Wenn es im Alter eng wird mit der Hypothek

Hypothek im Alter: Läuft die Festhypothek ab, können die Banken bei Pensionären unter Umständen eine Teilamortisation verlangen. Foto: iStock

Meine Wohnung wurde bei der Scheidung auf rund 1,3 Millionen Franken geschätzt. Ich habe zwei Hypotheken mit 10-Jahre-Laufzeiten zu 330’000 und 300’000 Franken. Nach meiner Pensionierung 2025 rechne ich mit einer AHV von 2300 Franken und einer PK-Rente von 3500 Franken. Würden Sie mit dem Gesparten dennoch die Hypothek teilamortisieren? O.M.

Derzeit ist für Sie die Hypothek angesichts der nach wie vor sehr tiefen Zinsen problemlos zahlbar. Allerdings sollten Sie für Ihre eigenen Berechnungen nicht von einem Zinssatz von knapp 1,5 Prozent ausgehen, wie Sie es aktuell noch bei Ihren beiden Hypotheken mit Laufzeit zehn Jahre haben. Vielmehr sollten Sie einen theoretischen Zins von fünf Prozent sowie ein Prozent Nebenkosten einberechnen. Damit sind Sie für Ihre langfristige Budgetierung auf der sicheren Seite.

Sie sehen schnell, dass dies einen grossen Unterschied ausmacht: Bei 1,5 Prozent kostet Sie Ihre gesamte Hypothek momentan lediglich 9450 Franken im Jahr. Bei 5 Prozent wären es dann 31’500 Franken plus Nebenkosten, die noch dazukommen. Monatlich wären das dann 2625 Franken reine Zinskosten.

Die Berechnung macht offensichtlich, dass es für Sie nach der Pensionierung auf dieser Berechnungsbasis finanziell mit der Rente eng würde. Nun rechne ich nicht damit, dass die Zinsen rasch und schnell steigen. Dennoch müssen Sie davon ausgehen, dass die Bank bei der Berechnung der Tragbarkeit die höheren Zinsen von 5 Prozent und 1 Prozent Nebenkosten einsetzt.

Solange die Festhypothek läuft und sie arbeiten, haben Sie kein Problem, zumal Sie auch nicht eine übertrieben hohe Belehnung haben. Wenn die Festhypothek dann mal abläuft und Sie bis dann pensioniert sind, könnte die Bank unter Umständen aber eine Teilamortisation verlangen. Sie haben mir allerdings geschrieben, dass Sie planen, nach der Pensionierung auf selbstständiger Basis noch in Teilzeit weiterzuarbeiten. Diese Zusatzeinnahmen würden eine Entschärfung bringen.

Trotzdem würde ich angesichts des eher engen Budgets nach der Pensionierung von einer Teilamortisation absehen. Erstens sind Sie vorderhand ohnehin an die Festverträge gebunden. Zweitens können Sie dann, wenn die Bank eine Teilamortisation tatsächlich wünscht, eine solche nochmals prüfen. Wenn Sie nicht zwingend müssen, würde ich in Ihrem Fall indes nicht amortisieren. Denn später bekommen Sie von der Bank als Rentnerin eher keine neue Hypothek mehr. Die liquiden Mittel hingegen benötigen Sie als Reserve für sich im Alter – etwa für den Fall, dass die Rente mal doch nicht reicht oder unvorhergesehene Kosten anfallen.

Wenn Sie an der Wohnung hängen, besteht auch die Möglichkeit, dass Sie mit einer Bank über eine Umkehrhypothek und eine Immobilienrente sprechen. Solche Immobilienrenten bieten heute verschiedene kleinere Banken an, wie etwa die Sparkasse Schwyz oder die Bank Sparhafen Zürich. Dabei werden sämtliche Zinszahlungen für die Hypothekendauer zu Beginn auf ein Sperrkonto einbezahlt. Der Rest der Hypothek steht Ihnen zur Verfügung. Solche Umkehrhypotheken sind eine Alternative zum Verkauf der Wohnung, falls es für Sie nach der Pensionierung eng würde.

Auch die grosse Zürcher Kantonalbank ist gegenüber Rentnern, die auch im Alter weiter eine Hypothek wünschen, offen und bietet Hand für Finanzierungsmöglichkeiten auch nach der Pensionierung. Ich rate Ihnen, frühzeitig das Gespräch mit einer entsprechenden Bank zu suchen. Das gibt Ihnen dann später im Alter auch mehr Sicherheit.

11 Kommentare zu «Wenn es im Alter eng wird mit der Hypothek»

  • André Bürgin sagt:

    Möglicherweise lohnt es sich auch, mit der Pensionskasse zu sprechen. Meine zum Beispiel bietet Hypotheken zu sehr vernünftigen Zinsen und fairen Vertragskonditionen an.

