So verdienen Sie mit «gefallenen Engeln» Geld

Eingebrochene Aktienkurse bieten unter Umständen viel Erholungspotenzial.

Der Autozulieferer Feintool gehört zu den «gefallenen Engeln»: Ein Angestellter in der Montagehalle in Lyss BE. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Immer empfehlen Banken die üblichen bekannten Aktien wie Nestlé, Roche und Novartis zum Kauf. Doch die sind schon stark gestiegen. Müsste man nicht in Aktien anlegen, die stark gesunken sind und einiges an Erholungschancen haben? Z.C.

Sie sprechen in Ihrer Frage eine alte Börsenregel an, die sagt, dass man Aktien kaufen sollte, wenn sie günstig sind, und verkaufen sollte, wenn sie teuer sind. In der Praxis ist diese an sich logische Regel alles andere als leicht umzusetzen.

Die Wenigsten haben den Mut, ausgerechnet dann an der Börse einzusteigen, wenn alle aussteigen und der Trend eindeutig nach unten zeigt. Als Herdentiere kaufen hingegen die meisten Anleger in der Hausse, was nichts anderes bedeutet, als dass viele Titel bereits hoch bewertet sind.

Wenn Sie im aktuellen Marktumfeld günstig Aktien erwerben möchten, bringt es wenig, wenn Sie auf die bekannten Blue Chips und Dividendenperlen setzen, die bei allen auf der Einkaufsliste stehen. Vielmehr müssten Sie Papiere kaufen, die aus spezifischen Gründen von der aktuellen Hausse nicht profitiert haben oder vom Markt zurückgestuft wurden. An der Börse spricht man bei diesem Unternehmen von gefallenen Engeln.

Beispiele für solche gefallenen Engel sind der Backwarenkonzern Aryzta, der Automobilzulieferer Feintool oder der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach. Typischerweise mussten gefallene Engel meist gleich mehrmals Gewinnwarnungen herausgeben oder sind und waren wie Schmolz + Bickenbach zeitweise gar konkursgefährdet.

Wenn Sie sich als Privatanlegerin in solchen Einzeltiteln engagieren, gehen Sie ein enormes Risiko ein und müssen in Kauf nehmen, im schlimmsten Fall Ihr investiertes Geld zu verlieren. Ein solches Engagement wäre hoch spekulativ, wovon ich Ihnen abrate.

Alternativ könnten Sie aber in ein Tracker-Zertifikat investieren, das die ZKB gerade auf einen «Fallen Angels Basket» herausgegeben hat. Das Zertifikat mit drei Jahren Laufzeit fokussiert sich auf 14 Schweizer Börsenfirmen, die durchschnittlich 60 Prozent unter ihrem Höchststand notieren.

Enthalten sind etwa die Apothekenkette Zur Rose und die Medizinaltechnologiefirma Medartis aufgrund von unerfüllten Wachstumserwartungen, wegen des angespannten Marktumfelds in Asien die Swatch Group und DKSH, die Techfirmen AMS und U-Blox, Sulzer als Zulieferer für die unter Problemen leidende Erdölindustrie, Aryzta wegen der hohen Verschuldung, die Credit Suisse, Leonteq und Implenia nach Enttäuschungen in der Vergangenheit sowie Bossard, Feintool, Schmolz + Bickenbach aufgrund der verschlechterten Perspektiven in der internationalen Automobilbranche.

«Bei all diesen Unternehmen kann es in den nächsten Jahren zu einer deutlichen Kurserholung kommen, wenn die derzeit belastenden Faktoren gelöst werden können oder wegfallen», sagt Patrik Schwendimann, stellvertretender Leiter Research bei der Zürcher Kantonalbank. «Aryzta beispielsweise hat ein Erholungspotenzial von weit über 30 Prozent, auch bei Feintool erwarten wir mittelfristig eine starke Erholung.»

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass «das titelspezifische Risiko eines einzelnen Unternehmens beträchtlich sein kann, falls ein Turnaround nicht wie erwartet zum Erfolg führt». Dank der Diversifikation auf 14 gefallene Engel wird das Risiko abgefedert, aber keinesfalls ausgeschlossen.

Wenn eine der enthaltenen Firmen zusammenbricht, wird der damit eingefahrene Verlust durch die Kurserholung bei anderen Turnaround-Kandidaten möglicherweise wettgemacht. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Die Risiken sind trotz der Diversifikation auch bei diesem Basket hoch, gleichzeitig hat man im positiven Fall aber die Chance, überdurchschnittlich hohe Gewinne zu erzielen.