Warum Sie niemals auf Pump investieren sollten

Banken verteilen grosszügig Lombardkredite, weil sie daran gut verdienen – wenn aber die Märkte tauchen, wird es heikel.

Ein gutes Jahr an der Börse sollte einen nicht dazu verleiten, mehr Risiko einzugehen. Foto: iStock

Ich bin seit bald einem Jahr pensioniert und habe nach der Pensionierung mit dem «Börselen» begonnen. Mit Erfolg. Meine Hausbank, die UBS, hat mir sogar einen Lombardkredit angeboten, weil es mir mit den Aktien so gut gelaufen ist. Sehen Sie Nachteile? Die Zinsen sind extrem tief, noch tiefer als jene für unsere Hypothek. Dafür kann ich locker mehr Gewinne machen. A.H.

Ich sage es gleich vorweg: Ich bin kritisch und rate Ihnen davon ab, einen Lombardkredit aufzunehmen, auch wenn solche Kredite wie bereits vor dem Platzen der grossen Tech-Blase bei der Jahrhundertwende wieder stark in Mode gekommen sind.

Viele Banken bieten Kunden derzeit unkompliziert Lombardkredite an. Das hat nicht in erster Linie etwas damit zu tun, dass Sie mit Ihren Börsenaktivitäten in diesem Jahr erfolgreich waren. Primär sind Lombardkredite für die Bank eine Gewinnmaschine.

Einerseits verdienen die Institute mit dem Zins. Doch das ist angesichts der tiefen Sätze nicht mal das grosse Geschäft, wenngleich so ein Teil der vielen liquiden Mittel gewinnbringend platziert werden kann und weniger Negativzinsen an die Nationalbank bezahlt werden müssen.

Anderseits, und das ist weit attraktiver, können die Banken dank Lombardkrediten ihre Gebühren ankurbeln, weil mit dem Geld Börsengeschäfte getätigt werden und auch die verwalteten Vermögen erhöht werden – zumindest solange es an den Börsen noch aufwärtsgeht.

Ein Lombardkredit ist verlockend: Man sieht als Anleger die tiefen Zinsen und die enormen Renditechancen etwa bei Aktien. Das Problem bei der Sache ist, dass man den günstigen Kredit gegen die Verpfändung seines Wertschriftendepots erhält. Die Bank bekommt für den Kredit eine Sicherheit in Form der Wertschriften wie Aktien, Fonds oder Obligationen.

Das ist alles wunderbar, solange es an den Aktienmärkten stetig aufwärtsgeht. Falls aber irgendwann der Wind dreht und die Aktienmärkte einbrechen, wird es für viele, die Lombardkredite halten, ziemlich ungemütlich.

Denn es sinken nicht nur die Aktien, die sie dank dem Kredit auf Pump erworben haben, sondern meist auch die Wertschriften, die sie der Bank als Sicherheit verpfändet haben. Da sie in diesem Fall weniger Sicherheiten für den gewährten Kredit hat, darf die Bank zusätzlich Wertschriften als Sicherheit verlangen, oder man muss selbst Geld einschiessen oder den Kredit zurückzahlen.

Oft führt das im Rahmen einer breiten Marktkorrektur dazu, dass man im grösseren Stil Wertschriften verkaufen muss – leider dann aber nicht mehr zu den Höchstständen wie im Moment, in dem man vielleicht den Kredit aufgenommen hat, sondern zu weit tieferen Kursen etwa im Zuge eines Crashs.

Vereinfacht gesagt, schafft ein Lombardkredit in günstigen Marktlagen zusätzliche Anlagechancen, erhöht aber die Risiken im Fall einer Marktkorrektur erheblich. Das räumen selbst die Banken ein, die derzeit grosszügig Lombardkredite verteilen.

