Hohe Gebühren schmälern Kinderbatzen

Unser Geldberater erklärt, wo und wie Sie Kindergeld am lukrativsten investieren.

Vorsicht vor den Renditefresserchen! Bei Kindergeld-Anlagen sollte auf die Gebühren geachtet werden. Foto: iStock

Wir, ein Ehepaar über 70, sind nicht sehr vermögend, aber für unsere vier Enkelkinder haben wir kleine Beiträge für die Zukunft angelegt, zunächst bei La Roche, dann bei Notenstein und jetzt bei Vontobel. Die Gebühren fressen aber den Profit weg. Welche Bank würden Sie uns empfehlen und wie können wir hohe Gebühren vermeiden? E.L.

Grundsätzlich finde ich es positiv, dass Sie das Geld der Enkel investiert haben. So haben Sie die Chance, für Ihre Enkel eine höhere Rendite zu erzielen. Bei der Anlage des Kinderbatzens lohnt es sich allerdings auch, auf die Gebühren zu achten.

Denn es ist in der Tat so, dass die Gebühren die jährliche Rendite schmälern. Auf zehn oder zwanzig Jahren macht ein Renditeunterschied von einem oder zwei Prozent aufgrund des Zinseszinseffektes schon einiges aus.

Wenn Sie die Fonds, in denen der Kinderbatzen Ihrer Enkel angelegt ist, von der Bank Vontobel zu einer anderen Bank mit tieferen Gebühren ausliefern lassen möchten, kommen in der Regel sogenannte Auslieferungsgebühren zur Anwendung. Bei der Bank Vontobel wird für die Titelauslieferung im In- und Ausland gemäss Kundeninstruktion pro Position 200 Franken verrechnet.

Falls es mehrere verschiedene Fonds oder noch andere Wertschriften wären, könnte es für Sie unter Umständen teuer werden. Falls auch die Bankbeziehung aufgehoben und das Konto saldiert wird, müssen Sie mit weiteren 500 Franken Gebühr rechnen. Meist lohnt es sich, mit der Bank das Gespräch zu suchen. Möglicherweise kommt man Ihnen entgegen – etwa dann, wenn Sie noch andere Geschäftsbeziehungen mit der Bank pflegen.

Ob sich eine Titelauslieferung lohnt, hängt nicht zuletzt von der Art der Fonds ab. Vor einer Titelauslieferung würde ich prüfen, ob Sie an den bestehenden Fonds festhalten möchten. Ich könnte mir vorstellen, dass diese auch nicht gerade günstig sind. Wenn Sie schon Gebühren sparen möchten, sollten Sie nämlich auch die Fondsgebühren im Auge behalten.

Die Kennziffer, die Ihnen Aufschluss über die Fondsgebühren gibt, ist die Total Expense Ratio TER. Diese liegt bei vielen Fonds über einem Prozent. Für die Anlage von Kindergeld würde ich persönlich aufgrund des langen Anlagehorizonts reine Aktienvehikel nutzen.

Dafür brauchen Sie keinen teuren Strategiefonds, sondern können einen passiv geführten Indexfonds einsetzen, wie sie die grossen Schweizer Fondsfirmen wie Swisscanto, CS oder UBS anbieten, oder einen Exchange Traded Fund, wie sie etwa der US-Vermögensverwalter Blackrock über seine Tochter iShare im Angebot hat.

Falls Sie nicht zwingend an den bisherigen Fonds festhalten möchten, würde ich die Fonds verkaufen und sie nicht transferieren und dann bei der neuen Bank günstige Indexfonds erwerben. Eine bestimmte Bank kann ich Ihnen nicht empfehlen. Vergleichsweise eher tiefere Gebühren haben aber die Migros-Bank oder Kantonalbanken wie die ZKB, zu der auch die Fondsfirma Swisscanto gehört. Eher günstig sind auch Institute wie die Bank Cler oder viele Regionalbanken.

Falls die bisherigen Fonds ebenfalls einen hohen Aktienanteil enthalten, könnten Sie angesichts der Höchststände bei vielen Aktien und Indices auch noch gleich ein paar Gewinne erzielen und dann die neuen günstigen Fonds bei der anderen Bank im Zuge einer Korrektur auf einem etwas tieferen Preisniveau kaufen.

Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren, die wir derzeit an den Finanzmärkten erleben, würde es mich nicht erstaunen, wenn Sie im Herbst im Rahmen einer Korrektur durchaus neue Kaufgelegenheiten erhalten.

10 Kommentare zu «Hohe Gebühren schmälern Kinderbatzen»

  • Peter Rohner sagt:

    Um für die Kinder oder Enkel Geld anzulegen, empfiehlt sich eine ganz einfache, kostengünstige Lösung. So aus dem Ärmel geschüttelt würde ich sagen: PostFinance (Fonds „Global“ oder „Schweiz“ —> beide werden passiv verwaltet) oder Avadis (Strategie „Aktien“ —> hauptsächlich passiv verwaltet). Mindesteinzahlung beträgt 50.—; perfekt, um regelmässig an Geburtstagen oder zu Weihnachten etwas einzuzahlen.

