Rente oder Kapital? Das müssen Sie wissen

Wie umgehen mit der PK? Ein Kapitalbezug gibt finanziellen Handlungsspielraum. Rentner können selbst entscheiden, was sie mit dem Geld machen. Damit tragen sie aber auch ein doppeltes Risiko. Foto: iStock

Mein Mann und ich sind um die 60 und müssen uns bald entscheiden, ob wir bei der Pensionskasse die Rente oder das Kapital beziehen sollen. Was ist besser? F.Y.

Besser oder schlechter gibt es bei der heiklen Frage, ob man bei der Pensionierung von seiner Pensionskasse die Rente oder das Kapital beziehen sollte, nicht. Welche Variante für Sie und Ihren Mann optimal ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab – eine generelle Empfehlung abzugeben, halte ich für unseriös. Anhand von mehreren Faktoren können Sie aber auf der Basis Ihrer persönlichen Lebenssituation eher abschätzen, welche Variante Ihnen besser passt und Ihren eigenen Bedürfnissen am ehesten Rechnung trägt.

Die Rente hat den grossen Pluspunkt, dass Sie und Ihr Mann auch nach der Pensionierung jeden Monat einen festen und budgetierbaren Betrag auf dem Bankkonto haben. Zusammen mit der AHV-Rente haben Sie mit der PK-Rente fixe monatliche Einnahmen, auf die Sie sich verlassen können, und Sie müssen Ihr PK-Geld nicht selbst anlegen. Für die Rente spricht auch die Tatsache, dass Sie diese bis an Ihr Lebensende bekommen.

Angesichts sinkender Umwandlungssätze bekommt man allerdings immer weniger Rente. Ein Nachteil bei der Rente sind auch die Steuern: Die Rente muss man voll versteuern. Zudem sind Pensionskassen im Todesfall nicht verpflichtet, das nicht für die Rente aufgebrauchte Geld auszuzahlen, wenn man keine rentenberechtigten Angehörigen hinterlässt. Wenn man sein Kapital hingegen bezieht, geht das nicht aufgebrauchte Geld an die Erben.

Ein Kapitalbezug gibt Ihnen finanziell mehr Handlungsspielraum. Sie können selbst entscheiden, was Sie mit dem Geld machen. Damit tragen Sie aber auch ein doppeltes Risiko. Erstens das Anlagerisiko: Wenn Sie Ihr Geld nicht optimal investieren und Verluste einfahren, bleibt Ihnen weniger zum Leben.

Zweitens tragen Sie das Langlebigkeitsrisiko: Sollten Sie sehr alt werden, müssen Sie damit rechnen, dass Sie zu wenig Geld haben. Dafür zahlen Sie bei der Kapitalvariante weniger Steuern. Das Kapital wird gleich beim Bezug besteuert und zwar mit einem tieferen Satz und getrennt vom übrigen Einkommen. Hier ist es wichtig, dass Sie das PK-Kapital als Ehepartner nicht gleichzeitig im gleichen Jahr oder auch gleichzeitig mit Geldern aus der Säule 3a beziehen, sondern die Bezüge staffeln, da Sie dadurch in den meisten Kantonen Steuern sparen.

Nach dieser einmaligen Besteuerung können Sie das Kapital für einen Vermögensverzehr nutzen. Anders als die Rente müssen Sie den Vermögensverzehr nicht versteuern, aber Sie bezahlen auf dem Kapital Vermögenssteuern, die jedoch tiefer sind. Sie müssen also mit Geld umgehen können, wenn Sie sich für die Kapitalbezugsvariante entscheiden; realistisch budgetieren, diszipliniert und in der Lage sein, das Geld sinnvoll zu investieren oder sich wenigstens dabei unterstützen zu lassen.

Je nach Konstellation kann es auch sinnvoll sein, einen Teil des Vorsorgekapitals als Rente und einen zweiten Teil als Kapital zu beziehen. So sind Sie teilweise bis ans Lebensende abgesichert, schaffen sich aber doch etwas Handlungsspielraum.

Bei Ehepaaren lohnt es sich auch zu prüfen, ob der eine Partner die Rente bezieht, wenn bei seiner Kasse der Umwandlungssatz noch attraktiv ist und der andere das Kapital bezieht. So hat man auch eine Kombination und erreicht allenfalls eine gute Balance zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem nach finanzieller Freiheit.

All das sind einige Faktoren, die Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen. Wichtig ist, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse genau abklären und sich zusätzlich Hilfe bei Ihrer Bank oder Versicherung holen, die Ihnen anhand von Szenarien und Ihren Finanzdaten die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten veranschaulichen können.