Sika hebt Zielwerte an und erfreut die Anleger

Sika: Die Parex-Integration scheint zu klappen. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Paul Schuler ist gut gelaunt, sehr gut sogar – er hat auch allen Grund dazu. Der Chef von Sika hatte am diesjährigen Investorentag nur Positives über das Unternehmen zu berichten. Obwohl er zum dritten Quartal noch keine Aussage machen konnte, darf davon ausgegangen werden, dass Sika den ­Rekordkurs des ersten Semesters gehalten hat. Die Integration des im Frühjahr erworbenen Mörtelherstellers Parex verläuft offenbar prächtig. Entsprechend hat der führende Bauzulieferer im Zuge der am Donnerstag präsentierten überarbeiteten Strategie die operativen Zielwerte angehoben – das überzeugt mich. Die Ebit-Marge soll bis 2023 einen Zielkorridor von 15 bis 18 Prozent erreichen, ­bisher waren es 14 bis 16 Prozent. Zudem wird ein neuer Zielmarkt definiert: Building Finishing. Er umfasst vor allem das Mörtelgeschäft von ­Parex. Diese grösste Akquisition von Sika wirkt sich positiv aus, die ­Integration ist offenbar auf Kurs. Die erwarteten Synergien werden die Integrationskosten bald kompensieren. Mit Parex will Sika in den kommenden Jahren die globalen Marktanteile weiter ausbau­en. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass dies gelingen wird. Kaufen

Der Picard-Verkauf ändert nicht alles

Auch von Aryzta erreichten mich diese Woche gute Neuigkeiten: Der kriselnde Backwarenkonzern hat einen Käufer für seine 49-Prozent-Beteiligung am französischen Tiefkühlspezialisten Picard gefunden. Ich finde das erfreulich, auch wenn der Preis mit 156 Millionen Euro unter dem Buchwert und den Marktschätzungen liegt. Aryzta blätterte vor vier Jahren 447 Millionen hin. Ich freue mich für die vielen leidgeprüften Aktionäre. Eine Serie von Gewinnwarnungen und eine schwere Kapitalerhöhung lasteten auf dem Aktienkurs. Ändert der Picard-Verkauf den Investment Case Aryzta? Jein. Das Management kann sich nun voll auf den operativen Turnaround in ­Nordamerika konzentrieren, wo Aryzta rund 40 Prozent des Umsatzes macht. Doch die Verschuldungssituation bleibt angespannt, und die Führung darf sich keine strategischen Fehltritte mehr erlauben. Aufmerksam werde ich deshalb am Dienstag die Präsentation der Jahreszahlen (per Ende Juli) verfolgen. Klar ist: Die Aktien sind in den vergangenen Wochen so stark ­zurückgekommen, dass eine Gegenbewegung in der Luft lag. Am Freitag ­verabschiedeten sich die Titel mit einem Kursfeuerwerk ins Wochenende. Ob es mittelfristig ähnlich weitergeht, wage ich zu bezweifeln. Aryzta kann ich deshalb aus fundamentaler Sicht weiterhin nicht empfehlen. Für sehr risikofreudige Anleger hat ihr Reiz aber zugenommen. Abwarten

Alles hängt von der Baby Care ab

Weiterhin angespannt und unsicher ist dagegen die Situation in Hochdorf. Der Innerschweizer Milchverarbeiter mit gleichem Namen kommt nicht zur Ruhe. Am Dienstag hat das Unternehmen den Abgang des Chefs des Baby-Care-Bereichs bekannt gegeben. Frank Hoogland bleibt zwar noch bis Ende März 2020. Doch den Zeitpunkt halte ich dennoch für ungünstig: Der neue Verwaltungsrat unter Bernhard Merki will auf ebendieses Säuglingsnahrungs­geschäft ­fokussieren. Und dass dies gelingt, ist in ­meinen Augen essenziell für das weitere Fortbestehen der Gesellschaft. Denn das herkömmliche Geschäft mit Milchpulver für die Lebensmittelindustrie ist rückläufig und nicht profitabel. Baby Care verspricht dagegen Wachstum und höhere Margen – wenn sie denn richtig aufgestellt ist. Die operativen und finanziellen Probleme hatten die Aktien auf Talfahrt geschickt. Das niedrige Kursniveau hat ein Grossaktionär anscheinend genutzt, um weitere Titel zuzukaufen. Mittlerweile hält die Stichting General Holding, hinter welcher der Hedge Fund von Jethro Goldsmith steht, mehr als ein Fünftel am Unternehmen. Gut möglich, dass er ­weitere Aktien kauft, was den Kurs ­stützen würde. Doch fundamental hat sich bei Hochdorf wenig verändert. Der Milchverarbeiter hat eine schwierige Zukunft vor sich. Verkaufen

Die Öffnung ist positiv

Leonteq hat diese Woche einen neuen digitalen Marktplatz für strukturierte Produkte namens Lynqs lanciert. Der Derivatspezialist erweitert damit seine bisherige Plattform für Derivate um Anwendungen und Tools für Kunden und Emittenten, die komplett neu entwickelt ­wurden oder bisher nur ­intern zur Verfügung standen. Das Interessante daran: Auch Drittparteien können nun über Lynqs ihre Produkte ­ausgeben. Bisher emittierten Leonteq und neun Bankpartner Derivate über die Plattform der Firma. Leonteq hat seine Plattform also nicht nur modernisiert, sondern auch geöffnet. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Gesellschaften auf Innovation und Öffnung setzen. Jetzt muss sich zeigen, dass das neue Angebot greift und neue Volumen auf die Plattform bringt. Zudem bindet die Absicherung dieser Produkte wertvolles Eigenkapital von Leonteq, weshalb es dem Unternehmen gelingen muss, diese Absicherung mehr und mehr an Drittparteien auszulagern. Bis dahin brauchen Anleger einen langen Atem, erst recht im derzeit schwierigen Umfeld für strukturierte ­Produkte. Halten

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