    • Timo sagt:

      Leider sind beide dieser Angebote immer noch mit relative hohen Kosten verbunden. So verliert man zusätzlich zum TER, der bereits über 0.5% ist, auch noch Verrechnungssteuer die nicht zurückforderbar ist. Das führt zu einer weiteren Minderung von mehr als 0.3% der Rendite. Global ist die durchschnittliche Realrendite 5.2%. 1% Kosten mindert die Rendite also um fast einen Fünftel.

      • Pan Flöte sagt:

        Wieso ist die Verrechnungssteuer nicht rückforderbar? Weil diese Fonds thesaurierend sind?

        Ein TER von ca. 0.6% bis 0.8% finde ich ok für einfache Lösungen. Dafür muss man sich auch um nichts kümmern.

      • Timo sagt:

        Es geht nicht um die Verrechnungssteuer die in der Schweiz erhoben werden. Andere Länder tun dies auch, ein Fond kann diese ausländische Steuer jedoch nicht mehr zurückfordern. Die Schweizer Verrechnungssteuer fällt dann zusätzlich an.

        Bei einem Fond mit dem Domizil USA kann man die Amerikanische Verrechnungssteuer zurückfordern sobald mehr als 50 Franken zurückbehalten werden. Da die USA mehr als 50% des weltweiten Aktienmarktes ausmachen, ist ein Amerikanischer Fond durchaus attraktiv.

        Ein solches Beispiel is der Vanguard Total World Stock ETF VT. Mit nur 0.09% TER auch sehr günstig.

      • Pan Flöte sagt:

        Danke @Timo für deine Ausführungen!

        Aber was soll man jetzt jemandem empfehlen, der ohne Aufwand für die Kinder/Enkel investieren will? Wertschriftendepot in den USA eröffnen?

      • Timo sagt:

        Das Fondsangebot in der Schweiz ist für Kinderbatzen und Kleinstanleger wirklich beschämend.

        Die Beste Strategie ist meiner Meinung nach die Unterbringung beim eigenen Broker bis zum 18 Lebensjahr. Woraf die Wertschriften übertragen werden. Dividenden sollten dabei jährlich wieder investiert werden, ein günstiger Broker ist also von Vorteil.
        Es empfielt sich auch bereits auf die Kosten nach der Übertragung oder des Verkaufs zu schauen.
        Interactive Brokers ist ein Broker den man empfehlen kann. Für eine Person die jünger als 25 Jahre ist, betragen die Kosten pro Jahr 36 Franken.

        Mit ein wenig Aufwand kann für das Kind jedes Jahr auch ein Auszug erstellt werden.

  • Anh Toan sagt:

    Bei swissquote gehen keine Kinderdepots, also zur BeKB, online trading: Betreffend Titelausbuchungsspesen würde ich eher mit der neuen Bank verhandeln, diese zu übernehmen. Warum sollte sich die Bank, die man verlässt, grosszügig, kulant zeigen?

    Bei swissquote gibts keine Kinderdepots, also ab zur BeKB, Trade-net heisst deren Onlinebank mit ähnlich tiefen Gebühren: Der Verkauf der alten Fonds dürfte da weniger Kosten als bei der Privatbank, und die Online-Bank bekommt so die allenfalls übernommenen Ausbuchungsspesen gleich wieder zurück.

    • Julian H. sagt:

      Geld für den Nachwuchs anlegen ist lobenswert, Gratulation hierfür! Das Angebot in der Schweiz an Junior-Depots ist gelinde gesagt beschämend. Ich kann mich nur wiederholen Depotgebühren sind anachronistisch und deshalb überspitzt gesagt Raub. Die Orderkosten sind dazu nochmals hanebüchen. Unabhänging davon ausschliesslich MSCI World/Emerging Markets/All Country World oder FTSE Developped/Emerging Markets/All World ETF kaufen. TER derjenigen ist bei modernen Ausführungen von etablierten ETF Anbietern vernachlässigbar gering.

  • Peter Schneider sagt:

    Zweiplus hat übrigens Kinderdepots ohne Depotgebühren. Einfach „Jugend-Fondssparplan cash.ch“ googeln. Da fallen sogar die Courtagen weg.

  • Dieter Meier sagt:

    Warum nicht ennet der Grenzen schauen. Beispielsweise die comdirect Bank in Deutschland. Kostet kaum Gebühren und man kann alles Mögliche ins Depot nehmen (natürlich auch Schweizer Aktien). Es gibt dort auch andere Direkt-Broker. Ausserhalb der Schweiz gibt es wohl keine Bank, die überlebt, wenn sie 200CHF pro Position bei der Auslieferung in Rechnung stellen will. Aber die Schweizer zahlen es. Weil es ja… weil es ja… Ja warum? Weil es eine Schweizer Bank ist? Und schon immer so war?

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