Setze ich auf steigende Kurse oder Dividenden?

Was unser Geldberater zur Grundsatzentscheidung beim Anlegen denkt: Wachstum oder Ausschüttung.

Risiko, Steuern und andere Haken: Es gilt, die Vor- und Nachteile jeder Anlagestrategie zu kennen. Foto: iStock

Bald werde ich pensioniert und eine grössere sechsstellige Kapitalauszahlung der Pensionskasse erhalten. Mein Ziel ist, das Kapital möglichst zu erhalten, was gemäss meinen persönlichen Budgetberechnungen mit PK-Rente und AHV gut möglich sein sollte. Vom angelegten Kapital möchte ich jährlich ein passives Zusatzeinkommen beziehen und strebe eine Performance/Rendite von 3 Prozent an. Investieren werde ich das Geld in ETF. Nun stellt sich die Frage, ob ich eher in thesaurierende Wachstums-ETF investieren soll, um dann jährlich die Performance durch Verkauf von Anteilen abzuschöpfen, oder ob ich ausschüttende Dividenden-ETF, wie zum Beispiel den iShares Global Select Dividend 100, wählen soll, die mir so jährlich Dividenden ausschütten. Was sind Ihre Gedanken und Argumente dazu? T.K.

Wachstum oder Ausschüttung: Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, die man beim Anlegen fällen muss. Wenn man sich, wie Sie es über entsprechende Exchange Traded Funds in Erwägung ziehen, für die Variante Wachstum entscheidet, hofft man, dass die ETF und die im damit verbundenen Index enthaltenen Aktien laufend an Wert gewinnen.

Die Dividende spielt dann keine grosse Rolle. Geld verdient man dann damit, dass der Kurs steigt. Die Erträge aus den enthaltenen Wertschriften werden von thesaurierenden Fonds direkt wieder in das Fondsvermögen reinvestiert.

Wenn man bei dieser Strategie einen Betrag abschöpfen möchte, muss man einen Teil der Gewinne realisieren und Anteile an den Fonds verkaufen. Weil Kursgewinne steuerfrei sind, kann man so von einem Teil der Gewinne profitieren, ohne dass man diese versteuern muss.

Möglich wäre das in Ihrem Fall über einen Entnahmeplan. Sie könnten wie bei einem Dauerauftrag Ihrer Bank Anweisung geben, dass diese einfach pro Jahr eine bestimmte Anzahl der ETF-Anteile verkauft und den Erlös Ihrem Konto gutschreibt. Dieser Erlös wäre dann steuerfrei.

Leider hat die Sache einen Haken: Sie haben keine Garantie, dass die Kurse immer steigen. Man sollte Kurswachstum nie als einfach gegeben voraussetzen. In bestimmten Börsenphasen müssen Sie gar mit sinkenden Kursen rechnen. Der Entnahmeplan würde dann dazu führen, dass Ihr Vermögen abnimmt. Sie schreiben mir aber, dass es Ihr Ziel sei, dass das Kapital möglichst erhalten bleibt. Dies wäre im Fall von Entnahmen bei sinkenden Kursen nicht mehr möglich.

Die Alternative dazu ist, dass Sie bewusst auf Ausschüttungen setzen. Wenn Sie Dividenden-Perlen erwerben, ist eine jährliche Rendite von 3 Prozent, wie Sie es sich wünschen, gut machbar. Auch mittels ETF ist eine solche Strategie umsetzbar.

Der Nachteil dabei ist, dass Sie die Dividendenausschüttungen versteuern müssen. Zudem sind auch Dividenden nie 100-prozentig garantiert. Auch bei dieser Variante müssen Sie mit Kursschwankungen rechnen. Immerhin verkaufen Sie aber keine Anteile.

Und dann gibt es noch einen weiteren Aspekt: Nämlich das Anlagerisiko als solches. Ich würde Ihnen davon abraten, das gesamte Kapital nur auf Aktien oder ETF, die nur an Aktien gekoppelt sind, zu setzen. Wenn Sie das tun würden, müssten Sie mit starken Kursschwankungen rechnen und würden in einigen Börsenphasen auf hohen Buchverlusten sitzen.

Um die Risiken abzufedern, würde ich das Kapital breit diversifiziert auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffe anlegen. Einen Teil würde ich mit einem Fokus auf Ausschüttungen investieren, einen anderen Teil mit dem Fokus auf Wachstum.

