Wie sicher ist mein Freizügigkeitskonto?

Sicher, sicherer, Kantonalbank? Bei der ZKB haftet der Kanton vollumfänglich – ohne Fristvorgabe. (Foto: Keystone)

Ich muss eine Bank für ein Freizügigkeitskonto wählen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass eine Kantonalbank mit Staatsgarantie einen höheren Schutz aufweist als übrige Banken? P. L.

Grundsätzlich haftet bei Kantonalbanken mit Staatsgarantie der Kanton für sämtliche Einlagen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie bei einem Zusammenbruch einer Kantonalbank gleich sofort wieder auf all Ihre Einlagen Zugriff bekämen. Die Einlagensicherung und die Staatsgarantie bieten Ihnen als Kunde zwar Schutz, sind aber nicht das Gleiche.

Isabelle Rösch, Leiterin Kommunikation bei der Einlagensicherung Esisuisse, betont: «Eine Staatsgarantie ist keine Sicherung entsprechend der Einlagensicherung.» Inhaltlich gibt es mehrere Unterschiede. Einer betrifft die Frist der Kapitalauszahlung nach einem Konkurs. «Grundsätzlich gibt es im Vergleich zur Einlagensicherung keine Frist innert derer der Staat die Schulden der konkursiten Bank an die Gläubiger zahlen wird», sagt Rösch. «Die Einlagensicherung kommt ganz zu Beginn der Liquidation und die Staatsgarantie kommt am Ende einer oftmals langjährigen Liquidation zum Tragen.»

Die Einlagensicherung übernehme einen Teil der Schulden der Bank gegenüber dem Einleger – nämlich bis zu 100’000 Franken pro Einleger – und zahlt die Einleger in diesem Umfang innert einer kurzen Frist aus. Danach holt sich die Einlagensicherung das den Einlegern bezahlte Geld wieder aus der Konkursmasse zurück.

«Damit das funktioniert, tritt die Einlagensicherung anstelle der Gläubiger in der zweiten Konkursklasse, das heisst Esisuisse erhält vor allen anderen Gläubigern ausser der ersten Klasse für Löhne der Mitarbeiter und AHV ihr Geld zurück», erklärt Rösch.

Zur Finanzierung der Einlagensicherung müssen alle Banken 125 Prozent der privilegierten Einlagen in der Schweiz in Form liquidierbarer Aktiven halten. Das betrifft insbesondere: Guthaben auf Konten, die auf den Namen des Bankkunden lauten, Kassenobligationen, die auf den Namen des Inhabers bei der ausgebenden Bank hinterlegt sind, Vorsorgegelder Säule 3a, Freizügigkeitsgelder und Einlagen bei ausländischen Geschäftsstellen der Bank.

Aus der Sicht des Gläubigers einer Bank ist Staatsgarantie und Einlegerschutz laut Rösch etwas ganz anderes: «Von Esisuisse erhält er rasch sein Geld bei der Bank, begrenzt auf einen maximalen Betrag, und verzichtet dafür in diesem Umfang auf seine Forderung gegenüber der Konkursmasse.» Von der kantonalen Staatsgarantie bekomme der Kunde nach Konkurs seiner Bank möglicherweise sein ganzes Guthaben bei der Bank in Form von Geld oder anderen Vermögenswerten.

Absolute Sicherheit gibt es nicht. Sie gehen aber schon deutlich geringere Risiken ein, wenn Sie Ihr Freizügigkeitsgeld auf das Konto von zwei verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen von unterschiedlichen Banken transferieren. Dank dieser einfachen Diversifikation senken Sie Ihr Risiko für den Konkursfall schon erheblich.

Mehr Sicherheit für den Konkursfall erreichen Sie zudem, wenn Sie einen Teil Ihres Freizügigkeitsgeldes in Vorsorgefonds investieren. Wertschriften wie Fonds werden zwar von Ihrer Bank verwahrt, bleiben aber auch im Fall eines Konkurses der Bank im Besitz der Kunden. Dafür tragen Sie das mit den Wertschriften verbundene Anlagerisiko, profitieren aber von höheren Renditechancen.