Wie Hypotheken die Senioren unnötig plagen

Banken gehen von zu hohen Zinssätzen aus – dabei sind Rentner eine wachsende Kundengruppe.

Manche Rentner haben Mühe, die Tragbarkeitsregeln noch zu erfüllen. Foto: iStock

Ich bin 57 Jahre alt, und unsere Hypothek wird in zwei Jahren fällig. Absehbar eigentlich ein guter Zeitpunkt für eine Erneuerung – wenn da nur nicht das Alter wäre. Und typisch wird ja die Tragbarkeit auf der Basis eines kalkulatorischen Zinssatzes berechnet. Um die Frage der Tragbarkeit aus dem Weg zu räumen, könnte ich mir vorstellen, eine Hypothek zu vereinbaren, bei welcher der Zins der gesamten Laufzeit bei Beginn fällig ist. Während der Laufzeit wären dann keine Zinsen fällig, und damit auch keine Frage der Tragbarkeit. Fällig bei Ende der Laufzeit wäre dann natürlich der gesamte Hypothekarbetrag. Gibt es Institute, die entsprechende Hypotheken anbieten? G.E.

Bei der Gewährung von Hypotheken an Immobilienbesitzer direkt vor der Pensionierung oder an Rentnerinnen ist in letzter Zeit viel Unsicherheit entstanden. Das hat damit zu tun, dass die Banken bei der Berechnung der Tragbarkeit einer Hypothek nicht etwa von den aktuell rekordtiefen Hyposätzen ausgehen, sondern einen technischen Zinssatz von 5 Prozent einsetzen und zusätzlich auch noch Kosten für den Unterhalt und die Amortisation dazuschlagen, sodass man schnell mal auf einen theoretischen Satz von 6 Prozent kommt.

Bei einer Schuld von angenommen 600’000 Franken würde das jährliche Kosten von 36’000 Franken ausmachen. In der Praxis bekommt man heute real hingegen Hypotheken je nach Laufzeit für rund 1 Prozent, was deutlich geringeren Kosten von 6000 Franken entsprechen würde.

Dieser Berechnungsunterschied führt dazu, dass manche Rentner Mühe haben, die Tragbarkeitsregeln noch zu erfüllen, wenn Sie nicht eine hohe Rente aus der Pensionskasse bekommen oder sonst sehr viel Geld auf der hohen Kante haben.

Persönlich finde ich die Tragbarkeitsrechnung, die von 5 bis 6 Prozent ausgeht und viele Rentner in Bedrängnis bringt, problematisch. Gerade die Rentner sind eine wachsende Kundengruppe, die in der Regel sehr zuverlässig ihre Zinsen bezahlt. Da ist es seitens der Banken unklug, wenn sie diese vor den Kopf stossen.

Bei einigen Banken hat das dazu geführt, dass sie sich bewusst offen für Hypotheken für Pensionierte zeigen. Die Zürcher Kantonalbank spricht in ihrer Werbung ausdrücklich Pensionierte an: «Wir stellen Ihre Hypothek nicht infrage, sondern sie steht Ihnen auch nach Ihrer Pensionierung zur Verfügung. Bei uns sogar mit einem lebenslangen Versprechen», heisst es in den Werbeslogans der Bank.

Das Institut verspricht Kunden, die allen Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Hypothek nachgekommen sind und diese bereits auf mindestens zwei Drittel des Liegenschaftswerts reduziert haben, dass ihre Hypothek auch mit geringerem Einkommen nach der Pensionierung zur Verfügung stehe. Dies treffe auch zu, wenn jemand die Bedingungen nicht vollumfänglich erfülle.

Damit sind die problematischen Tragbarkeitsregeln angesprochen. Ich kann nicht beurteilen, wie dieses Versprechen aus der Werbung in der Praxis wirklich umgesetzt wird. Aber aus meiner Sicht lohnt es sich für Sie, wenn Sie mit dieser Bank das Gespräch suchen.

Unabhängig davon würde ich auch mit Ihrer bestehenden Hausbank frühzeitig das Gespräch suchen und Ihre Befürchtungen offen ansprechen. Da Sie ja noch vergleichsweise jung und durchaus in der Lage sind, die realen Zinsen für Ihre Hypothek zu bezahlen, und, wie Sie mir schreiben, auch nur noch eine Belastung mit Fremdkapital von 50 Prozent haben, dürfte es nicht nötig sein, dass Sie die Zinsen für mehrere Jahre vorauszahlen müssen, wie Sie es vorschlagen.

Das wäre aus meiner Sicht nur eine Lösung, falls Sie von keiner Bank mehr eine Zusage für eine Hypothekenerneuerung erhalten, was ich nicht annehme.

