Wo bekommen wir eine gute Vorsorgeberatung?

Spätestens um die 50 sollte man eine Vorsorgeplanung machen und die Altersvorsorge optimieren. So geht es.

Auch Regionalbanken bieten kompetente Beratung bezüglich Vorsorge – und das oft noch gratis. Foto: iStock

Mein Mann und ich wollen eine Vorsorgeplanung erstellen lassen. Primär als Entscheidungsgrundlage, ob und wie viel Geld mein Mann in die Pensionskasse nachzahlen soll und welche Konsequenz eine Pensenreduktion oder frühzeitige Pensionierung hätte. Unsere Hausbank ist die Graubündner Kantonalbank. Ich zweifle an deren Kompetenz für eine Vorsorgeplanung. Alternativ kommt mir das Vermögenszentrum VZ in den Sinn. Welchen Dienstleister raten Sie uns zu beauftragen? B.S.

Grundsätzlich finde ich es positiv, dass Sie sich überlegen, eine Vorsorgeplanung erstellen zu lassen. Da Sie und Ihr Mann um die 50 sind, ist der Zeitpunkt gut, um einerseits Ihre Möglichkeiten zu prüfen, wie Sie Ihre Altersvorsorge noch während des Erwerbslebens stärken können, und um anderseits Ihre spätere Pensionierung zu planen.

Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie ein steuerbares Vermögen von über 400’000 Franken haben und Ihr steuerbares Einkommen zusammen bei rund 200’000 Franken pro Jahr liegt. Sie sind also gut in der Lage, zusätzlich freiwillig für Ihr Alter zu sparen. Das machen Sie bereits über die steuerbegünstigte Säule 3a, wo Sie beide je zwei Konten führen. Sie haben somit schon einiges für Ihr Alter angespart.

Nun geht es darum, zu prüfen, inwiefern Ihre Altersvorsorge weiter optimiert werden kann und auch damit verbundene Steuervorteile genutzt werden können, zumal Sie beide voll erwerbstätig sind. Je nach Konstellation könnte es in Ihrem Fall sinnvoll sein, wenn Sie zusätzlich zum Maximalbetrag in der Säule 3a auch noch freiwillig in die zweite Säule, in Ihre Pensionskasse, Einzahlungen tätigen. Ob das zu empfehlen ist, hängt unter anderem davon ab, ob Ihre Pensionskasse und die Ihres Mannes finanziell robust ist und ob freiwillige Einzahlungen in Ihrem Fall überhaupt möglich sind.

Diese und viele weitere Aspekte gilt es in der Vorsorgeplanung zu untersuchen. Ein bestimmtes Unternehmen dafür kann ich Ihnen nicht empfehlen, da ich nicht für ein einzelnes Institut Werbung machen möchte und auch in meinen Empfehlungen unabhängig bleiben will. Ein Schmunzeln ausgelöst hat bei mir allerdings Ihre Bemerkung, dass Ihnen für eine Vorsorgeplanung in erster Linie das VZ in den Sinn kommt und Sie für eine Vorsorgeplanung an der Kompetenz Ihrer Hausbank, der Graubündner Kantonalbank, zweifeln.

Das VZ hat in den letzten Jahren viel ins Marketing investiert und sich als Anbieter für Vorsorgeplanungen gut positioniert. In Sachen Kommunikation hat es das VZ meines Erachtens besser gemacht als die meisten Banken. Doch das VZ kocht wie alle anderen auch nur mit Wasser. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum Sie bei Ihrer Hausbank keine entsprechende Planung machen könnten. Diese bietet eine solche sogar kostenlos an. Bei vielen anderen Instituten – so auch beim ebenfalls von Ihnen erwähnten VZ – müssen Sie für eine Vorsorgeplanung hingegen ein Honorar zahlen.

Natürlich kann ich nicht beurteilen, wer Ihnen eine umfassendere Beratung bietet. Zweifellos ist die Graubündner Kantonalbank aber wie alle übrigen Kantonalbanken, Raiffeisenbanken oder die Grossbanken CS und UBS durchaus in der Lage, eine kompetente Vorsorgeplanung zu erstellen. Auch Versicherungen bieten Vorsorgeplanungen an, oft auch kostenlos.

Basis einer Vorsorgeplanung ist immer eine detaillierte Analyse Ihrer persönlichen Situation, Ihrer Bedürfnisse und Ihrer Finanzen, die alle Aspekte umfassen soll. Anhand dieser Analyse kann aufgezeigt werden, ob Vorsorgelücken bestehen, wie sich eine Frühpensionierung genau auswirken würde und wie Ihre Vorsorge optimiert werden kann.

Aufgefallen ist mir in Ihrem Schreiben zudem der Hinweis, dass Sie weder Wohneigentum noch angelegtes Vermögen hätten. Da Sie aber ein steuerbares Vermögen von über 400’000 Franken ausweisen, befürchte ich, dass Sie grosse Cashpositionen halten. Falls dies der Fall ist, rate ich Ihnen, auch Ihre Anlagesituation zu überprüfen.

Auf Cashpositionen verlieren Sie angesichts der rekordtiefen Zinsen unter Berücksichtigung von Gebühren und Teuerung faktisch Geld. Darum würde ich wenigstens einen Teil des Geldes in Wertschriften investieren. Indem Sie auf Ihrem Geld langfristig eine höhere Rendite anstreben, stärken Sie meines Erachtens ebenfalls Ihre Altersvorsorge.