Immerhin werden die hinterlegten Wertschriften aus Ihrem Depot nicht hundertprozentig belehnt. Die Bank berechnet eine Sicherheitsmarge. Im Fall eines Wertverlustes verlangt sie von Ihnen aber umgehend eine ausreichende Deckung der Kreditausstände.

Weil in Marktkorrekturen viele Leute gleichzeitig verkaufen – nicht zuletzt weil sie Kreditausstände decken müssen –, kann das den Abwärtstrend an den Börsen noch verstärken. In den Produktunterlagen Ihrer Hausbank steht denn auch unmissverständlich: «Falls Sie der von UBS verlangten Kreditdeckung innert einer gesetzten Frist nicht nachkommen, kann UBS ohne weitere Avisierung die Liquidation einleiten.»

Ich halte Wertpapiergeschäfte auf der Basis von Lombardkrediten für hoch riskant. In Ihrem Fall kommt dazu, dass Sie offenbar auch noch eine Hypothek besitzen, wie ich Ihren Zeilen entnehme. Das ist auch ein Kredit. Mit einem Lombardkredit würden Sie Ihre Schulden erhöhen.

Investieren sollte man indes nur mit Geld, das einem wirklich gehört. Dann ist man auch problemlos in der Lage, einen Crash und in der Regel damit verbundene Buchverluste in seinem Depot auszusitzen, und ist nicht gezwungen, im schlechtestmöglichen Zeitpunkt einen Teil seiner Wertschriften oder sogar alle zu liquidieren.

12 Kommentare zu «Warum Sie niemals auf Pump investieren sollten»

  • Josef Marti sagt:

    Das ist etwas für Vermögende wenn man zum Zeitvertreib zockt und mit dem Hebeleffekt spielt. Es macht wenig Sinn bestehende gute Anlagen zu liquidieren, die Dividenden fliessen ja bei Verpfändung weiter, folglich macht dann ein Lombardkredit Sinn.

  • Michael sagt:

    Sollte ein Anleger, der dieses Risiko nicht kennt, wirklich solche Anlagen tätigen? Ich tendiere zu nein.
    Ausserdem, was für ein Anlageberater ist das, der den Kunden bei dem Angebot nicht auf das Risiko aufmerksam macht? Naja, ist wohl kein Berater sondern ein klassischer Verkäufer.

    Die Frage ist in etwa so wie: „Soll ich mit geliehenem Geld Black Jack im Casino spielen?“ Ich kann das Spiel beeinflussen, mit der richtigen Spielweise meine Chancen optimieren, das Risiko von Verlusten bleibt aber immer bestehen. Ist es mein Geld, dann ist es einfach weg. Ist es geliehen, kann ichs nicht zurückzahlen weil es halt eben weg ist. Ob man sich dem aussetzen will bleibt jedem selber überlassen.

  • Alain Surlemur sagt:

    Ein Lombardkredit ist ein Hebel. Er funktioniert in beide Richtungen.

    Wenn Sie 100.000.– in Aktien haben und der Markt crasht um 50% haben Sie einen Buchverlust von 50.000.– oder 50%. Kann man aussitzen…
    Wenn Sie 200.000.– in Aktien haben, davon 100.000.– auf Lombardkredit, und der Markt crasht um 50% ist ihr ganzes Geld futsch. Achja, dafür dürfen Sie dann noch Zinsen und Gebühren zahlen…

  • Jonas Müller sagt:

    Ein Lobardkredit macht für Aktiengeschäfte wenig Sinn, aber er ist ideal um Rendite Immobilien ohne „echtes“ Eigenkapital zu kaufen. Der Ertrag ist sehr konstant und die Eigenkapital Rendite grenzenlos. Mache dies seit Jahren sehr erfolgreich. Man darf einfach nur nicht zu teuer einkaufen.

    • Pan Flöte sagt:

      Funktioniert gut, solange die Immobilienpreise nicht einbrechen. Kann aber passieren (siehe Immobilienblase 2007).

