Fondswahl: Meiden Sie Lockvogelangebote

Wer beim Kauf von Vorsorgefonds auf Strategie und Gebühren achtet, holt auf lange Sicht mehr Rendite raus.

Die Migros-Bank bietet keine Vorsorgefonds mit einem Aktienanteil von mehr als 45 Prozent an. Foto: Keystone

Ich bin über 30 und zahle bei der Migros-Bank jeweils in die 3. Säule ein, habe aber auch bei der ZKB noch eine 3. Säule. Nun empfiehlt mir die Migros-Bank, in hauseigene Vorsorgefonds zu investieren. Mich interessiert der Migros-Bank Fonds 45 V, da ich einen möglichst hohen Aktienanteil möchte. Wenn ich mindestens 10’000 Franken in den Fonds anlege, schenkt mir die Bank 5000 Cumulus-Punkte. Soll ich das Angebot annehmen? H.M.

Dass Sie sich überlegen, Ihr 3.-Säule-Geld nicht einfach auf einem Konto, das nur noch sehr wenig Zins abwirft, liegen zu lassen, sondern in Vorsorgefonds zu investieren, kann ich nur unterstützen.

Mit Vorsorgefonds erreichen Sie auf lange Sicht deutlich mehr Rendite. Da Ihr Geld voraussichtlich über 30 Jahre liegen bleibt, macht der Renditeunterschied dank Zinseszins über all die Jahre hinweg sehr viel aus.

Mit Vorsorgefonds haben Sie eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Sie später mehr auf der hohen Kante haben werden. Wichtig ist allerdings auch die Wahl des passenden Fonds. Sie schreiben mir, dass Sie einen Fonds mit möglichst hohem Aktienanteil wünschen.

Bei der Migros-Bank weist der von Ihnen erwähnte Migros-Bank Fonds 45 V den höchsten Aktienanteil von 45 Prozent auf. Der Fonds investiert zusätzlich zu 40 Prozent in Obligationen und zu 15 Prozent in alternative Anlagen und Geldmarktanlagen. Grösste Positionen im Aktienbereich sind die Schwergewichte Nestlé, Novartis, Roche, aber auch Titel von ABB, Lonza, Richemont, PSP Swiss Property, Zurich, Swiss Prime Site und UBS.

Aus meiner Sicht ist es schade, dass die Migros-Bank keine Vorsorgefonds mit einem höheren Aktienanteil anbietet. Zwar beinhaltet ein höherer Aktienanteil auch ein deutlich höheres Risiko. Für Junge wie Sie mit einem sehr langen Anlagehorizont macht ein möglichst hoher Aktienanteil, wie Sie es wünschen, aufgrund der langfristig besseren Renditechancen aber Sinn.

Vor diesem Hintergrund würde ich auch bei der ZKB, bei der Sie, wie Sie schreiben, ebenfalls eine 3. Säule haben, einen Vorschlag für einen Vorsorgefonds einholen. Die ZKB nämlich bietet mit dem hauseigenen Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF eine Vorsorgevariante mit einem hohen Aktienanteil von 75 Prozent an. Hier tragen Sie zwar deutlich höhere Kursschwankungen, kommen aber in den Genuss von mehr Renditechancen.

Interessant ist der Gebührenvergleich: Während der Vorsorgefonds der Migros-Bank eine Gesamtkostenkennzahl Total Expense Ratio von 0,94 Prozent aufweist, belastet der passiv geführte Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 75 Passiv VT CHF Ihrer zweiten Bank nur 0,42 Prozent. Sie zahlen pro Jahr bei diesem Fonds trotz höherem Aktienanteil weniger als die Hälfte der Gebühren des anderen Vehikels, wobei die Fonds natürlich nur bedingt vergleichbar sind.

Bei der ZKB hätten Sie den Anreiz der Migros-Bank, dass man Ihnen bei einem Investment von 10’000 Franken in Vorsorgefonds einmalig 5000 Cumulus-Punkte gutschreibt, nicht. Ich würde mich aber bei der Fondswahl generell von solchen Aktionen nicht leiten lassen. Die 5000 Punkte haben zwar einen Wert von immerhin 50 Franken.

Wenn Sie aber mit Ihrem Vorsorgegeld langfristig weniger Renditechancen haben und im Vergleich jedes Jahr mehr Gebühren in dem Fonds bezahlen, geht die Rechnung für Sie trotz verlockenden Cumulus-Punkten aus meiner Sicht nicht wirklich auf.

8 Kommentare zu «Fondswahl: Meiden Sie Lockvogelangebote»

  • Peter Rohner sagt:

    Interessanter Anbieter für 3a-Produkte ist auch VIAC. Hier können bis zu 100% in Aktien investiert werden. Passive, kostengünstige Lösung. Ein Konto ist schnell online eröffnet.

    • Thomas Abderhalden sagt:

      Ich kann niemanden verstehen, der seine 3. Säule nicht bei der VIAC hat. Gut habe ich die entdeckt, und mache seither fleissig Werbung dafür.

  • David sagt:

    Achtung! Bei der ZKB kommen noch Depotgebühren dazu! Ebenso Ausgabe – und Rücknahmekommissionen.

    Allgemeine sind die Gebühren bei Vorsorgefonds viel zu hoch und fressen den Steuervorteil wieder weg. Sehr sehr schade.

  • urs brand sagt:

    3saule Konto zur wir Bank transferieren und dann in die Fondanlage von VIAC investieren.

  • Kurt Seiler sagt:

    Diese gemischten Fonds sind elend.
    Wenn schon Aktien dann gleich 100% – aber sicher nicht mit Oblis und Geldmarkt verwässertes Zeugs.
    Wer kauft denn heute noch so was?
    Wir sind doch nicht mehr in den Achtzigern!

    • Peter Rohner sagt:

      Es ist nicht unbedingt schlecht, in verschiedene Anlageklassen zu investieren (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien), vor allem dann nicht, wenn diese Anlageklassen kaum miteinander korrelieren. So verkleinert man wirkungsvoll die Volatilität, aber natürlich oft auch die Gesamtrendite (langfristig sind die Aktien die Gewinner).

      Das passt durchaus zu Anlegern, die keine grossen Wertschwankungen aushalten können. Jeder wie er will und kann.

  • Petra Keller sagt:

    Ich habe beide Fonds auch mal miteinander verglichen und mir von beiden Banken die Informationen eingeholt. Bei der ZKB bezahlt man eine Depotgebühr für das Vorsorgedepot, bei der Migros Bank ist das Vorsorgedepot kostenlos. Die ZKB heuscht noch Kaufgebühren für den Fonds, bei der Migros Bank kann man kostenlos die hauseigenen Vorsorgefonds erwerben. So gesehen bilden die Aussagen im Artikel nicht die ganze Wahrheit ab. Die Fonds der ZKB sind nämlich unter Berücksichtigung aller anfallenden Kosten nicht mehr so günstig.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.