Hat Ihr Depot System?

Historisch gewachsenen oder vererbten Anlagendepots fehlt es meist an Diversifikation. Aufräumen lohnt sich.

Zufallsprinizip? Keine gute Idee! Willkürlich zusammengewürfelte Depots sollten geprüft werden. Foto: iStock

Aus einer Erbschaft habe ich einige Aktien und Obligationen im Depot. Nun ist mir bewusst, dass meine Diversifikation mangelhaft ist. Worauf muss ich achten, damit ich eine gute Diversifikation erreiche? E.V.

Vielen Depots fehlt es an einer Systematik. Wenn man die Portfolios anschaut, hat man den Eindruck, dass sie nach dem Zufallsprinzip entstanden sind. Oft ist es tatsächlich so, dass ein Depot historisch gewachsen ist: Man hat im Leben mehr gespart und von Zeit zu Zeit ein paar Wertschriften gekauft.

Ein solches Vorgehen hat zur Konsequenz, dass man meist schlecht diversifiziert ist, ein Klumpenrisiko fährt und vor allem auch Renditechancen zu wenig nutzt. Gerade wenn man ein Depot wie Sie erbt, ist es sinnvoll, dass man zuerst einen Depotcheck macht und prüft, ob eine Strategie vorhanden ist, ob diese sinnvoll ist für die eigenen Bedürfnisse, ob es zu ihren übrigen Anlagen passt und ob die im Depot enthaltenen Wertschriften genügend werthaltig sind.

Oft braucht es grundlegende Anpassungen. Wenn Sie, wie Sie schreiben, nur Aktien und Obligationen im Depot haben, ist die Diversifikation zweifellos ungenügend. Grundsätzlich sollten Sie darauf achten, dass Sie auf die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Obligationen, Immobilien, Rohstoffe und alternative Anlagen setzen. Je nach Ihren eigenen Lebensumständen und vor allem je nach Ihrer eigenen Risikofähigkeit und -bereitschaft sollten Sie die einzelnen Anlageklassen stärker oder weniger stark gewichten.

Wenn Sie über das Depot hinaus noch physisch Immobilien besitzen, würde ich die Anlageklasse Immobilien im Depot allerdings nicht auch noch stark gewichten, sondern eher andere Anlageklassen vorziehen.

Oft zu schwach gewichtet sind die Anlageklassen Rohstoffe und alternative Anlagen. Rohstoffe erhöhen den Diversifikationsgrad eines Depots erheblich und bieten zusätzlich einen Inflationsschutz. Denn Rohstoffe korrelieren als Sachwerte positiv mit der Teuerung. Wenn Sie in Rohstoffe investieren, bekommen Sie zusätzlich zu Renditechancen auch einen Inflationsschutz.

Nun ist die Teuerung hierzulande gering, dennoch sollte man die Inflation als Anleger nie ganz ausblenden. Gerade Rohstoffe und die Anlageklasse alternative Anlagen würde ich mit einem oder mehreren breit diversifizierten Fonds abdecken.

Über die eigentlichen Anlageklassen hinaus müssen Sie auch innerhalb dieser dafür sorgen, dass Sie eine optimale Diversifikation erreichen. Oft machen hiesige Anleger den Fehler, dass Sie ausschliesslich auf Schweizer Aktien setzen. Das mag mal gut sein, über die Jahre hinweg geht man mit dem alleinigen Fokus nur auf Schweizer Titel indes ein Klumpenrisiko ein und verpasst Chancen an ausländischen Aktienmärkten. Man sollte also auch bei den Aktien breit diversifizieren und Wachstumsmärkte wie China oder Indien nicht vergessen, zumal diese langfristig ein hohes Potenzial aufweisen.

Wichtig ist eine Diversifikation ebenso bei den Anleihen. Dabei empfiehlt es sich, nach Laufzeiten zu diversifizieren, aber auch nach Art der Schuldner. Mittels einer breiten Diversifikation kann man selbst bei den Anleihen deutlich höhere Renditen erzielen. Wenn Sie nur sehr sichere, aber nur mickrig rentierende Schweizer-Franken-Anleihen im Depot haben, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie damit unter dem Strich unter Berücksichtigung auch aller Gebühren derzeit sogar Geld verlieren.