      • Jonas Müller sagt:

        Totaler Quatsch. Bei einem Renditeobjekt ist der Ertragswert entscheidend. Dieser ist völlig unabhängig vom Verkaufswert. So lange jemand zur Miete wohnt hat man cashflow und so eine fast perfekte Anlage.

  • Gerhard Hodler sagt:

    1 Jahr ‚börselen’ wenn alle Märkte steigen, und dann das Gefühl haben, man habe es ‚im Griff‘ … viel Spass bei der nächsten Korrektur.
    Da wird noch manchen die eigene Naivität einholen.

  • Pan Flöte sagt:

    Ja, das erinnert mich stark an mich selbst, als ich mit dem „Börselen“ begonnen hatte (Ende 1990-er Jahre). Ein Erfolg reihte sich an den andern, bis es dann 2000 ganz schön knallte und mir das Lachen verging.

    Ein paar Verluste holten mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Heute bin ich ziemlich passiv unterwegs (ETFs), habe aber auch ein paar Einzelaktien im Depot.

    • Pan Flöte sagt:

      Und klar: Lombardkredite meide ich wie die Pest, da selbst ein kurzfristiger Abwärtstrend mein Vermögen gefährden würde (denn mit einem Lombardkredit kann man keine Krise aussitzen, die Banken wollen sehr schnell Geld sehen).

      Was ich aber tun würde: Mit einer langjährigen Hypothek Aktien-ETFs kaufen. Das Risiko ist weit geringer als mit einem Lombardkredit. — Aber natürlich kann auch das in die Hose gehen (wenn z.B. die Weltwirtschaft vor die Hunde geht).

  • andy sagt:

    Aktuell sind das Gros der börsenkotierten Aktien mehr als teuer bewertet. Die Gewinne dieser Unternehmen stehen in keinem gesunden Verhältnis zum Kurs der entsprechenden Papiere. Die Wachstumsaussichten sind bei vielen mehr als nur düster bis voll schwach auf deren Niveau.

    Nebenbei könnte schon bald diese üble Realität die Stimmungslagen frequentieren lassen. Sinkende Preise – eine weitere Konsequenz negativen Wachstums – vertragen sich schlecht mit fixen Schulden und führen zu Bankrotten und Unternehmenspleiten.

  • Tony sagt:

    Fremdkapital zum Zocken für Private???

    Der Bund hat analysiert, leer geschluckt und einige wenig umgesetzte „goldene“ Regeln für Fremdkapital Anteilen von juristischen Personen definiert. Wenn Sie die Fakten zu Gemüte ziehen, stellt sich doch die Frage kaum ob man mit Fremdkapital als Privatperson auf die hoch Risiko Klubs weitere Wetten abschliessen soll. Viele Unternehmen halten sich bei vollem Einsatz gerade knapp über Wasser.

    https://www.kmu.admin.ch/kmu/de/home/praktisches-wissen/finanzielles/finanzierung/grundlagen/eigenkapital-fremdkapital-und-goldene-regeln.html

  • Herdentiertreiber sagt:

    Unter Börselen lernen verstehen die meisten 0815 Anleger, ich weiss jetzt wie ich an der Börse Akien kaufen und verkaufen kann. Vielleicht noch Limiten setzen und bestimmt brav jede halsbrecherische Analysten oder Banker Meinung für bare Münze nehmen zu wissen. Das solche Anfänger (Looser) nie auch nur eine Schraube an den Börsen vorwärts machen, ist klar. Es gehört schon etwas mehr erdig kerniges Grundwissen und Geschäftsverständnis dazu, um von den Massen an Kälbern (Anlegern) Geld abzulocken. Investieren Sie in Firmen die Sie genau verstehen wie die funktionieren und die ordenrlich Wachstumspotential haben. Ausserdem kaufen Sie Aktien günstig und nicht wie 0815er völlig überteuert. Lernen Sie auch Jahresberichte ihrer bevorzugten Unternehmen richtig zu lesen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.