Selbst auf lange Sicht gibt es keine Erfolgsgarantie

Kein Erfolgsgarant: Der Postfinance Fonds 4s weist ein erhöhtes Anlagerisiko auf. Gründe sind der beträchtliche Aktienanteil von 50 Prozent sowie der Fremdwährungsanteil von 30 Prozent. Foto: Keystone

Wir möchten 50’000 Franken aus unserem Postdeposito-Konto über längere Zeit anlegen. Wie beurteilen Sie das Angebot der Postfinance im Fonds 4? Es geht darum, dass letztlich die Verwaltungsgebühren einer Anlage nicht höher ausfallen als ein eventueller Zinsertrag. Wir werden das Kapital die nächsten zehn Jahre nicht benötigen, da ich noch bis 2025 berufstätig bin und unser Lebensunterhalt gewährleistet ist. R.H.

Der von Ihnen erwähnte Postfinance Fonds 4 investiert weltweit in Geldmarktanlagen, Anleihen und Aktien. Der Aktienanteil beträgt durchschnittlich 50 Prozent, wobei 20 Prozent in Aktien in der Schweiz und 30 Prozent in Aktien im Ausland fliessen. Grösste Aktienpositionen sind die bekannten Börsenschwergewichte Novartis, Nestlé, Roche, Zurich, Apple, UBS, Microsoft, Richemont und Amazon. Bei den Obligationen werden 41 Prozent des Kapitals in Anleihen in Schweizer Franken und 9 Prozent in Fremdwährungsobligationen investiert.

Sie tragen bei diesem Fonds ein erhöhtes Anlagerisiko aufgrund des beträchtlichen Aktienanteils von 50 Prozent sowie zusätzlich aufgrund des Fremdwährungsanteils von durchschnittlich 30 Prozent. Während die Schweizer-Franken-Obligationen nur eine mickrige Rendite bringen, versprechen die Fremdwährungsanleihen und vor allem die Aktien eine deutlich attraktivere Rendite. Der Preis dafür sind allerdings die erhöhten Risiken.

Da Sie mir schreiben, dass Sie das Geld, das Sie in den Fonds investieren möchten, während den nächsten zehn Jahren sicher nicht brauchen, relativiert sich das hohe Schwankungsrisiko bei den Aktien etwas. Ihr Wunsch ist es, dass Sie mit dem Fonds eine bessere Rendite erreichen, als Sie Gebühren zahlen. Das sollte möglich sein.

Der Fonds weist eine Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio (TER) von 1,18 Prozent auf. Dank dem erhöhten Aktienanteil dürfen Sie auf lange Sicht eine höhere Rendite sowie eine regelmässige Ausschüttung erwarten, müssen aber auch in Kauf nehmen, dass Sie während gewisser Phasen auf Buchverlusten sitzen, wie das vergangene Anlagejahr 2018 zeigt. Da wies der Fonds eine negative Wertentwicklung von fast 7 Prozent aus.

Tiefere Gebühren erreichen könnten Sie mit passiv gemanagten Fonds oder Exchange Traded Funds, wie sie viele Banken und andere Fondsfirmen anbieten und die in der Regel eine Gesamtkostenkennziffer von weniger als einem Prozent aufweisen.

Einen positiven Nebeneffekt hätte Ihr Fondskauf, da Sie sich auf Ihrem Post-Konto wohl auch noch Kontoführungsgebühren sparen würden. Das allerdings sollte nicht der wichtigste Beweggrund sein. Denn Sie müssen sich bewusst sein, dass Sie selbst auf lange Sicht keine Garantie haben, dass Sie nach zehn Jahren mehr Geld auf der hohen Kante haben als vor dem Kauf der Papiere.

Daher sollten Sie sich genau überlegen, wie viel Risiken Sie eingehen wollen und können. Da Ihr Lebensaufwand gemäss Ihren Angaben gesichert ist und Sie auch noch andere Gelder auf der Seite haben, sind Sie aus meiner Sicht gut in der Lage, die erhöhten Risiken zu tragen.