Verlockender Dividendensegen

Die meisten Schweizer Börsenfirmen zahlen bald Dividende aus. Was Sie vor einer Investition wissen sollten.

Klassische Dividendenperle mit einer Rendite von 4,2 Prozent: Swisscom-Hauptsitz in Bern. Foto: iStock

Ich habe vor drei Jahren bei meiner Bank nachhaltige Anlagen im Wert von 250’000 Franken gekauft. Mir wurde bei einer sechsjährigen Haltefrist eine Rendite von 5 Prozent in Aussicht gestellt – hat nichts gebracht. Nun möchte ich neu in Dividendenperlen investieren. Empfohlen werden meist Nestlé, Roche und Novartis. Sind Ihnen nebst den drei zitierten weitere Perlen mit hoher Dividende bekannt? Y.B.

Wer jetzt noch rechtzeitig Aktien kauft, kann in den nächsten paar Wochen und Monaten vom reichlichen Dividendensegen bei Schweizer Aktien profitieren. Denn die meisten Börsenfirmen hierzulande schütten ihre Dividende in den Monaten Februar bis Mai aus.

Die Tatsache, dass viele Investoren gerade deshalb in Aktien investieren, dürfte die Märkte trotz zahlreicher Unsicherheitsfaktoren, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, wenigstens teilweise stützen. Jedenfalls fliesst aktuell weiter viel neues Geld an die Börsen, meist von Anlegern, die aus Angst vor einem Kursrückschlag zugewartet hatten und jetzt noch schnell zugreifen möchten, bevor die Dividenden ausbezahlt werden.

Wenn Sie Aktien mit attraktiven Dividenden suchen, können Sie praktisch den ganzen Swiss-Market-Index kaufen. Neben den von Ihnen bereits erwähnten Nestlé, Novartis und Roche fallen vor allem die grossen Versicherer Swiss Re, Swiss Life und Zurich durch eine besonders hohe Dividende auf. Zurich bringt eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent, Swiss Life 3,4 Prozent und Swiss Re eine solche von 5,1 Prozent.

Freude machen Dividendenjägern auch Adecco mit einer Rendite von 4 Prozent, LafargeHolcim mit 3,75 Prozent oder ABB mit 3,4 Prozent. Eine klassische Dividendenperle ist ferner die Swisscom mit einer Rendite von 4,2 Prozent.

Bei den mittelgrossen und kleinen Firmen bekannt als Dividendenperlen sind der Reisedetailhändler Dufry mit einer Rendite von 4,1 Prozent, der zusätzlich den Pluspunkt hat, dass er noch einigermassen günstig bewertet ist. Aber auch der Elektroinstallateur Burkhalter mit einer Rendite von 5,1 Prozent, die Kreditbank Cembra Money Bank mit 3,3 Prozent, Sunrise mit 5,3 Prozent und die APG mit 6,9 Prozent sind attraktiv.

Doch leider hat die Sache auch ein paar Haken. Erstens sind all die schönen Dividenden nie garantiert. Sie müssen zuerst noch definitiv beschlossen werden. Bei enttäuschendem Geschäftsgang kann eine hohe Dividende auch mal gekürzt oder gestrichen werden.

Zweitens schützen Sie hohe Dividenden nicht vor dem eigentlichen Anlagerisiko. Sie müssen selbst bei soliden Dividendenperlen aus dem Swiss-Market-Index wie Nestlé, Novartis und Roche jederzeit auch mit Kursrückschlägen rechnen. So kann es bei jeder Firma zu überraschenden operativen Problemen kommen, die man derzeit noch nicht kennt. Oder die Börsen als Ganzes können stark korrigieren. Die Dividende bekommen Sie dann vielleicht, aber Sie sitzen aufgrund der Marktkorrektur allenfalls auf hohen Buchverlusten. Vielen Investoren ist das etwa bei der APG passiert.

Eine hohe Dividendenrendite von 5,5 Prozent bringt auch die UBS. Doch die Aktien der Grossbank haben in den letzten Jahren mehrmals schwer enttäuscht. Darum sollte man beim Anlegen nie allein nur auf die schöne Dividende achten, sondern auch die Perspektiven eines Unternehmens, seine Branche sowie das Marktumfeld genau analysieren.

Angesichts der Krise zwischen den USA und dem Iran, des nach wie vor nicht vollständig gelösten Handelsstreites zwischen den USA und China, zahlreicher geopolitischen Risiken und der gestiegenen weltweiten Verschuldung würde es mich nicht erstaunen, wenn wir nach der Traumhausse im letzten Jahr in diesem Jahr mit mehreren Korrekturen konfrontiert wären. Sie müssen also in der Lage sein, auch starke Korrekturen auszuhalten, und möglichst einen langen Anlagehorizont von acht oder mehr Jahren haben.

Auch unabhängig von breiten Marktkorrekturen gibt es gerade bei Dividendenperlen im Frühling in der Regel einen Kurstaucher – nämlich nur schon deshalb, weil die Dividende weggeht.

Darüber hinaus empfehle ich generell, breit zu diversifizieren und nicht nur ein paar wenige Titel zu halten, da man sonst ein Klumpenrisiko eingeht.