Verschiedene Banken bieten zudem spezielle Hypothekarmodelle für Ältere und für Rentner – so etwa die kleine Bank Sparhafen oder die Basellandschaftliche Kantonalbank und die Schaffhauser Kantonalbank. Angesichts der steigenden Lebenserwartung dürften sich Modelle mit einer Immobilienrente, wie sie im Ausland bereits verbreitet sind, auch in der Schweiz vermehrt durchsetzen.

20 Kommentare zu «Wie Hypotheken die Senioren unnötig plagen»

  • Thomas Achermann sagt:

    eine bessere Lösung wäre, wenn man die 5% nicht nur zur Tragbarkeitsberechnung einsetzen würde sondern diese dann auch bezahlen würde. Die Differenz zum aktuellen Hypozins würde dabei automatisch als Amortisation angerechnet. Somit wären die Kosten immer gleich nur bezahlt man seine Hyoothek schneller ab mit dem Ziel, dass einem die Liegenschaft wirklich gehört wenn man dann pensioniert wird.

  • Eric sagt:

    Erklären Sie bitte was genau eine Immobilienrente ist?

  • Wolfgang sagt:

    Die meisten Senioren sind selber schuld. Seit 10 Jahren haben wir schon tiefe Zinsen und man hätte Geld zurücklegen können für eine Rückzahlung der Hypothek. Aber lieber gibt man das Geld für unnötiges aus und dann drückt man auf die Tränendrüse.
    Mein Motto war schon immer, sind die Zinsen sehr niedrig dann sollte man amortisieren aber die Bank sieht das gar nicht gern, da sie ja einen treuen Zahler verlieren.

    • Thomas Curiger sagt:

      Die Hypo-Zinsen werden noch Jahre tief bleiben.
      Haben soeben unsere Libor-Hypothek bei der Raiffeisen unter Einhaltung der 6-monatigen Kündigungsfrist gekündigt und zu einem Online-Anbieter gewechselt. 3-Monats-Libor, Laufzeit 3-Jahre,
      Bankenmarge 0.52%. Als Neukunde gab es noch 500.-
      Fr. als Abschlussgeschenk oben drauf. Was will man mehr?

    • Karl Knapp sagt:

      Einkommen aus AHV und PK sind immer noch solide Pfeiler, solange die Kunden nicht im Champagner baden oder ähnliche Sportarten betreiben, wie uns die Seniorenwerbung vormacht. Das darf man ruhig als Vorteil verkaufen.

    • Marusca sagt:

      Wir haben während unseres Erwerbslebens immer amortisiert, auch wenn die Zinsen damals noch um vieles höher waren als heute, haben unsere grosse Liegenschaft innen und aussen gehegt und gepflegt. Heute ist unser Haus sozusagen abbezahlt, steht wunderbar da und wir können es entspannt in vollen Zügen geniessen. Wir lieben es mehr, als jede Weltreise, jede noch so luxuriöse Kreuzfahrt und jeder Protzwagen es je zu tun vermöchten. Und – wir haben keine Nachkommen zu befürchten, die uns womöglich in ein paar Jahren in eine kleinere Wohnung komplimentieren wollen , um sich hier einzunisten.
      .

  • Urs Fellmann sagt:

    Bereits einige Jahre nach der Pensionierung haben wir eben eine Hypothekentranche zu fairen, aktuellen Marktbedingungen mit der ZKB erneuert. Das Versprechen aus der Werbung wird eingehalten, langjährige Kundentreue wird honoriert.

    • Brigit sagt:

      War bei mir nicht so, ist aber etwa vier Jahre her – vielleicht hat sich inzwischen ja was verändert. Ich war jedenfalls total gefrustet von der Tatsache, dass der ZKB eine vernünftige, sichere Rente (und 45 Jahre treue Kundschaft) weniger wert sind als ein höheres Einkommen, welches sich bekanntlich schnell in Nichts auflösen kann.

  • Wildberger sagt:

    Neben den Banken vergeben auch Versicherungen oder Pensionskassen Hypotheken, da lohnt es sich anzufragen. Wir haben gute Erfahrungen mit der Aargauischen Pensionskasse, http://www.agpk.ch, gemacht.

  • Daniel Rohrer sagt:

    Die beste Lösung ist , auf der Liegenschaft keine Schuld zu haben.

