noch längere Zeit verunsichert. Allerdings haben wir in letzter Zeit beim Gold eine sehr starke Nachfrage gesehen. Viel Negatives ist im aktuellen Kurs bereits drin.

Vielleicht erinnern Sie sich, wie während der Finanzkrise viele Privatinvestoren im grossen Stil Gold gekauft hatten. Ihre Freude darüber dauerte nicht sehr lange. Denn nach einer Beruhigung der Krise kamen auch die Goldnotierungen zurück.

Was ich schon länger sage, gilt nach wie vor: Gold ist wie eine Versicherung. Das Edelmetall gehört in ein breit diversifiziertes Depot als Absicherung gegen künftige Abstürze an den Finanzmärkten.

Ich würde aber nicht alles Geld oder auch nicht zu viel Geld nur aufs Gold oder andere Edelmetalle setzen, denn dann tragen Sie ein Klumpenrisiko, zumal auch Gold trotz dem Status als Krisenwährung sehr starken Kursschwankungen ausgesetzt ist und darüber hinaus anders als andere grosse Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien keine Rendite abwirft.

21 Kommentare zu «Wer Gold kauft, braucht starke Nerven»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Gold gehört in kein „Depot“. Nur physisches Gold, über das man persönliche Kontrolle hat, kann „Sinn“ machen. Aber nur dann, wenn unser gesamtes Wirtschaftssystem zusammenbricht und der Schweizer Franken wertlos wurde.
    Wer 1982 Gold gekauft hat, hat selbst beim heutigen hohen Goldkurs immer noch rund 30% VERLUST zu verkraften. Also 40 Jahre lang kein Zins erhalten und trotzdem noch 30% verloren.
    Gold kann man als Sammelgut erwerben, weil einem die Barren/Münzen gefallen. Und man kann es kaufen, wenn man an die Apokalypse glaubt. Oder aus Spekulationsgründen, um es in der Krise mit Gewinn zu verkaufen.
    Aber zur Teil-Absicherung eines Vermögens dient es nur, wenn die Welt völlig zusammebricht.

    • Peter Rohner sagt:

      Ja, absolut einverstanden! — Interessanter Beitrag zum Thema Gold von Gerd Kommer hier:
      https://www.gerd-kommer-invest.de/gold-als-investment/

    • Bernhard Piller sagt:

      Von welchem Kurs sprechen Sie? Vom absoluten Kurs oder vom inflationsbereinigten? Der absolute Kurs hat mitnichten einen 30 % en Verlust verzeichnet. Und das Jahr 1982 ist so etwa das ungünstigste Beispiel, das Sie gefunden haben.
      Sie müssen Gold mit Bargeld vergleichen. Ich persönlich finde es sehr bedenklich, dass ich monatelang arbeiten muss für eine Stück Papier, das jemand zum Drucker rausgelassen hat und auf dem eine Zahl draufsteht. Geld ist einfach „Hoffen, das der andere es gut meint mit einem“. Das ist beim Gold nicht so. Da muss ein Mensch monatelang pickeln, um die „Goldmenge“ auszudehnen.

      • Michael sagt:

        Gold kann man nicht essen! Daher ist es wie jede Versicherung relativ sinnlos, vor allem für Schweizer Frankenbesitzer.
        Drücken Notenbanken wie die SNB die Zinsen weiter auf Null werden alle Papierwerte weiter stark ansteigen und Gold verliert relativ (ausser die Inflation geht durch die Decke – bisher nicht passiert).
        Bricht die Welt zusammen, dann kann man auch Gold nicht essen und vor allem hat man dann andere Probleme (z.B. kein Job, keine Mieteinnahmen, soziale Unruhen, Bankencrashes usw.) und das wenige Gold bringt dann auch nicht viel. Eben wie jede Versicherung – im Krisenfall eh nicht zu brauchen, bzw. zu wenig.

