Vorsicht beim Verrechnungsverzicht

Bei einem Bankkonkurs könnte man seine Einlagen verlieren – und trotzdem auf einer hohen Schuld sitzen bleiben.

Mit einem Verrechnungsverzicht geben Kunden ihr Okay, dass sie ihre Hypothek bei einem Bankkonkurs nicht durch eine Verrechnung mit ihren Kontoguthaben tilgen können. Foto: iStock

In einem Bericht erwähnten Sie das Verrechnungsverbot zwischen Sparguthaben und Hypotheken. Können Sie mir erklären, weshalb die Banken überhaupt ein Verrechnungsverbot in den Verträgen haben? T.F.

In vielen Hypothekenverträgen gibt es im Kleingedruckten einen Verrechnungsverzicht. Damit gibt man als Kunde sein Einverständnis, dass man seine Hypothek auch dann, wenn die Bank in Konkurs geht, nicht einfach durch eine Verrechnung mit seinen Kontoguthaben oder anderen Forderungen tilgen kann.

Im Sinne des gesunden Menschenverstandes ist es für die meisten Kunden logisch, dass im Fall einer Insolvenz der Bank ihr Guthaben mit allfälligen Schulden, die sie bei der gleichen Bank haben, verrechnet würde. Leider ist das in der Praxis meist nicht gegeben, da sich die Banken mit einem Verrechnungsverbot oder Verrechnungsverzicht selbst absichern.

Indem man dem Verrechnungsverzicht zustimmt, kann keine Verrechnung stattfinden, und die Hypothek würde auch im Konkursfall der Bank bestehen bleiben. Im schlimmsten Fall würde man einen Teil seiner Bankeinlagen verlieren, aber weiter auf einer hohen Hypothek sitzen.

Wenn eine Bank zusammenbricht, werden die weiter bestehenden Hypotheken in der Regel an eine andere Bank übertragen. Man ist dann Schuldner bei der Nachfolgebank und muss dieser den Hypozins bezahlen.

Problematisch ist das, wenn man bei der konkursiten Bank viel Geld auf dem Konto hatte und durch den Zusammenbruch einen Teil davon abschreiben muss. Denn die gesetzliche Einlagensicherung garantiert nur Einlagen bis maximal 100’000 Franken pro Kunde und Bank. Wenn ein Kunde bei der gleichen Bank liquide Mittel von angenommen 300’000 Franken parkiert hat und diese bricht zusammen, muss er im schlimmsten Fall damit rechnen, dass er 200’000 Franken verliert.

Mit dem Verrechnungsverzicht kann er diesen Verlust dann aber nicht mit der Hypothek gegenverrechnen. Vom Verrechnungsverzicht profitiert nur die Bank. Sie senkt mit dieser Vertragsklausel ihre Risiken im Konkursfall. Für die Kunden hingegen steigen durch die Klausel die Risiken.

Viele Banken gehen noch einen Schritt weiter, indem sie ein asymmetrisches Verrechnungsrecht in ihren Verträgen haben. Oft räumt sich die Bank das Recht ein, bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden seine Forderungen mit allfälligen Guthaben des Kunden zu verrechnen. Der Kunde hingegen darf das nicht, da er mit der erwähnten Vertragsklausel auf die Verrechnung verzichtet. In dieser Konstellation wäre der Kunde der Dumme. Die Bank ist abgesichert, der Kunde hingegen hat Nachteile.

Lösen kann man diese Problematik, indem man entweder von der Bank vor dem Abschluss der Hypothek verlangt, das Verrechnungsverbot oder den Verrechnungsverzicht aus dem Vertrag zu streichen. Die diesbezügliche Praxis bei den einzelnen Banken ist unterschiedlich. Einige Banken sind bereit, auf diese für die Kunden nachteilige Klausel zu verzichten, wenn der Kunde ausdrücklich danach fragt.

Oder aber man parkiert bei der Bank, bei der man eine Hypothek hat und einen Verrechnungsverzicht unterschrieben hat, bewusst nicht zu viel liquide Mittel. Solange man nicht mehr als 100’000 Franken an liquiden Mitteln bei dieser Bank deponiert hat, ist man auf der sicheren Seite.

Vom Verrechnungsverzicht abgesehen, sollte man ohnehin nicht zu viel liquide Mittel einfach auf einem Konto liegen lassen. Über das Konkursrisiko hinaus hat man auch sonst Nachteile: Auf dem Konto bekommt man kaum mehr Zins und verliert auf den liquiden Mitteln unter Berücksichtigung der Teuerung und Gebühren faktisch Geld.

Besser ist es, das Geld zu investieren und nicht zu hohe Beträge als liquide Mittel zu halten.