Spekulieren Sie nicht auf steigende Börsen!

Kursschwankungen? Egal! Wer Aktien kauft, sollte einen Anlagehorizont von wenigstens acht bis zehn Jahren haben. Foto: iStock

Auf dem Hauskonto meiner Frau und mir liegen 170’000 Franken. In knapp drei Jahren möchten wir unsere Hypothek verkleinern und 200’000 Franken zurückzahlen. Dann wäre unser Ziel erreicht und die Belastung auf dem Haus nur noch 45 Prozent. Da wir keine flüssigen Mittel benötigen, möchten wir die 170’000 Franken an der Schweizer Börse anlegen und in 36 Monaten wieder verkaufen. Unsere Idee wäre nun: je 50’000 Franken in Burkhalter-Holding-Aktien, 50’000 Franken in Nestlé-Aktien, 30’000 Franken in Stadler-Rail-Aktien, 30’000 Franken in Flughafen-ZH-Aktien zu investieren und 10’000 Franken als Reserve für Reparaturen zu behalten. Was denken Sie über unsere Idee? F. R.

Gegen die erwähnten Aktien ist nichts einzuwenden: Burkhalter, Nestlé, Flughafen Zürich und Stadler Rail sind solide Unternehmen mit teilweise attraktiver Dividendenrendite und Wachstumsperspektiven.

Dennoch rate ich Ihnen von Ihrer Idee ab. Es ist zwar durchaus möglich, dass Ihre Rechnung aufgeht und Sie in drei Jahren das Kapital von 170’000 Franken auf 200’000 Franken steigern. Eine Garantie dafür haben Sie aber nicht. Ebenso ist es möglich, dass aus den 170’000 Franken nach drei Jahren nur noch 150’000 Franken werden oder sogar noch weniger, falls es ausgerechnet dann zu einem starken Einbruch an den Aktienmärkten käme.

Mit Aktien haben Sie langfristig die besten Renditechancen. Punkto Renditemöglichkeiten ist Ihre Überlegung, in Aktien zu investieren, schon richtig. Das Problem liegt aber in Ihrem für Aktien zu kurzen Anlagehorizont. Wenn Sie Aktien kaufen, sollten Sie einen Anlagehorizont von wenigstens acht bis zehn Jahren haben. Dann verlieren die starken Kursschwankungen, denen Sie bei Aktien immer ausgesetzt sind, deutlich an Bedeutung.

Weil Sie mir aber schreiben, dass Sie das zu investierende Kapital in drei Jahren sicher für die Reduktion Ihrer Hypothek benötigen, habe ich grosse Bedenken. Natürlich können Sie spekulieren, und wenn Sie Glück haben, erreichen Sie in den drei Jahren das ersehnte Ziel. Da Sie das Kapital aber für die Amortisation brauchen und diesem eine grössere Hypothek gegenübersteht, bedeutet das, dass Sie eigentlich mit geliehenem Geld spekulieren würden. Ihre Schuld bei der Bank ist ja klar höher als Ihr Geld auf dem Konto. So gesehen, gehen Sie eine riskante Wette ein – nämlich darauf, dass die Schweizer Börse auch in den nächsten drei Jahren munter steigt.

Nachdem die Schweizer Aktien seit Jahresbeginn schon stark zugelegt hatten, habe ich erhebliche Zweifel, dass Ihre Wette wirklich aufgeht. Faktisch erleben wir seit dem Ende der Finanzkrise ab 2009 an den Börsen eine Hausse.

Zwar rechne ich damit, dass die Zinsen weiter sehr tief und damit Anleihen unattraktiv bleiben. Eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, der ungelöste Brexit, die Schuldenberge vieler Staaten und die reale Gefahr einer konjunkturellen Abschwächung könnten den nun schon seit Jahren andauernden Aufwärtstrend an den Aktienmärkten stoppen oder zumindest bremsen. Falls es dann zu einer Korrektur kommt, gehen Sie das Risiko ein, ausgerechnet dann auf hohen Buchverlusten zu sitzen, wenn Sie amortisieren möchten.

Zudem tragen Sie mit den erwähnten vier Aktien ein erhebliches Klumpenrisiko. Wenn auch nur eine dieser vier Aktien schlecht performt, was sehr gut möglich ist, sieht Ihre Bilanz schon wesentlich weniger gut aus. Sie sollten sowohl punkto Aktien als auch punkto übrige Anlageklassen deutlich breiter diversifizieren.

Da Sie das Geld in drei Jahren brauchen, würde ich keine grossen Risiken eingehen. Mit einer deutlich konservativeren Strategie sind zwar keine grossen Renditen möglich, dafür laufen Sie dank einer breiten Diversifikation weniger Gefahr, in drei Jahren auf hohen Buchverlusten zu sitzen.