      • Bernhard Piller sagt:

        @Michael; Und was halten Sie von Bitcoin? Die können Sie noch viel weniger essen.
        Was Sie ansprechen sind extreme Situationen wie Hungersnot etc. Da müssen Sie Kartoffeln besitzen und ein Grundstück haben, auf dem Sie Lebensmittel anpflanzen können.
        Und da nützt Ihnen Geld auch nichts mehr, weil der Staat es durch Hyper-Inflation entwertet hat.

    • Brandy sagt:

      Geld oder Gold , was sicher ist Gold hat Weltweit viele Währungen kommen und gehen gesehen und wird auch noch viele überdauern

  • Ackermann Markus sagt:

    Trägt das Sparkonto bei der Bank oder physisches Gold aktuell das grössere Risiko? Die Verschuldung ist heute so hoch, viele wirtschaftliche Umstände sind so unnachhaltig und unhaltbar (zB die Billigreisen, Energiekonsum des Internets, medizinische Versorgung, Abhängigkeiten der Globalisierung, Vermögensverteilung), dass man sich grosse Revisionen vorstellen kann (Währungsrevisionen, Schuldenerlass resp. -Abschreibung, Kriegswirtschaft). Welche Finanzwerte haben dann noch Bestand? Das Coronavirus trifft auf eine geschwächte Welt mit zahlreichen Vorerkrankungen. Das Finanzsystem gehört eindeutig zur Risikogruppe.

  • Kurt Seiler sagt:

    Man vergleiche mal den Langfristchart von Gold gegen den von Nestle.

    • Urs Müller sagt:

      Und vergleichen Sie erst mal den Langfristchart von Gold gegen den von Kodak!
      Oder den von Äpfeln und Birnen… 😉

      • Kurt Seiler sagt:

        Also auch Sie sind einer der meint Gold sei unvergleichlich?

      • Oil of Olaf sagt:

        Lassen Sie sich mal ein Kilo Gold und danach ein Kilo Federn aus 10 Meter Höhe auf den Kopf fallen.

        Sie spüren den Unterschied.
        Und ja, es braucht Nerven solchen Unfug zu machen.

    • Oil of Olaf sagt:

      Langfristcharts zu verkaufen!
      Frische schöne authentische Langfristcharts zu verkaufen!
      Wer hat noch nicht, wer will nochmals!

      Zum allerletzten Mal.
      Investitionen gehen immer in die sogenannte Zukunft. Von jetzt bis jetzt im Prinzip. Charts sind nicht mal zum Rauchen geniessbar, genauso wie Gold auch kein genüssliches Aroma mehr hat.

  • Altar sagt:

    Ich möchte die Argumente der Gegen-Gold Lobby hier gerne nochmals in einem Jahr hören

  • Oil of Olaf sagt:

    Jetzt kommt richtig dicke Post angeliefert.

    Das organisierte wirtschaftslähmende internationale Chrüsi Müsi seit Wochen und Monaten kostet so viel Münz, dass die Gefahr von systemrelevanten Ländern und Währungen höchst akut geworden ist. Staatsbankrotte wirken je nach dem wie Einschläge von Asteroiden auf der Erde auf das Finanz und Wirtschaft System.
    Was dann wirklich Wert haben wird und mit was sich tauschen lässt, wird sich zeigen.

    Gut möglich, dass der Bären Marsch an den Börsen noch viel weiter geht.

    Wer ernsthaft ehrlich und aufrichtig die Bewertungen der meisten börsenkotierten Unternehmen beurteilt, stellt nüchtern fest, dass nach Minus 20% seit Höchststand, noch lange nicht ein halbwegs fairer Wert da sein kann. 😉

    • Panja Flöte sagt:

      Die aktuellen Aktienkurse enthalten bereits die nahe Zukunft. Und die nahe Zukunft sieht so aus: Die Notenbanken haben die Notenpressen angeworfen und „retten“ die Welt.

