Wie Banken dank Ihnen ihre Marge aufbessern

Viele Banken drängen Kunden, aus bestehenden Fremdfonds in hauseigene Vehikel zu wechseln. Weil sie daran mehr verdienen.

Kundenberater haben nicht nur das Wohl der Kunden, sondern auch die Interessen ihres Arbeitgebers im Blick. Foto: iStock

Ich habe eine grössere Menge Geld in den «Swisscanto (LU) Portfolio Fund Responsible Balance (CHF)» investiert. Von meiner Bankberaterin bei der Basler Kantonalbank wird mir seit längerer Zeit und wiederholt eine Umschichtung in eine BKB-Vermögensverwaltung/Anlagelösung «ausgewogen» empfohlen. Wie beurteilen Sie das? M.A.

Der von Ihnen gehaltene «Swisscanto (LU) Portfolio Fund Responsible Balance (CHF)» ist ein klassischer Strategiefonds. Sie profitieren dabei von einer professionellen Vermögensverwaltung und einer breiten Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien und Anleihen.

Mindestens 35 Prozent und höchstens 80 Prozent des Kapitals werden in fest oder variabel verzinsliche Forderungswertpapiere und -rechte und mindestens 20 Prozent und höchstens 65 Prozent des Vermögens in Beteiligungswertpapiere von Emittenten weltweit angelegt. Bei der Gewichtung der Anleihen und Aktien werden die aktuellen Marktverhältnisse berücksichtigt.

Als aktiv geführter Fonds versuchen die Fondsmanager, Marktopportunitäten zu nutzen. Der Grossteil der Anlagen wird in Schweizer Franken gehalten. Die Währungsrisiken halten sich in Grenzen. Dank der breiten Diversifikation sind die Schuldnerrisiken bei den Anleihen gering. Der Aktienanteil indes hat stärkere Kursschwankungen zur Folge.

Wichtig bei diesem Fonds ist die Tatsache, dass die Anlagen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien erfolgen – also nach sogenannten ESG-Kriterien: Environment, Social, Governance, die eine gute Umwelt- und Sozialverträglichkeit voraussetzen.

Die von Ihrer Bankberaterin vorgeschlagene Anlagelösung «ausgewogen» im Rahmen der Vermögensverwaltung der Basler Kantonalbank ist punkto Anlageklassen ähnlich aufgestellt wie jene des Swisscanto-Fonds. Wenn Sie bei der BKB die Anlagelösung «nachhaltig» wählen, kommen Sie ebenfalls in den Genuss von Nachhaltigkeitskriterien. Sie können also Ihr Geld bei beiden Varianten ohne schlechtes Gewissen investieren.

Auch punkto Gebühren sind die Fonds ähnlich. Mit einer Gesamtkostenkennziffer (Total Expense Ratio, TER) von 1,38 Prozent ist der Swisscanto-Fonds nur leicht teurer als die BKB-Lösung mit 1,25 Prozent. Günstig sind offen gesagt beide Fonds nicht. Mit welcher Variante Sie in Zukunft besser fahren, kann ich Ihnen nicht sagen.

Einen deutlichen Unterschied macht die Wahl des Fonds aber für Ihre Bank. Sie verdient wesentlich mehr an Ihnen, wenn Sie sich für die hauseigene Anlagelösung entscheiden, wie Ihnen Ihre Bank nahelegt. Das dürfte denn auch ein treibender Faktor sein, dass Sie Ihre Bankberaterin immer wieder auffordert, vom Swisscanto-Fonds in das hauseigene Vehikel zu wechseln.

Auch bei anderen Banken beobachte ich, dass die Kunden mit Nachdruck in eigene Anlagelösungen gedrängt werden. Das ist kein Zufall: Die Institute können durch die Umschichtung der Kundengelder in die eigenen Vehikel ihre eigene Marge aufbessern, was sie den Kunden in der Regel aber nicht offen kommunizieren. Vielmehr wird behauptet, dass die Kunden mit den eigenen Bankvehikeln besser fahren würden als mit den Fremdfonds. Das mag mal zutreffen, in anderen Marktphasen indes kann auch der Fremdfonds besser abschneiden.

Mir persönlich wäre es lieber, wenn die Banken Klartext sprechen würden und den Kunden offen sagen würden, dass sie es vorziehen, bankeigene Fonds zu nutzen, weil die Bank damit mehr verdient. Dann hat der Kunde Transparenz und kann selbst entscheiden.

Unabhängig davon würde ich übrigens bei grösseren Anlagesummen nie nur auf einen einzelnen Fonds setzen, sondern auch bei den Anlagevehikeln diversifizieren und sowohl aktiv wie günstige passiv verwaltete Fonds nutzen. So vermeiden Sie auch bei Fonds ein Klumpenrisiko.

5 Kommentare zu «Wie Banken dank Ihnen ihre Marge aufbessern»

  • Peter Rohner sagt:

    Nicht zu vergessen sind auch Ausgabeaufschlag von 2 bis 3% beim Kauf von Fonds. Evtl. fallen sogar Rücknahmegebühren beim Verkauf an.

    ETFs sind natürlich wesentlich günstiger, aber leider gibt es hier kaum Produkte, die verschiedene Anlageklassen (Anleihen, Aktien, Immobilien etc.) enthalten. Muss man also selber machen (oder zu TrueWealth, Vermögenszentrum oder Avadis gehen; die bieten gute und günstige Lösungen an).

  • P.W. sagt:

    Lieber Herr Spieler
    Natürlich verdienen Banken mit eigenen Produkten mehr wie mit fremden, wenn sie die Retrozession dem Kunden zurück vergüten. Beim besagten Swisscanto Fonds fällt bei jeder Bank zudem eine Depotgebühr an. Warum also nicht eine all-in-fee Lösung aus dem eigenen Haus anbieten, die übrigens nicht nur in günstige ETF’s, wie von Ihnen vorgeschlagen, sondern vorwiegend in institutionellen Tranchen investiert. Der Kunde hat nicht nur nachweislich eine bessere Nettoperformance (zwischen 0.7-2.8%p.a., letzte 4 Jahre), sondern auch ein vollumfängliches, regelmässiges Reporting. Kunden, die Freude daran haben, ihre Anlagen selber zu verwalten, fahren gut mit ETF’s. Das ist günstiger wie eine Banklösung, erfordert jedoch Disziplin (Rebalancing), fundierte Kenntnisse und Zeit.

  • Wenger Werner sagt:

    Jede Firma arbeitet nach dem ganz normalen ökonomischen Prinzip. Auch Herr Spieler selber arbeitet so, möglichst regelmässig einen Bericht veröffentlichen und dafür bezahlt werden.

    • Pan Flöte sagt:

      Ja, schon. — Aber es ist schon etwas fies, den Kunden zum Verkauf von „fremden“ Fonds zu überreden, und ihm gleichzeitig wieder ein ähnliches Produkt aufzuschwatzen. Beim Verkauf und anschliessendem Kauf geht viel Geld flöten.

      Hier geht es klar nicht um eine gute Beratung, sondern um das Wohl der Bank. Es ist also eher keine Win-Win-Situation.

  • Max Müller sagt:

    Bei der BKB entfallen die Depotgebühren sowie alle Transaktionskosten bei Kauf oder Verkauf für die hauseigenen BKB Anlagelösung.
    Je nach Bank liegen die Depotgebühren um die 0.25% bis 0.50% pro Jahr.

    Ein sorgfältiger Vergleich der effektiven Gesamtkosten lohnt sich also. Hier schneidet die BKB recht gut ab.

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