Wie die Politik die Flughafenaktien belastet

Grundsätzlich gut unterwegs: Im letzten Jahr hat der Flughafen Zürich dank einem rekordhohen Passagieraufkommen den Umsatz um über 10 Prozent auf 1,15 Milliarden Franken erhöht. Foto: Keystone

Ich besitze Aktien des Flughafens Zürich. Leider bin ich damit stark im Minus. Soll ich sie verkaufen? H.B.

Die Aktionäre des Flughafens Zürich brauchen derzeit gute Nerven. Die Papiere notieren trotz der Erholung der Schweizer Börse als Ganzes weit unter den früheren Höchstständen.

Bestimmt wird der Kursverlauf der Flughafen-Papiere einerseits, wie bei jeder anderen Börsenfirma, vom Geschäftsverlauf und den Aussichten, anderseits – und das ist beim Flughafen speziell – von den regulatorischen Rahmenbedingungen.

Rein operativ sehe ich beim Flughafen Zürich wenige Probleme. Wie die neusten Jahreszahlen 2018 gezeigt haben, entwickelt sich das Geschäft robust. Im letzten Jahr hat der Flughafen dank einem rekordhohen Passagieraufkommen den Umsatz um über 10 Prozent auf 1,15 Milliarden Franken erhöht. Ein hohes Wachstum sehen wir insbesondere im Nicht-Fluggeschäft, dass um über ein Fünftel auf fast eine halbe Milliarde Franke in die Höhe kletterte. Stark zugelegt hat zudem das internationale Geschäft, das immerhin bereits 83 Millionen Franken zum Umsatz beiträgt.

Weniger erfreulich sieht es indes beim Gewinn aus. Dieser sank um 17 Prozent auf 238 Millionen Franken. Hier belasteten Sondereffekte wie Rückstellungen für Lärmschutzmassnahmen. Zudem half im Jahr zuvor ein Sondergewinn aus einem Beteiligungsverkauf. Die Dividende wird um 40 Rappen auf 6.90 Franken inklusive Sonderausschüttung angehoben.

Der Ausblick ist positiv. Das Management erwartet in diesem Jahr einen neuen Passagierrekord, und auch ein höherer Gewinn wird in Aussicht gestellt. Das operative Geschäft würde somit für eine positive Kursentwicklung sprechen.

Dass die Titel den Aktionären derzeit dennoch keine Freude machen, liegt an den regulatorischen Rahmenbedingungen – konkret am Vorschlag des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) für eine neue Gebührenordnung. Dieser präsentiert sich für den Flughafen als grosse Belastung und ist unvorteilhafter, als der Markt und auch der Flughafen selbst erwartet hatten. Das letzte Wort ist in der Sache noch nicht gesprochen.

Die grosse Frage für Sie als Aktionär ist somit, ob es beim Vorschlag des Bazl bleibt oder ob der weitere Verhandlungsprozess bessere Bedingungen bringt. Wenn die Gebührenordnung wie vom Bazl vorgesehen umgesetzt würde, hätte dies für den Flughafen geringere Einnahmen zur Folge, was auch beim Gewinn definitiv negative Spuren hinterlassen würde.

Wie der Streit ausgeht, kann ich auch nicht beurteilen. Ich habe aber den Eindruck, dass der negative Effekt der unvorteilhaften Gebührenordnung weitgehend im schwächeren Kurs enthalten ist. Wenn Sie Ihre Aktien behalten, fahren Sie das Risiko, dass die Titel unter Umständen nochmals unter Druck kommen, wenn der Vorschlag des Bazl tatsächlich umgesetzt würde.

Falls die Verhandlungen aber eine für den Flughafen deutlich attraktivere Lösung bringen, würden Sie wohl von einer starken Kurserholung profitieren. Persönlich würde ich die Titel behalten und das Risiko einer weiteren negativen Entwicklung in Kauf nehmen, da Sie ja bereits auf Buchverlusten sitzen – in der Hoffnung aber, dass eine starke Erholung des Kurses drin liegt, wenn die Gebührenordnung zugunsten des Flughafens angepasst würde.

Sie müssen selbst abschätzen, ob Sie die Risiken, die mit dem regulatorischen Streit auf den Aktien lasten, tragen können und wollen. Zumindest besteht bei den Flughafen-Papieren eine reelle Chance für eine spätere Erholung.

4 Kommentare zu «Wie die Politik die Flughafenaktien belastet»

  • Stefan Marti sagt:

    Richtig so! Die Flughafengebühren sollen massiv steigen. Ebenso sollte das Kerosin entlich besteuert werden. Herr Spieler: offenbar ist es in Ihren Kreisen noch nicht bekannt: unser Planet ist so gut wie tot. Auch dank der sinnlosen Fliegerei. Aber Ihnen ist offenbar nur die Rendite wichtig. Wie allen die dem Gott Geld in den A… kriechen. Peinlich, wie man aus reiner Gier heraus unsere Welt wissentlich ind mutwillig zerstört. Ich fordere viel höhere Gebühren, bis es schmerzt. Wer unsere Welt wissentlich zerstört muss zahlen. Sei es die Flugindustrie und die Betrüger der Autoindustrie. Mir ist die Rendite einzelner Gierböcke so was von egal. Luft zum Atmen ist wichtiger, gälled Sie.

    • Leo Blum sagt:

      @Marti: Typischer Linkspopulismus. Wollen Sie den ausländischen Touristen und Geschäftsleuten die Einreise verbieten? Finden Sie sich damit ab, dass der Flugverkehr sich weltweit in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln wird. Es kümmert niemanden in der übrigen Welt, was die Schweiz tut. Ob CH-Flugverbote oder Abgaben. Weltweit sind heute schon GLEICHZEITIG 20’000 Passagierflugzeuge in der Luft. Und niemand erstickt deswegen.

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