  • Walpurga Müller-Schmidt sagt:

    Es tut mir leid, aber schon die Beurteilung hier läge keine übermäßige Verschuldung vor ist absurd: hier steht jemand vor der Pensionierung und hat über eine halbe Million Schulden auf der Wohnung! Die Wahrheit ist doch, dass das vermutlich nicht gut gehen wird. Und das bei monatlichen Einnahmen ab Rentenbeginn von ca 6000 CHF monatlich bzw 72000 jährlich. Wann soll der Kredit denn abbezahlt werden, wenn nicht während der Berufstätigkeit? Ehrlichkeit in diesem Fall wäre, dass diese Wohnung über kurz oder lang verkauft werden muss, spätestens wenn der Rentner mal Pflege braucht ist Schluss und dann muss schnell verkauft werden, also zu einem niedrigen Preis. Der Schaden ist dann gigantisch.

    • Walter Scharnagl sagt:

      So wie Sie es beschreiben geht es tausenden von Eigenheimbesitzern in der schweiz.

      • Walpurga Müller-Schmidt sagt:

        Das macht es nicht besser sondern schlimmer. Daran dass das weitere Halten der Immobilie und damit ein plötzlicher ungeplanter Verkauf einen sehr wahrscheinlichen Verlust einfährt und dieser Blog das nicht mal erwähnt ändert das auch nichts.

      • marsel sagt:

        Die meisten Immobilien werden immer noch mit (zum Teil massivem) Gewinn verkauft, gerade in der Stadt oder in Stadtnähe.

  • Josef Marti sagt:

    Im Alter immer noch Schulden zu schieben ist absolut unverantwortlich und typisch für Leute die einen verschwenderischen und unseriösen Lebenswandel auf Pump führen, also typisch für den Durchschnittsschweizer. Spare in der Zeit dann hast du in der Not.

  • Timo sagt:

    Für 500’000-800’000 findet man Wohnungen die für eine Einzelperson mehr als ausreichend sind. Zudem kann man auch auf die Altersverträglichkeit schauen und hat zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung und muss im Alter nicht jeden Franken umdrehen.

  • Pius Tschirky sagt:

    Wenn man dafür immer noch 1. 3 Millionen lösen kann würde ich die ganz sicher verkaufen und mit den fast Fr. 700 000.– irgendwo ein günstigers Objekt kaufen. Könnte ja damit auch 350 Monate also fast 30 Jahre in einer Mietwohnung leben wenn die Fr. 2000.– kostet würde.

  • Walpurga Müller-Schmidt sagt:

    Das macht es nicht besser sondern schlimmer. Daran, dass das weitere Halten der Immobilie und damit ein plötzlicher ungeplanter Verkauf einen sehr wahrscheinlichen, grossen Verlust einfährt und dieser Blog das nicht mal erwähnt ändert das auch nichts. Der Schweizer Immobilienmarkt hat ein gewisses Risiko eines Totalschadens.

    • Fredy M. sagt:

      Ja Frau Müller. Sie würden wohl verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen. Oder mindestens scheint es dass Sie das empfehlen.
      Ich möchte ja nicht unterstellen dass Sie vielleicht selber Eigentümerin eines Mehrfamilienhauses sind, die Wohnungen vermietet?
      Die BANK BSU in Uster macht ebenso Umkehrhypotheken und in den Augen GLÜCKLICHER Rentner, die ihr Objekt nicht verkaufen müssen sondern weiterhin darin wohnen dürfen erkennt man, dass ein Verkauf was Schlimmes ist! Wie fühlen SIE sich, wenn man Ihnen empfiehlt, Ihr Zuhause zu verkaufen? Und für viel mehr Geld in eine Wohnung zu zügeln?
      Umkehrhypothek der Bank BSU – da arbeiten Menschen mit Gefühl!

  • Alain Surlemur sagt:

    Die Fragen sind:
    – ist die Wohnung überhaupt geeignet um den Ruhestand darin zu verbringen. Irgendwann wird das Treppensteigen mühsam…
    – warum will Herr M. diese Wohnung behalten? Nur aus Gewohnheit oder emotionalen Gründen oder will er sie den Kindern vererben?

    Im ersteren Fall könnte man sich übelegen die Whg zu verkaufen und mit dem Eigenkapital von knapp 700.000.– etwas Kleineres / Passenderes zu suchen. Alternativ könnte sie Herr M. auch vermieten und seinerseits zum Mieter werden.
    Im zweiten Fall käme ein Verkauf an die Kinder zu einem niedrigen Preis, aber mit lebenslangen Wohnrecht, in Frage…

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