Wie genau die Anlageklassen und der Fokus gewichtet werden, hängt von Ihrer eigenen Risikobereitschaft ab. Zu hohe Risiken würde ich indes nicht eingehen. Nach der langen Hausse an den Aktienmärkten gehe ich davon aus, dass wir künftig wieder Jahre mit stärkeren Turbulenzen an den Börsen erleben werden.

8 Kommentare zu «Setze ich auf steigende Kurse oder Dividenden?»

  • Timo sagt:

    Jedes mal wenn eine Dividende ausbezahlt wird, sinkt der Kurs um die Höhe der Dividende. Grundsätzlich macht es also keinen Unterschied ob man Wachstum oder Dividendenaktien kauft.

    Über einen längeren Zeithorizont kann man jedoch erwarten dass „value“ und auch „small size“ eine höhere Rendite erzielen als „growth“ und „big size“.

    Es sind immer äusserst wenige Firmen die diese Rendite ausmachen, es ist deshalb wichtig immer mehrere Hundert Firmen mit diesen Eigenschaften zu halten.

    Leider ist es auch sehr schwierig etfs zu finden die genügend Firmen halten und wirklich Firmen mit diesen Eigenschaften halten.

    • Daniel Keller sagt:

      „Jedes mal wenn eine Dividende ausbezahlt wird, sinkt der Kurs um die Höhe der Dividende. Grundsätzlich macht es also keinen Unterschied ob man Wachstum oder Dividendenaktien kauft.“

      Blödsinn.

  • Stefan Meier sagt:

    Beim Verkauf von ETF Anteilen zahlt man zwar keine Steuern, dafür aber Kommissionen und Gebühren.

  • John Finance sagt:

    Ich würde auch ein allfälliges Währungsrisiko im Auge behalten. Bei Anlagen in Fremdwährungen ist oftmals das FX-Exposure grösser als eigentliche Anlage-Exposure.

    • Timo sagt:

      Dasselbe ist bei grossen Schweizer Firmen der Fall. Nestle, Novartis und Roche tätigen praktisch allen Handel in Fremdwährung. Dadurch ist man als Anleger in den SMI auch einem erheblichen Währungsrisiko ausgesetzt.

  • Peter Rohner sagt:

    Der ETF „iShares MSCI ACWI“ schnitt in der Vergangenheit deutlich besser ab als der „iShares Global Select Dividend 100“ (siehe „justetf.com“) — das zeigt zumindest, dass eine Dividendenstrategie gegenüber einem simplen Welt-ETF schwächeln kann.

    Vorteil einer Dividendenstrategie: sehr einfach, Kapital wächst langfristig, kein Verkauf von Anteilen nötig. — Nachteile: Steuern, Gesamtperformance eher unterdurchschnittlich (bezüglich Welt), Schwankung der Bezüge.

    Andere Methode ist: Jährlich 6% des aktuellen ETF-Wertes verkaufen (oder 0.5% monatlich). Vorteil: sehr einfach, Steuern, höhere Bezüge verglichen mit Dividendenstrategie. — Nachteil: Transaktionskosten, Vermögen wächst langsamer als bei Dividendenstrategie, Schwankung der Bezüge.

    • Peter Rohner sagt:

      Wenn man den Wertschwankungen von Aktien aus dem Weg gehen will, kann man Anleihen, Liegenschaften und Rohstoffe beimischen. Die langfristige Performance wird dadurch leiden, dafür ist die Wertschwankung (= Volatilität) geringer. — So ein Portfolio möchte ich aber nicht selbst verwalten, da zu aufwändig. In diesem Fall lieber zu TrueWealth, Avadis oder ähnlich gehen.

  • Thomas Weber sagt:

    Ist ja nicht so, dass bei therausierenden Fonds/ETFs keine Steuern anfallen. Auch hier muss der steuerbare Ertrag versteuert werden. Beim IE00BYM11L64 waren dies in 2018 2.557 CHF pro Unit.
    Wenn der Cashflow für die Begleichung der Steuerrechnung oder Lebenshaltung nicht ausreicht, müssen folglich Verkäufe erfolgen.
    Wo ich einen Vorteil bei den thesaurierenden Tranchen sehe, sind
    1) die Kosteneffizienz und
    2) im aktuellen Umfeld die Guthabengebühr bei größerem Kontoguthaben
    Ausschüttungen könnte man für ein Re-Balancing nutzen, sowohl zwischen als auch innerhalb der Anlageklassen.

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