Warum Bargeld horten keine Lösung ist

Was tun, wenn die Bank einen Negativzinssatz auf das Vermögen setzt? Das rät unser Geld-Experte.

Wer Noten ins Bankschliessfach legt, kann zwar Negativzinsen verhindern, verpasst aber Rendite. Foto: Keystone

Sie hatten mir vor einiger Zeit empfohlen, nicht unser ganzes Vermögen von circa 700’000 Franken bei der Postfinance zu deponieren, sondern das Geld auf verschiedene Banken zu verteilen. Wir haben Ihren Ratschlag befolgt. Bei Postfinance blieben circa 500’000 Franken. Und jetzt die Überraschung: Ohne persönliche Information soll unser Vermögen ab 250’000 Franken mit einem Negativzins von 1 Prozent belastet werden. Sollen wir Bargeld beziehen und in einem Safe bei einer Bank deponieren? Ich habe noch Zürich-Aktien. Empfehlen Sie mir, mit dem Geld eventuell weitere Zürich-Aktien zu kaufen? D.B.

1 Prozent Strafzins auf liquiden Mitteln von über 250’000 Franken ist hoch, zumal die Postfinance selbst nur 0,75 Prozent an die Nationalbank abliefern muss. Das Institut hat sich somit auch noch gleich eine Marge eingebaut oder für den Fall vorgesorgt, falls die Nationalbank die Negativzinsen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls auf 1 Prozent ausweitet.

Genau darin liegt der Nachteil, wenn man zu viel liquide Mittel hortet: Sie verpassen nicht nur eine Rendite, sondern bezahlen nun auf hohen Beträgen auch noch Negativzinsen. Einen solchen Zins zu zahlen, macht schlicht keinen Sinn. Darum rate ich Ihnen, Massnahmen zu ergreifen.

Sie könnten an sich weitere Beträge an andere Banken überweisen. Dank einer solchen Diversifikation erhöhen Sie Ihre Sicherheit und kommen unter die Vermögenshürde, über der Strafzinsen fällig werden.

Der Nachteil ist, dass bei einem neuen, zusätzlichen Konto Gebühren fällig werden. Zudem müssen Sie damit rechnen, dass auch andere Banken bei grossen liquiden Beträgen zunehmend Strafzinsen in Rechnung stellen – erst recht, wenn die SNB die Minuszinsen tatsächlich auf Minus 1 Prozent ausweitet.

Strafzinsen verhindern können Sie in der Tat, wenn Sie Bargeld im Tresorfach horten. Aber Sie verpassen auch da Rendite. Und auch das Tresorfach gibt es nicht gratis. Die Gebühren, die Sie dafür bezahlen, sind faktisch auch ein kleiner Negativzins.

Dazu kommt, dass Sie bei dieser Variante ein kleines Restrisiko tragen. Tresorfächer sind zwar recht sicher, falls es aber einmal brennen würde oder der Tresorraum überflutet würde, wäre Ihr Bargeld im Fach nicht mehr zwingend gesichert. Immerhin ist dieses Risiko eher bescheiden.

Wesentlich besser wäre es grundsätzlich, wenn Sie Ihr Geld investieren würden. Sie schreiben, dass Sie bereits Aktien der Zürich-Versicherung halten. Diese werfen immerhin eine stolze Dividendenrendite von rund 5 Prozent ab. Wenn Sie zusätzlich Aktien der Zürich oder auch andere Dividendenperlen wie Swiss Re, Roche, Novartis, Swisscom, Nestlé oder Swiss Life kaufen, dürften Sie sich über Dividendenrenditen zwischen 2 und 5 Prozent freuen.

Der Nachteil ist aber, dass Sie dann ein erhebliches Anlagerisiko tragen. Angesichts der Tatsache, dass Sie so hohe liquide Beträge horten, gehe ich davon aus, dass Sie nur sehr geringe Risiken eingehen möchten. Wenn Sie nun aber zusätzliche Zürich-Aktien erwerben, müssen Sie sich auf starke Kursschwankungen einstellen, zumal die Märkte nach den Rekordständen anfällig geworden sind für eine stärkere Korrektur. Sie müssen sich fragen, ob Sie mit stärkeren Kursschwankungen leben können.

Wenn das wirklich der Fall ist, würde ich wenigstens einen Teil der liquiden Mittel breit diversifiziert investieren, wobei unbedingt auch ein Klumpenrisiko verhindert werden und verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Immobilien, Anleihen und Rohstoffe je nach Ihrer Risikobereitschaft einbezogen werden sollten.

Angesichts der realen Korrekturgefahr müssen Sie sich aber nochmals genau überlegen, ob und wie viel Risiken Sie wirklich eingehen möchten, zumal Sie mir schreiben, dass Sie schon älter sind.

Wenn Sie grosse Mühe haben mit Risiken und sich stark sorgen würden, wenn Sie hohe Buchverluste erleiden sollten, würde ich derzeit allerdings mit neuen Investments vorsichtig sein – besonders im Alter lohnt es sich aus meiner Sicht nicht, wenn man wegen möglicher Buchverluste noch schlaflose Nächte hat.

