So sichern Sie Ihr Portfolio ab

Komplexe Absicherung: Wenn die Depot-Strategien nicht fachgerecht überwacht werden, drohen Verluste. Foto: iStock

In einem Interview habe ich die Empfehlung einer Bank gelesen: «Zum Schutz vor Kursverlusten empfehlen wir Futures oder Optionen.» Wie muss man da genau vorgehen? Können Sie mir das erklären? C.K.

Mit Futures und Optionen kann man sein Depot gegen starke Kursrückschläge absichern. Solche Absicherungsstrategien werden häufig von institutionellen Investoren genutzt. Absicherungsmodelle funktionieren nach einem einfachen Prinzip: In dem Moment, wo Ihre Aktie sinkt, steigt der Wert der für die Absicherung der Aktie eingesetzten Finanzprodukte.

Damit können Sie die allfälligen Buchverluste kompensieren oder je nach Strategie wenigstens teilweise ausgleichen. Indem Sie Ihr Depot absichern, müssen Sie ihre Aktien nicht verkaufen, sondern können am Markt dabeibleiben, selbst dann, wenn Sie damit rechnen, dass es gelegentlich zu einer stärkeren Korrektur an den Börsen kommen könnte.

Gerade nach den Rekordständen, wie wir sie in der letzten Zeit immer wieder erlebt haben, sind viele Investoren unsicher und befürchten Rückschläge. In solchen Phasen können Absicherungen Sinn machen. Möglich ist das mittels strukturierter Produkte.

Ein einfach handelbares Instrument sind Put Warrants wie sie auf verschiedene Einzelaktien, aber auch auf ganze Märkte – etwa auf den Swiss Market Index – erhältlich sind. Mit einem Put Warrant auf den SMI könnten Sie zum Beispiel all Ihre SMI-Titel im Depot absichern.

Doch das gibts nicht gratis. Bei einem Wert der Aktien, die Sie absichern möchten, von angenommen 100’000 Franken würden Sie aktuell für die Absicherung ein paar Tausend Franken zahlen, denn Sie müssen ja die für das Volumen passende Anzahl Put Warrants erwerben.

Wenn die Märkte einbrechen, würden Sie vom starken Kursanstieg der Put Warrants profitieren, wenn die Märkte indes laufend neues Rekorde schreiben, würden Sie das in die Put Warrants investierte Geld am Ende der Laufzeit verlieren, sofern Sie diese nicht vorher noch abstossen. Das wäre dann der Preis für die Absicherung.

Anstelle von Put Warrants könnten Sie auch Futures nutzen. Dafür sind am Markt verschiedene Short-Mini-Futures erhältlich. Solche Mini Futures sind als Long Mini Future, wenn Sie steigende Kurse erwarten, oder als Short Mini Future, wenn Sie sich gegen sinkende Kurse absichern, einsetzbar.

Anders als die Put Warrants haben diese Mini Futures keine begrenzte Laufzeit – vorausgesetzt, dass das Stop-Loss-Level nicht erreicht wird. Auch da müssten Sie für die Absicherung eines Depots von angenommen 100’000 Franken je nach Ausgestaltung des konkreten Produkts ein paar Tausend Franken einsetzen.

Portfolioabsicherungen sind aus meiner Sicht teuer und komplex, und man sollte sich genau beraten lassen. Wenn die Absicherungsinstrumente nicht fachgerecht eingesetzt und überwacht werden, müssen Sie mit erheblichen Risiken und Verlusten rechnen. Zusätzlich tragen Sie bei strukturierten Produkten das Emittentenrisiko.

Vor allem aber sollten Sie sich überlegen, ob sich der dafür nötige Preis für Sie wirklich lohnt. Für die Bank ist es attraktiv, aber für Sie aus meiner Sicht nur empfehlenswert, wenn Sie mit den Kursschwankungen nicht leben können und das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt zwingend brauchen.

Statt eine Portfolioabsicherung zu nutzen, können Sie Ihre Gewinne auch einfach mal realisieren und nach der erwarteten Korrektur wieder einsteigen. Hier ist es allerdings extrem schwierig, das perfekte Timing zu finden. Das funktioniert meist nicht.

Oder aber Sie leben mit den starken Kursschwankungen und verfolgen eine Langfriststrategie, bei der Sie in einzelnen Phasen mal auf schönen Buchgewinnen und in anderen auf Buchverlusten sitzen. Entscheidend ist bei dieser Strategie die Performance auf lange Sicht und nicht das kurzfristige Auf und Ab an der Börse.