So riskant ist das Crowd-Investment

Wer als Anleger Bank spielen will, sollte genau prüfen, wer im Krisenfall für das investierte Geld haftet.

Die Crowd als Kreditgeber? Passanten spiegeln sich in einem Schaufenster an der Zürcher Bahnhofstrasse. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Als 60-jähriger Einzelunternehmer habe ich mein Vermögen mit je circa 500’000 Franken in einer Vorsorgeeinrichtung der 2. Säule und als Eigenkapital in meiner selbstbewohnten Liegenschaft aufgeteilt. Circa 200’000 Franken sind Barvermögen, denn angesichts der Unsicherheiten der Aktienmärkte habe ich mich nicht getraut respektive es versäumt, rechtzeitig einzusteigen. Was halten Sie davon, nun schrittweise einen Teil der Bargeldreserven im Rahmen von Crowd-Lending zu investieren? Grundgedanke dabei ist, dass hier vernünftige Rendite bei vertretbarem Risiko möglich ist. Durch den laufenden Kapitalrückfluss wird es zudem möglich sein, später wohl dosiert und bedarfsgerecht von der Anlagephase in einen schrittweisen Vermögensverzehr überzugehen. Welchen Anteil des Barvermögens würden Sie für die kommenden 5 Jahre einsetzen, während denen ich noch ganz regelmässiges Erwerbseinkommen erziele? R.K.

Anlagen in Crowd-Finanzierungslösungen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Vor einem Investment sollten Sie aber nicht nur die Rendite vor Augen haben, sondern genau abklären, welche Risiken Sie mit einem Crowd-Lending eingehen.

Das Anlagesegment ist noch jung, Erfahrungen in Krisensituationen bestehen noch kaum. Es muss sich zuerst noch zeigen, wie sich solche Investments in Krisenlagen verhalten. Vor allem würde ich im Detail abklären, welche Sicherheiten Sie im Notfall für Ihr investiertes Geld haben, wenn eine Krise eintritt oder sonst etwas schiefgeht.

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten. Je nach Art des Crowd-Investments gibt es auch punkto Risiken grosse Unterschiede. Wie bei jeder anderen Anlage auch muss man dennoch immer mit dem schlimmsten Fall rechnen. Darum sollten Sie prüfen, wer für Ihr Geld haftet, wenn sich das Investment nicht so entwickelt, wie es sich in Schönwetterphasen präsentiert. Wie solid sind die Partner, denen Sie Ihr Geld anvertrauen?

Die Crowd-Lending-Plattformen sind meist nur Vermittler. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wer für Ihr Geld im Krisenfall geradesteht und wie robust dieser aufgestellt ist. Bei einer Bank haben Sie im Konkursfall die gesetzliche Einlagensicherung bis maximal 100’000 Franken je Kunde und Bank. Bei Crowd-Anlagen hingegen gibt es keinen solchen Schutz.

Dazu kommt eine andere Frage: Wie liquid ist der Markt für Crowd-Finanzierungen? Wie einfach können Sie aus Ihrem Investment wieder aussteigen, wenn sich dieses enttäuschend entwickelt und es über dieses allenfalls negative Schlagzeilen gibt?

Beträchtliche Risiken haben Sie auch bei anderen Anlageklassen wie Aktien oder Obligationen. Wenn diese an einer Börse gehandelt werden, haben Sie immerhin aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Investment schnell und unkompliziert wieder verkaufen können. Das ist bei Crowd-Anlagen nicht zwingend garantiert.

Trotz steigender Beliebtheit solcher Investments rate ich angesichts dieser Erwägungen bei der Anlage von Vorsorgegeldern in Crowd-Projekte zu grosser Vorsicht. Altersgeld sollte aus meiner Sicht mit besonderer Sorgfalt investiert werden, zumal Sie dafür als Einzelunternehmer hart gearbeitet haben.

Wenn jemand in Crowd-Projekte investieren möchte, würde ich dies im Sinne der Diversifizierung nur mit einem sehr kleinen Anteil des Gesamtvermögens tun, den man im Zweifelsfalle auch abschreiben kann. Auf keinen Fall sollte man sein ganzes Geld in diese Anlageklasse investieren. Denn damit geht man aus meiner Sicht erhöhte Risiken ein und setzt sich unter Umständen einem beträchtlichen Klumpenrisiko aus.

4 Kommentare zu «So riskant ist das Crowd-Investment»

  • Thomas Abderhalden sagt:

    Heute mal ein interessantes Thema. Ich habe mehrere Zehntausend Franken in Crowdlending investiert. Es ist auf jeden Fall so, dass man sich da zuerst gut informieren sollte, was das ist, und welche Risiken auf welchen Stufen bestehen. Es gibt da sehr viele gute Informationsquellen (Blogs, Facebookgruppen, Youtube Videos von Besuchen bei Anbietern). Das liquidste Produkt ist Bondora Go and Grow mit 6.75%p.a. täglich gutgeschrieben. Hier kann man das ganze investierte Geld oder Teile davon jeden Tag abziehen. Wem das Baltikum nicht geheuer ist, soll sich Linked Finance in Irland anschauen (KMU Kredite), oder halt cashare in der Schweiz, wo ich selber aber nicht investiert bin.

    • Hans Hasler sagt:

      Wer 6.75% Rendite „garantiert“ (wohlgemerkt ohne Garantie) kann einfach kein seriöser Anbieter sein. Und wiso sollte Bondora besonders liquide sein?

  • Thomas Abderhalden sagt:

    Unseriös ist, wer ein intransparentes Geschäftsmodell hat, bzw. nicht auf die Risiken aufmerksam macht. Im untenstehenden Link ist erklärt, wie GnG funktioniert, und auch welches die Risken sind (Zinssatz nicht garantiert, Liquiditätsproblem, wenn zu viele Leute ihr Geld abziehen wollen, was man ja bei jeder Bank auch hätte). Bondora gibt es seit 2007 und untersteht einer internen und externen Revision von PwC bzw. KPMG. Im Gegensatz dazu haben wir die seriöse UBS, die seit 2007 Pleite ging und von uns gerettet werden musste, die mithalf den Libor Zins zu manipulieren, Milliarden an Bussen bezahlen musste durch ihr kriminelles Verhalten, und jetzt mit Iqbal Kahn den Reichen billigste Kredite gibt, damit diese ihre Investitionen hebeln können.
    https://tinyurl.com/wsytwgc

  • Victoria sagt:

    Eine Alternative zum Crowdfunding bieten heute Impact-Investitionen, die sowohl von unabhängigen Organisationen als auch von Banken angeboten werden. Investitionen in solche Fonds sind interessant durch die einmalige Mischung aus ansprechender finanzieller Rendite, tiefer Volatilität, günstigen Portfoliodiversifikationseigenschaften, sowie der Komponente des sozialen «Impacts».
    International Impact Investing Centre (Galileo IIIC) https://iiic.ch/IMPACT_INVESTING/

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