Lassen Sie sich nicht von Geschenken blenden

Viel wichtiger als der Willkommensdrink sind bei der Wahl von Bank und Bankberatern die menschlichen Faktoren.

Den Champagner zahlt am Ende der Kunde selber – zum Beispiel in Form von Gebühren. Foto: Getty Images

Nachdem die liechtensteinische Landesbank Negativzinsen einführte, transferierte ich mein Vermögen zu einer anderen Bank. Hier überschüttete mich der Berater mit Geschenken, Blumen, Champagner und Einladungen. Doch ich verlor mein Vertrauen. Da auch die UBS, wo ich ebenfalls ein grosses Vermögen hatte, Negativzinsen verrechnet, suche ich eine neue Bank. Kennen Sie einen guten Berater? Wir haben auch eine Raffeisenfiliale, die keine Negativzinsen hat. Was raten Sie? C.S.

Immer mehr Banken führen für hohe liquide Mittel auf ihren Konten Negativzinsen ein oder senken die bisherigen Schwellen, über denen Sie Negativsätze anwenden. Neuere Beispiele dafür sind die UBS oder auch die Postfinance.

Sollte die Schweizerische Nationalbank ihre Negativzinsen noch weiter von 0,75 auf 1 Prozent ausweiten, was bei einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank leider nicht ausgeschlossen werden kann, dürften die Schwellen für die Verrechnung von Negativzinsen bei den meisten Banken noch mehr sinken.

Wenn jemand wie Sie hohe Beträge auf dem Konto hat, können Sie zur Vermeidung der Negativzinsen immerhin entweder Institute wählen, die auf die Verrechnung der Negativsätze verzichten, wie die von Ihnen erwähnten Raiffeisen-Banken, oder die liquiden Mittel auf mehrere Banken verteilen.

Letzteres würde ich Ihnen empfehlen, da Sie mittels einer Diversifizierung auf mehrere Institute auch Ihre Sicherheit erhöhen. Denn im Konkursfall sind durch die gesetzliche Einlagensicherung lediglich Einlagen von maximal 100’000 Franken pro Kunde und Bank gesichert.

Noch besser ist es, wenn Sie generell nicht zu viel liquide Mittel halten, sondern das Kapital breit diversifiziert nach verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien etc. investieren. Doch dann tragen Sie je nach gewählter Anlagestrategie ein erhöhtes Anlagerisiko. Dafür erwirtschaften Sie wenigstens einen Ertrag.

Die liquiden Mittel auf dem Konto sind für Sie in jedem Fall ein Negativgeschäft – selbst ohne Negativzinsen. Denn auf dem Konto bekommen Sie keinen Zins, aber die Teuerung vermindert dennoch Schritt um Schritt Ihr Geld. Auch wenn die Teuerung hierzulande mit rund 0,4 Prozent nach wie vor gering ist, hat diese trotzdem eine stetige Geldentwertung zur Folge.

Komplexer ist Ihre zweite Frage nach dem passenden Bankberater. Einen bestimmten Berater kann ich Ihnen nicht empfehlen. Denn ob dieser zu Ihnen passt, hängt neben fachlichen Kriterien auch von individuellen Aspekten ab.

In erster Linie müssen die Professionalität und die Fachexpertise vorhanden sein. Das ist bei den meisten Banken in der Regel gegeben, obschon es auch da zugegebenermassen beträchtliche Unterschiede gibt.

Über das Fachliche hinaus wichtig ist allerdings auch die menschliche Ebene: Wenn Sie Ihr Vermögen einer Bank anvertrauen, sollten Sie auch in den einzelnen Berater volles Vertrauen haben und sich wohlfühlen. Wenn dieses Vertrauen nicht vorhanden ist, würde ich auf eine Bankbeziehung verzichten. Nur sind Ihre Bedürfnisse nicht die gleichen wie jene von anderen Kunden. Darum muss zu einem Bankberater erst eine Beziehung aufgebaut werden.

Auf keinen Fall beeindrucken lassen sollte man sich von schönen Geschenken wie Champagner, Blumen oder Einladungen, wie sie im Private Banking durchaus üblich sind. Dabei geht es darum, die Kundenbeziehung zu pflegen, doch bringt dies wenig, wenn die Vertrauensbasis zum Berater zu wenig vorhanden ist oder die Bank Ihre Bedürfnisse nicht oder zu wenig berücksichtigt.

Ohnehin sollte man sich bei solchen Geschenken keine Illusionen machen: Letztlich bezahlen Sie diese Geschenke indirekt selbst – nämlich über hohe und nicht selten auch überhöhte Gebühren.