Wer nicht investiert, verliert Geld

Warum Sie Ihr Kapital auf keinen Fall liegen lassen sollten und wie sich schon einfachste Anlagestrategien lohnen.

Die teuerste Strategie: Sein Geld jahrelang im Safe oder auf dem Konto liegen zu lassen. Foto: Keystone

Wir sind verheiratet und haben einen erwachsenen Sohn. Ich arbeite zu 60 Prozent, mein Mann ist pensioniert. Die Pensionskasse hat sich mein Mann auszahlen lassen. Ein Teil, rund 300’000 Franken Bargeld, liegt im Banksafe. Der Rest auf Konten bei verschiedenen Banken. Wir haben ein Eigenheim, welches zu 50 Prozent belehnt ist, und die Festhypothek um zehn Jahre verlängert. Haben Sie eine Idee, wie wir die 300’000 Franken anlegen könnten? Wir sind nicht sehr mutig und der Anlagehorizont ist beschränkt. M.L.

Mir ist nicht klar, warum Sie die Hälfte des Pensionskassengeldes, das Ihr Mann bezogen hat, in Bar im Banksafe aufbewahren. Aus meiner Sicht hat das nur Nachteile – abgesehen davon, dass Sie für den Banksafe auch noch Gebühren zahlen.

Weit schlimmer ist, dass der hohe Betrag absolut keine Rendite bringt. Im Gegenteil: Unter Berücksichtigung der zwar nach wie vor sehr tiefen Teuerung nimmt der Wert dieses Geldes im Safe ab. Die Jahresteuerung nahm im laufenden Jahr 2019 mit 0,6 Prozent leicht zu. Zusätzlich tragen Sie ein kleines Sicherheitsrisiko. Das Geld im Banksafe ist zwar grundsätzlich sehr sicher, aber im Falle von Hochwasser in der Bank laufen Sie Gefahr, dass das Bargeld nicht gesichert wäre.

Aus meiner Sicht müssten Sie nicht nur die zweite Tranche, sondern auch die erste Tranche von 300’000 Franken investieren. Das wären dann immerhin 600’000 Franken. Wenn Sie auf diesem vielen Geld nur schon eine Rendite von zwei bis drei Prozent pro Jahr erreichen würden, wären dies immerhin schon 12’000 Franken oder sogar 18’000 Franken, die Sie mit dem Geld so erwirtschaften würden.

Jetzt haben Sie auf dem ganzen Geld null Rendite, weil auch die zweite Tranche ohne Zins auf dem Bankkonto von mehreren Banken brachliegt. Aus dieser Perspektive wäre es wohl besser gewesen, wenn Ihr Mann eine Rente bezogen hätte, dann hätte er wenigstens die Einnahmen. Oder Sie hätten einen Teil der Hypothek abzahlen können, für die Sie Zins zahlen. Doch die Festhypothek ist nun zehn Jahre verlängert, darum stellt sich diese Frage nicht mehr.

Nun schreiben Sie mir aber, dass Sie das PK-Geld Ihres Mannes momentan nicht für den Lebensunterhalt brauchen, da Sie arbeiten und auch Ihr Mann noch in Teilzeit über die Pensionierung hinaus berufstätig ist. Umso mehr würde ich dieses Kapital, das jetzt brachliegt, wenigstens teilweise anlegen.

Ich verstehe gut, dass Sie Sicherheit suchen. Und ich empfehle Ihnen auch, das Geld nur konservativ zu investieren. Spekulieren würde ich mit dem Geld auf keinen Fall, denn es ist das Altersgeld Ihres Mannes. Und Sie müssen an den Finanzmärkten jederzeit mit Rückschlägen rechnen. Ebenso wie ich es falsch finde, wenn jemand leichtfertig mit dem Altersgeld spekuliert, finde ich es problematisch, wenn man das Geld einfach liegen lässt und es so in ganz kleinen Schritten immer mehr an Wert verliert.

Eine bestimmte, einzelne Anlage kann ich Ihnen nicht empfehlen. Das wäre unseriös. Dafür ist der Betrag zu gross. Wichtig ist, dass Sie sich von einer oder mehreren Banken eine Strategie für die Anlage dieser Gelder ausarbeiten lassen.

Dabei sollte das Geld gemäss einer Strategie, die auf Ihre persönlichen Lebensumstände und Ihre Risikofähigkeit abgestimmt ist, breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen konservativ investiert werden, damit Sie wenigstens besser dastehen als heute und zumindest die Teuerung schlagen und nach Gebühren einen kleinen Minimalzins erreichen.

Sprechen Sie mit mehreren Banken und machen Sie klare Vorgaben, die schriftlich festgehalten sind. Lassen Sie sich zudem konkrete Vorschläge ausarbeiten sowie die genauen Risiken und die Gebühren, die mit der Anlage verbunden sind, aufzeigen. Verschiedene Banken können Ihnen digital aufzeigen, wie sich das investierte Geld je nach Strategie auch bei einem Crash entwickeln könnte. Dann können Sie entscheiden, mit welcher Strategie Sie gut schlafen können.

Sie schreiben, dass Sie nicht mutig sind und auch der Anlagehorizont nicht sehr lange ist. Genau diese Aspekte müssen verbindlich in die Strategie einfliessen. Gar nichts zu machen, finde ich hingegen auch mutig: Denn Sie verlieren faktisch Geld.