Warum die Hypozinsen im Keller bleiben werden

Die Nationalbank könnte ihre Negativzinsen im September sogar ausweiten. Wohneigentum bleibt also sehr günstig.

Keine Zinswende in Sicht: Hausbesitzer können darauf vertrauen, dass die Hypozinsen noch mindestens bis Ende des nächsten Jahres tief bleiben werden. Foto: iStock

Wir haben gesehen, dass die Rendite der zehnjährigen Schweizer Bundesobligationen unter minus 1 Prozent gefallen ist. Was heisst das für unsere Hypothek? Dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Hypothek noch lange nicht teurer wird? W.J.

Die Tatsache, dass die Rendite auf Bundesobligationen mit einer Laufzeit von zehn Jahren unter die Marke von minus 1 Prozent gefallen ist, zeigt, dass die Anleger angesichts der vielen Unsicherheiten an den Finanzmärkten Sicherheit suchen.

Sie suchen den sicheren Hafen des Schweizer Frankens, weshalb der Euro zur Schweizer Währung auf unter 1.09 getaucht ist. Sie suchen aber auch Sicherheit in sicheren Anleihen weltweit, zu denen die Eidgenossen – also die Schweizer Bundesobligationen – zählen.

Die Zinsen werden auch in der Schweiz noch länger tief bleiben, zumal die Teuerung weiter gering ist. Ich sehe für die Schweizerische Nationalbank keinen Spielraum, dass sie nur schon daran denken könnte, die Zinsen anzuheben. Würde sie dies tun, würde der Schweizer Franken noch deutlich mehr an Stärke gewinnen. Im Gegenteil: Sie versucht, durch die Negativzinsen die Flucht in den Schweizer Franken unattraktiv zu machen.

Entscheidend für die künftige Zinsentwicklung ist allerdings primär die Europäische Zentralbank. Diese könnte im September ihre Geldpolitik weiter lockern. Neuste Zahlen haben gezeigt, dass eine Gefahr besteht, dass das grösste EU-Land, Deutschland, in eine Rezession rutschen könnte.

Auch die übrigen EU-Länder leiden mehrheitlich unter einer Wirtschaftsabschwächung. Der Handelsstreit zwischen den USA und China verstärkt diese negative Tendenz noch. Die Europäische Zentralbank will Gegensteuer geben und mit einer weiteren Geldflut dafür sorgen, dass die europäische Wirtschaft nicht noch mehr zurückfällt oder sogar in eine Rezession rutscht.

Wenn aber die EZB die Geldpolitik im September weiter lockert, gerät auch die Schweizerische Nationalbank unter Zugzwang, sonst würde der Franken noch stärker. Darum halte ich es durchaus für möglich, dass die Nationalbank die bestehenden Negativzinsen von aktuell 0,75 Prozent auf minus 1 Prozent ausweitet. Für die Hypozinsen bedeutet das, dass die Sätze selbst für langjährige Festhypotheken auf dem rekordtiefen Niveau verharren.

Vor einer Zinswende müssen Sie sich definitiv nicht fürchten, sondern können in der Tat darauf vertrauen, dass die Hypozinsen noch mindestens bis Ende des nächsten Jahres tief bleiben. Ich gehe sogar davon aus, dass die Tiefzinsphase noch länger dauert, da die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren wie der Handelsstreit, die Schuldenberge, die Krise in Italien, der bevorstehende Brexit und geopolitische Risiken die globale Konjunktur bremsen und die Notenbanken alles daransetzen, die Wirtschaft mittels billigen Geldes in Schwung zu behalten.

Die rekordtiefen Zinsen, wie sie bei der Minus-Rendite der Schweizer Bundesobligationen zum Ausdruck kommen, sind zwar ein Problem für die Anlegerinnen und Anleger und generell für die Sparer, für die Kreditnehmer wie Sie sind sie indes ein Segen: Sie können Ihr Wohneigentum noch lang sehr günstig fremdfinanzieren.