Es lohnt sich also, wenn Sie Ihr geerbtes Depot auf den Prüfstand stellen und es von Ihrer Bank kritisch checken lassen. So erkennen Sie die Schwachstellen und sehen rasch, wie Sie die wichtige Diversifikation verbessern und bisher ungenützte Renditechancen besser nutzen können.

7 Kommentare zu «Hat Ihr Depot System?»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Das mit den Rohstoffen ist reine Spekulation. Beispiel Platinum und Palladium.
    Erst brauchten wir Platinum in rauen Mengen für die Katalysatoren und sein preis stieg 15% über denjenigen des Goldes. Heute liegt Platinum 40% unter dem Goldpreis. Umgekehrt beim Palladium, das früher 20% des Goldpreises kostete, heute hingegen, trotz der Gold-Hausse der letzten Wochen, 10% darüber liegt.
    Rohstoffe sind abhängig vom Bedarf. Und da die Wirtschaftsentwicklung weltweit zurückgeht, werden Rohstoffe im Preis sinken müssen.
    Rohstoffe sind etwas für Zocker, nicht für Anleger.

    • Hans Meier sagt:

      @ Rolf Rothacher: Weiter sind auch die Transaktionskosten von Edelmetall zu berücksichtigen. Der Kauf von Silber, Platin und Palladium in Form von Barren oder Plättchen unterliegt der MWST von aktuell 7,7%, dies on Top von den Prägekosten und der Handelsmarge sowie Aufbewahrungskosten. MWST und Prägekosten können mit ETFs vermieden werden, die Kosten sind aber auch da nicht ganz ohne. Courtage, Depotgebühren und Fees des ETF nagen an der Substanz, insbesondere wenn ETFs über Jahre hinweg gehalten werden.

    • Claude Fontana sagt:

      Beim derzeitigen Bevölkerungswachstum wird der Bedarf kaum sinken. Ausser man schneidet per Preise teile der Bevölkerung von den ressourcen ab. Manipuliert. Je nach Firma.

  • Sascha Pfeiffer sagt:

    Die Blogs verfolge ich gerne. Es geht oft um das Thema was man bei einem Portfolio beachten soll. Die Antworten fallen zum Teil recht unterschiedlich aus. Ich stelle mir vor, dass der Hauptgrund für die Unterschiede in den Antworten die Grösse des Portfolios ist. Leider wird kaum je Bezug auf die Grösse des Portfolios genommen. Die Nennung einer Grössenordnung wäre sicher für die in diesem Thema weniger erfahrenen Leser hilfreich für das Verständnis.
    Ein Depot mit CHF 50’000.- ist sicher anders zusammenzustellen als eines von CHF 1 Mio., wenn man auf die Kosten achten will, wie es in diesen Blogs regelmässig postuliert wird.
    Danke

    • Peter Rohner sagt:

      Die Grösse eines Portfolios muss nicht unbedingt Einfluss auf die Zusammensetzung haben. Wer will, kann bei einem 50’000- oder 10‘000‘000-Portfolio auf nur einen einzigen ETF setzen (FTSE-All-World oder MSCI ACWI), das ist für beide Portfolio-Grössen aus meiner Sicht absolut in Ordnung. Mehr Diversifikation ist auf dem Aktienmarkt kaum möglich.

      Wer Zeit und Lust hat, kann sein Portfolio natürlich aus mehreren Einzelkomponenten zusammensetzen und einzelne Teile (Branchen, Länder etc.) übergewichten. Ob das aber erfolgreicher ist als mit nur einer einzigen Komponente, weiss man natürlich erst hinterher.

  • Alain Surlemur sagt:

    Wer bitte kauft bei den aktuellen Zinsen noch Anleihen?

    Früher gab es da den „risikolosen Zins“, heute nur noch zinsloses Risiko.

  • Peter Rohner sagt:

    Rohstoffe würde ich generell meiden, da eigentlich nur für den Profi geeignet (buy-and-hold funktioniert hier nicht), Anleihen werfen zur Zeit nichts ab und werden bei der nächsten Zinserhöhungen nur an Wert verlieren. Evtl. sind Immobilien-Fonds für die Diversifikation geeignet (sind aber eher hoch bewertet), bleiben eigentlich nur Aktien übrig (natürlich in Form von ETFs).

    Wer es einfach halten will: Aktien-ETF auf den Index „FTSE All-World“ bzw. „MSCI ACWI“. So einfach geht das.

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