17 Kommentare zu «Warum Bargeld horten keine Lösung ist»

  • Pan Flöte sagt:

    Der Geldblog hier kann nur Denkanstösse geben, aber keine Vollberatung. Denkanstösse nützen aber nur demjenigen, der sich etwas auskennt.

    Jemand mit so viel Bargeld sollte sich, wenn er sich schon gar nicht auskennt, einen persönlichen Geldberater leisten. Natürlich einen unabhängigen. Z.B. das Vermögenszentrum. Und wem das zu teuer ist, der soll‘s halt bleiben lassen und mit dem Jammern aufhören.

    Ein par Tipps für Leute, die sich mit der Materie gar nicht auskennen:
    — Keine Einzelaktien kaufen, sondern diversifizieren.
    — Nur Gesamtmärkte kaufen in Form von ETFs.
    — Am besten in die Welt investieren mit einem einzigen ETF: MSCI ACWI oder FTSE All-World. Mehr braucht der Anfänger nicht.
    — Buy-and-Hold.
    — Zeit mitbringen (10 Jahre und mehr).
    — Sich in die Materie einlesen.

  • Thomas Huber sagt:

    Ein Geizhals ist zu niemandem gut, am schlimmsten aber gegen sich selbst.

  • Werner Scheidegger sagt:

    Das mit der Dividendenrendite von 5% ohne Päzisierung, ist für mich eine unlautere Aussage von einem sogenannten Fachmann.
    Die Aktie hat einen Nominalwert, auf diesen erhalten sie zB 5% Dividende. Gekauft ist die Aktie aber zu einem viel höheren Wert gekauft worden, was die erzielte Rendite mit der Dividende sehr stark schmälert.

    • Hans Nyfennegger sagt:

      Ihre Aussage ist nicht richtig. Die Zurich Insurance bezahlte im Jahr 2019 eine Dividende von CHF 19 pro Aktie. Bei gleich bleibender Ausschüttung ergibt dies eine ungefähre Rendite von knapp 5%.

    • Jacques Zimmer sagt:

      Dividende und Dividendenrendite sind nicht das Gleiche. Dividende bezieht sich auf den Nominalwert, Dividendenrendite auf den Kurswert (Kaufpreis).

  • Suter Christian sagt:

    Ich verstehe nicht, weshalb ältere Leute nicht auch Risiko nehmen sollten? Grad die brauchen ja nicht mehr so viel Geld, weil das Leben dem Ende entgegen geht. Spielt doch keine Rolle, wenn jemand mit 90 und 1 Mio Vermögen noch 100’000 in den Sand setzt. Wahrscheinlich hat er im Leben schon weit mehr gewonnen – oder verloren. Es ist halt so – ohne Risiko kein Gewinn – auch im Alter.

  • E. Wagner sagt:

    Die PostFinance erhebt meines Wissens dann keine Negativzinsen, wenn man mit ihr ‚geschäftet‘. Die Depotführung für Wertschriften kostet CHF 90.-, 3 Handelsaktionen sind dafür gratis. Ab einem gewissen Kontostand kostet auch die Kontoführung nichts. Also den Rat von Herrn Spieler befolgen und ein Aktiendepot bei der PostFinance eröffnen.
    PS ich bin nicht von der PostFinance bezahlt – einfach zufriedener Kunde.

  • urs brand sagt:

    Wenn man nicht in Wertschriften anlegen möchte, gäbe es zur Zeit noch bei der Cembra Bank Kassenobligationen welche bei 4 Jahren Laufzeit 0.4% Zins abwerfen. Wie überall nicht gerade viel aber immerhin erhält man noch etwas und muss der Post nicht noch 1% Zins abliefern.

  • K. Zimmermann sagt:

    zum ersten Mal von Herrn Spieler enttäuscht: man ist zum Schluss so klug als wie zuvor. Da ist die erste Leserzuschrift doch merklich hilfreicher….

    • Maurus Hasler sagt:

      Sehr geehrter Herr Zimmermann
      Da bin ich genau gegenteiliger Meinung. Wenn Sie einleitend die Frage lesen, sehen Sie, dass D.B. den Ratschlägen von Herr Spieler großes Gewicht gibt.
      Ich behaupte mal einfach, dass sich Herr Spieler wohl bewusst ist, dass eine fundierte Beratung in so einem Fall nicht via „Geld Blog“ möglich ist. Die Aussagen sind alle korrekt. D.B. muss sich nun überlegen wie er vorgehen will.
      Wo ich wirklich enttäuscht bin, ist dass es offensichtlich auch unter den Lesern hier immer noch Leute wie Sie gibt die glauben es gäbe so etwas wie eine unabhängige Beratung.
      Ich arbeite selbst in der Branche und versuche zwar nicht unabhängig aber objektiv zu beraten und kommuniziere das auch so. Das VZ rühmt sich unabhängig zu sein und am Schluss hat man eine VZ Lösung…?

Kommentar

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