Was bringt «Switzerland First» tatsächlich?

Warum man als Anleger nicht ausschliesslich auf Schweizer Aktien setzen sollte.

Mein Land, mein Börsenmarkt? Allein auf hiesige Börsenfirmen zu setzen, birgt ein Klumpenrisiko. Foto: iStock

Sie schreiben hier immer wieder, man müsse auch international breit diversifizieren. Doch allein mit Schweizer Aktien fährt man doch besser, wie der SMI zeigt, der die meisten ausländischen Indizes schlägt. Darum habe ich nur Schweizer Aktien. Das bringt doch nur Vorteile? P. G.

Schweizer Aktien haben in der Tat viele Vorteile. Wir haben hierzulande das Glück, dass wir trotz geringer Grösse auf kleinem Raum eine Vielzahl von weltweit tätigen Firmen aufweisen. Einige Unternehmen wie Nestlé, Novartis oder Roche gehören in ihren Branchen sogar zur Weltspitze.

Ich halte daher die Zusammensetzung des Swiss-Market-Index mit den zwanzig grössten Schweizer Börsenunternehmen für weit attraktiver als etwa jene des Deutschen Aktienindex (DAX). Wenn Sie in Schweizer Aktien investieren, haben Sie auch den Pluspunkt, dass Sie im Schweizer Franken bleiben können und somit kein direktes Währungsrisiko eingehen. Indirekt tragen Sie natürlich sehr wohl auch ein Währungsrisiko, da viele der Schweizer Börsenfirmen stark international tätig sind und somit stark den Währungseinflüssen ausgesetzt sind.

Eine Vielzahl von erfolgreichen und stark exportorientierten Unternehmen hat den Hauptsitz in der Schweiz, obschon sie hier im Land nur wenig Umsatz und Gewinn erwirtschaften, sondern den Grossteil im Ausland.

Dass hierzulande in Relation zur Grösse des Landes überdurchschnittlich viele Unternehmen Ihren Hauptsitz haben, ist kein Zufall, sondern eine Folge unserer attraktiven Rahmenbedingungen. Politische Stabilität, Rechtssicherheit, Offenheit, hohes Qualitätsbewusstsein, ein hoher Bildungsstand, ein liberales Arbeitsrecht, Innovationsfähigkeit, eine starke Währung und wettbewerbsfähige Steuersätze sind nur einige von vielen Pluspunkten der Schweiz, die mit zum Wohlstand unseres Landes beigetragen haben.

Diesen positiven Rahmenbedingungen gilt es Sorge zu tragen. So sehr ich die Schweiz und die hiesigen Börsenfirmen schätze, rate ich Ihnen dennoch, international breit zu diversifizieren und nicht allein nur auf hiesige Börsenwerte zu setzen.

Es stimmt, dass der Swiss-Market-Index im bisherigen Jahr im internationalen Vergleich besser performt hat als viele andere Märkte im Ausland. Daraus können Sie aber nicht ableiten, dass dies auch künftig so bleibt. In anderen Jahren sind Sie deutlich schlechter gefahren, wenn Sie nur auf SMI-Werte gesetzt hatten.

Dass der SMI aktuell so gut dasteht, ist in erster Linie der erfreulichen Kursleistung von Nestlé und Novartis zu verdanken, die im bisherigen Jahresverlauf über 20 Prozent zugelegt haben. Wenn die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche mal weniger gut ziehen, was immer wieder vorkommt, müssten Sie sich mit einer schwachen Performance zufriedengeben.

Ich halte es für eine gute Strategie, wenn man als Schweizer Privatinvestor im Aktiensegment auf SMI-Werte als Kernanlage setzt, zumal diese auch eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Zusätzlich würde ich im Aktienteil das Depot aber durch einen Fonds mit kleinen und mittelgrossen Schweizer Werten sowie je einem Fonds mit europäischen, amerikanischen und asiatischen Aktien abrunden. Dazu können Sie auch kostengünstige Indexfonds oder Exchange Traded Funds verwenden, die an einen entsprechenden Index gekoppelt sind.

Wenn Sie es noch einfacher haben möchten, können Sie einen Indexfonds oder ETF kaufen, der an den Weltaktienindex MSCI angebunden ist. Damit können Sie Ihr erhebliches Klumpenrisiko senken, das Sie mit der alleinigen Ausrichtung nur auf Schweizer Titel eingehen, und unkompliziert stärker international diversifizieren.

5 Kommentare zu «Was bringt «Switzerland First» tatsächlich?»

  • Jean Gilette sagt:

    Ich würde jetzt schreiben: „Schweizer Aktien haben in der Tat viele Nachteile“.., denn der CH-Markt bietet viel zu wenig Diversifikationsmöglichkeiten, keine attraktive IPOs und sehr viele Unternehmen, die mit sehr kleinem Handelsvolumina agieren müssen. Gerade das Volumen ist ein enorm wichtiger Bestandteil bei der Risikoanalyse, denn „kleine Unternehmen“ verlieren in einer Verkaufswelle sehr schnell, sehr viel Potenzial. Es ist eigentlich ganz einfach: Kaufen Sie einen ETF auf den SMI (so haben Sie die Schweiz abgedeckt) und einen ETF auf den S&P500 in USD (Börsenkürzel: „SPY“, so sind Sie international dabei).., und das war’s. Übrigens: der SMI hat in den letzten 10 Jahren ca. 65% (brutto) dazugewonnen, der S&P500 deutlich mehr, nämlich 200%.

  • Rolf Schultheiss sagt:

    Der Artikel erwähnt zwar das Währungsrisiko, quantifiziert es aber nicht an einem Beispiel. Ich kann dies für die Leser gerne an einem Beispiel machen: Kauf von Chevron-Aktien im Jahre 2005; Kursgewinn in USD +61.4%, jedoch in CHF nur +35.1%, also fast die Hälfte des Kursgewinnes wurde mit der Abwertung des USD zunichte gemacht. Die nicht-rückforderbare 15% Verrechnungssteuer auf Dividendenerträgen ist da noch nicht dabei. Leider wertet sich auch der EURO gegenüber dem CHF ab und es muss auch zukünftig davon ausgegangen werden dass der CHF noch stärker wird, also liebe Leser/innen: Bitte unterschätzt das Währungsrisiko nicht.

  • No such thing sagt:

    Netto waren es beim SMI mit Dividenden etwa 150% und beim S&P 500 200%, allerdings beim SMI in CHF und beim S&P in USD. Letztlich real also eine ziemlich ähnliche Performance.

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Zitat: „Politische Stabilität, Rechtssicherheit, Offenheit, hohes Qualitätsbewusstsein, ein hoher Bildungsstand, ein liberales Arbeitsrecht, Innovationsfähigkeit, eine starke Währung und wettbewerbsfähige Steuersätze…“
    Das war einmal. Wir haben eine Landesregierung, die alles daran setzt, das abzumurksen, damit wir möglichst bald auf dem Niveau der übrigen europäischen Länder sind und nahtlos in die EU integriert werden können. Den Erfolg sieht man daran, dass nur noch drei Zugpferde genannt werden. Ehedem gehörten nämlich zu Nestle, Novartis, Roche auch noch die UBS und die CS dazu. Aber eben.
    Die Linken wollen das, weil sie in die EU wollen. Die Mitteparteien machen brav mit, vermutlich weil es gegen die SVP ist und gegen die SVP sein, ist augenscheinlich gute Politik.

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