Panik an der Börse bietet auch Chancen

Wenn Anleger aus Angst aussteigen, kann man günstig kaufen. Worauf Sie dabei achten sollten.

Günstige Gelegenheit? Letztlich kennt keiner den richtigen Zeitpunkt, um günstig in Aktien einzusteigen. Foto: iStock

Oft liest man, dass in Zeiten des Coronavirus die Aktienkurse immer weiter sinken. Eigentlich wäre das doch eine optimale Zeit, um zu investieren, wenn man ein bisschen Zeit hat. Es kommen sicher wieder bessere Zeiten. Welche Investitionen könnten Sie da momentan empfehlen? N.B.

Die aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten machen jene nervös, die Aktien im Depot haben. Für jene, die gerne Aktien kaufen möchten, bieten sich bei starken Kursrückschlägen indes attraktive Kaufchancen.

Das Problem dabei ist allerdings, dass man bei Abwärtsbewegungen nie so richtig weiss, ob die Kurse tatsächlich schon Boden gefunden haben oder ob das, was wir gerade erleben, erst der Anfang einer lange andauernden Baisse ist und die Titel vielleicht noch viel mehr in den Keller gehen.

Interessant ist in diesem Kontext ein Blick zurück: Anfang März 2009 erreichte der amerikanische S&P-500-Index auf rund 667 Punkten seinen Tiefstpunkt im Zuge der Finanzkrise. Zuvor aber war er während vieler Tage immer tiefer getaucht, hatte sich dazwischen leicht erholt und ist dann wieder eingebrochen.

Elf Jahre später wissen wir, dass dies nicht nur der Tiefpunkt war, sondern vor allem der Anfang der Hausse, die bis Mitte Februar 2020 gedauert und die Kurse laufend zu neuen Rekorden geführt hatte. Der S&P-500-Index stieg zeitweise gar auf über 3393 Punkte. Hätten Sie damals im März 2009 gekauft, hätten Sie in den letzten elf Jahren enorme Kursgewinne verbuchen dürfen.

Ich teile Ihre Meinung, dass man dann an der Börse einsteigen sollte, wenn die Nervosität besonders hoch ist und die Kurse purzeln. Das perfekte Timing indes findet man kaum: Mal ist man beim Einstieg zu früh, mal zu spät.

Lösen kann man dieses Problem einfach, indem man gestaffelt kauft. Weil unklar ist, wie lange die Corona-Krise noch andauert und welches Ausmass sie annimmt, und vor allem, wie tief greifend die negativen Auswirkungen für die Wirtschaft weltweit sein werden, würde ich jetzt nicht gleich alles Geld investieren.

Vielmehr würde ich bei Tagen mit deutlichen Rückschlägen immer wieder mal eine Tranche Aktien erwerben. Falls Sie nicht Einzelaktien, sondern Anlagefonds oder Exchange Traded Funds, die an einen Index gekoppelt sind, nutzen, können Sie stetig auch kleine Beträge anlegen und dank der Staffelung über mehrere Monate möglicherweise einen attraktiven Durchschnittspreis für Ihren Einstieg erzielen. Bei Einzeltiteln indes können Sie wenigstens die Positionen staffeln.

Kaufen würde ich in unruhigen Marktphasen ausschliesslich Qualitätsaktien, die auch Gewähr bieten, selbst in schwierigen Zeiten einigermassen Stabilität zu ermöglichen. Dazu zähle ich typische Schweizer Schwergewichte wie Roche, Novartis, Nestle, Zurich, Swiss Re, Swiss Life, Sika, Givaudan, Swisscom, LafargeHolcim oder Geberit. Exotische Werte oder Titel von Problemfirmen würde ich in heiklen Marktphasen indes meiden.

Wichtig ist, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt, immer eine breite Diversifikation. Sie sollten Ihr Geld auch auf andere Anklageklassen wie Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien und andere Regionen und Märkte verteilen, damit Sie möglichst kein Klumpenrisiko tragen.

Die Corona-Krise ist nur ein Unsicherheitsfaktor an den Märkten. Zusätzliche Risiken sehe ich auch in den weltweit gestiegenen Schuldenbergen, in der seit Jahren ultralockeren Geldpolitik, die falsche Anreize setzt, in den internationalen Handelskonflikten und in vielen geopolitischen Gefahren.

Man kann an der Börse zu attraktiven Kursen kaufen, wenn die Mehrheit der Anleger aus Angst aussteigt, doch muss man einen langen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren haben und bereit sein, die auch künftig noch folgenden Turbulenzen auszuhalten.