      • Oil of Olaf sagt:

        @Kahn Löter
        Ihre Lösung ist ja „Bubi eifach“.
        Glauben Sie mir, die Welt retten ist nicht einfach die Notenpresse anwerfen und los geht es.
        Da sind so viele Details zu beachten.
        Ich gehe davon aus verhalten optimistisch, dass es nebst der gesundheitlichen und psychischen Verfassung der Menschheit zur Bewältigung der „Coronna Körper- & Hirnwäsche sowie dem wirtschaftlich finanziellen Schaden, geschätzte 25 bis 35 Billionen USD weltweit an frischem Zaster bedarf, um den Karren halbwegs aus dem Dreck zu ziehen und wieder ins Rennen zu senden, im besten Fall. 🤪

      • Panja Flöte sagt:

        @ /OoO\

        Ja, da haben Sie natürlich recht. Der Schaden wird nicht einfach durch die Notenpresse eliminiert. Irgendwie läuft die Geldpolitik aus dem Ruder, und die meisten machen weiter wie immer.

        Und am Horizont wartet schon die Klimakatastrophe auf uns, die auch nicht gerade förderlich sein wird für die gute Laune des Anlegers.

    • Kurt Seiler sagt:

      „Wer ernsthaft ehrlich und aufrichtig die Bewertungen der meisten börsenkotierten Unternehmen beurteilt, stellt nüchtern fest, dass nach Minus 20% seit Höchststand, noch lange nicht ein halbwegs fairer Wert da sein kann. 😉“
      Sie müssen ein Vermögen an der Börse gemacht haben.
      Und dann immer noch die Zeit finden uns an Ihrem immensen Wissen teilhaben zu lassen.
      Chapeau!

      • Oil of Olaf sagt:

        Nein. Ich bin ein „Schnellschuss“ Derivate Junkie. Um ordentlich zu Investieren also 100’000 und mehr pro Engagement hat mich der Storch in den falschen Schweizer Schornstein geworfen. Ich würde jedoch nun, selbst wenn ich Geld wie Heu hätte, nicht in Wertpapiere investieren. Bis die Pandemie weltweit halbwegs unter „Kontrolle“ (gelernt mit Käfer zu leben) ist, bleiben die Märkte extrem unsicher. Würde Geld eher verschenken an weniger vermögende Leute zum Konsum, als Negativzinsen den Banken abzudrücken oder sogar noch mehr Gold „sinnlos“ zu horten.
        Geld ist Mittel zum Zweck und dieser soll doch Freude bereiten.

  • Liyao WOO sagt:

    Hallo Herr Rothacher,
    Was halten Sie von den folgenden physisches Goldkauf als Long-term Investment?
    Laufzeit: auf 10 Jahre mit einem Zielsumme: von 12.000 Euro. Monatlichen Ratenzahlung: von 100 Euro über diesem Zeitraum.
    Jeder Zeit kann diese mntl Ratenzahlungen auf Pause gelegt werden. Physisches Gold ist jederzeit ausgelieferbar mit ca. 75 Euro Liefergebühr.
    Zu zahlen vor Vertragsbeginn:
    Deposit: 600 Euro (bekommt man zurück nach Erfüllung des Vertrages
    Agio: 120 Euro
    Ordergebühr : 330 Euro
    Vertragspartner: All Commodity Intertrading (www.safeandhome.com)
    in Zusammenarbeit mit Phoenix Investor als Vermittler/Partner in Wien (www.phoenix-investor.at)
    Ausserdem erhält man als Tippgeber einen Provision bei Weiterempfehlungen. Bin neugierig was Sie dazu sagen werden. MfG,

    • Jürg Bühler sagt:

      Und sonst geht es noch gut? Bin etwas schockiert, dass sowas hier veröffentlicht wird.
      Da bezahlen Sie schon mal vorab 1050 Euro, damit Sie später Gold kaufen dürfen? Zu welchen Preisen wird das Gold verkauft, bzw. was verdienen die da dran.
      Wenn Sie für die Weiterempfehlung Geld erhalten, dann sehen Sie, wie Sie schon zuviel Provision bezahlen.
      Sie können genauso bei einem Discount Broker ein Konto aufmachen und da in CHF Gold ETFs kaufen, die ihr Gold auch ausliefern würden. Da erstehen Sie Ihr Gold mit einem Bruchteil der Zusatzkosten.
      Die meisten Leute begreifen gar nicht wie fest die Kosten ihre Anlageergebnis beeinflusst.

Kommentar

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