  • Fehr Beat sagt:

    Es sind nicht die rekordtiefen Zinsen für Hypotheken, die viele Senioren belasten, sondern die völlig überhöhten und unfairen Eigenmietwerte, deren Kosten bei vielen Eigentümer/Innen höher ausfallen als die Hypozinskosten. In meinem Fall der Eigenmietwert von CHF 27’800 abzüglich die Pauschale (20%), bei einer AHV-Paarrente von CHF 3’400. Hinzu kommen die sehr hohen Handwerkerkosten für Reparaturen und Unterhalt.

    • Anh Toàn sagt:

      Eigenmietwert 27’800 versteuern Sie, nehme an mit Ihrer Frau und sonst niemandem (Ehepaarrente): Gehen Sie zum Sozialamt, die sollen Ihnen etwas anständiges zum wohnen geben, in so einem Loch wie Sie haust man doch nicht in der Schweiz. Soll ich Ihnen einen Fünfliber senden zu Weihnachten?

      • Anh Toàn sagt:

        Und dann müssen Sie auch noch diese sauteuren Handwerker bezahlen, das sind sicher so PFZ’ler mit CHF 5’000 im Monat für Familie mit zwei Kindern: Wenn die nur 2’000 hätten, wäre es auch genug für die, sind ja Ausländer und Handwerker, sollen knechten für uns Schweizer Herren.

        Wir brauchen mehr Unterstützung für Reiche, die bewahren unseren Wohlstand!

      • Anh Toàn sagt:

        Sie sind ja schon so grosszügig und geben diesen Handwerkern Arbeit an Ihrem Haus: Wenn man nun Sie besteuert, bis Ihr Haus weg ist, hätten die Handwerker auch keine Arbeit mehr: Arbeit mss besteuert werden, Besitzeinkünfte müssen entlastet werden von Steuern, wir müssen unseren Wohnstand erhalten.

      • Pan Flöte sagt:

        Die giftigen Pfeile von Anh Toàn …

      • Anh Toàn sagt:

        @Pan Flöte: Ich kann das Geheul der armen Reichen, dass sie so viel Steuern zahlen müssen, nicht mehr hören. Wer viel Steuern zahlt, hat viel, das gönne ich jedem. Aber darüber jammern, wie viel Steuern man zahlen müsse, ist der Inbegriff von Zynismus, aber die, welche jammern, meinen es nicht zynisch, die nehmen sich, und sonst gar nichts, ganz ernst.

  • Jürgen Baumann sagt:

    Wenn nicht dieser blödsinnige „Eigenmietwert“ wäre, würden die Hypotheken auch wieder zurück bezahlt. So sind viele vermeintliche Hausbesitzer nur Hausmeister bei einer Grossbank. Grotesk.

    • Thomas sagt:

      Wer rechnen kann zahlt die Hypothek unabhängig vom Eigenmietwert ab. Den Eigenmietwert versteuert man unabhängig von der Hypothek sowieso als Einkommen. Beispiel: Sie zahlen der Bank Hypozinsen von 10‘000.— p. a. Bei einem Grenzsteuersatz von z. B. 25% zahlen Sie deshalb 2500.— weniger Steuern. Also zahlen Sie der Bank netto 7500.— um 2500.— Steuern zu sparen – doof oder ?
      Zugegeben: Falls Sie mit risikoreichen Anlagen eine höhere Rendite als den Hypozins erzielen, geht die Rechnung vielleicht auf.
      Aber ein schuldenfreies Eigenheim und die damit verbundene Unabhängigkeit von Banken geben ein viel besseres Gefühl.

  • Leonard Planer sagt:

    Heute kritisieren wir Banken, weil sie eine zu strenge Tragbarkeitsrechnung anwenden.
    Morgen – an der nächsten Finanz-, Immobilien-, Zinskrise, werden wir wieder Banken kritisieren, weil sie bei der Hypothekarvergabe zu lasch waren.
    Herr Spieler, erinnern Sie sich an die Immobilienkrise Anfangs 90er-Jahre in der Schweiz und an die weltweite Finanzkrise im 2008? Erinnern Sie sich, was zum Beispiel den einfachen US-Immobilienbesitzern im 2008 widerfahren ist?

  • Mario Marini sagt:

    Schon mal eine Bank mit einer „Seele“ getroffen? Wohl kaum. Nur die eigene Marge zählt. Kann sich der noch so „treue“ (ein Unwort, bezogen auf eine Bank) Kunde die willkürlich berechneten Zinsen nun nicht mit 200%igen Sicherheit leisten: kein Problem. Der soll ruhig verkaufen, denkt die Bank: der nächste wird uns (oder einer anderen Bank, denn wir stecken ja als Banken unter einer Decke, vermasseln uns sicher nicht gegenseitig den Markt) schon die Zinsen zahlen, die wir uns als Bank vorstellen. So geht das. Kapitalismus der schlimmsten Sorte.

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