Wie der Depotcheck als Lockvogel dient

Gratis gibt es nichts: Depotchecks sind eine Verkaufs- und Marketingmassnahme vieler Finanzinstitute, um an neue Kundenkontakte zu kommen. Schaden kann die Analyse nicht. Foto: iStock

Ich habe einige Problemfälle in meinem Depot. Nun habe ich das Angebot des VZ Vermögenszentrums gesehen. Da kann man bis Ende März für 100 Franken sein Depot checken lassen. Ist das seriös? H.A.

Das Angebot ist aus meiner Sicht seriös, aber es ist mit dem offensichtlichen Hintergedanken verbunden, dass man Sie dank der Depotüberprüfung später als zahlenden Kunden des VZ gewinnen kann. Wenn Sie später Kunde sind, ist die Rechnung für das VZ mehr als nur aufgegangen.

Es ist genauso seriös, wie wenn Ihnen ein Versicherungsberater vorschlägt, Ihr Assekuranzportfolio kostenlos zu überprüfen und abzuklären, ob Sie noch die richtigen Versicherungsdeckungen haben. Natürlich hat in einem solchen Fall der Versicherungsspezialist die Absicht, Ihnen später eine Police zu verkaufen. Genauso sollten Sie sich keine Illusionen machen: Auch die VZ-Leute arbeiten nicht gratis oder fast gratis. Man will Sie damit anlocken.

Das bedeutet aber nicht, dass das Angebot schlecht sein muss. Ich habe mir die Offerte angeschaut. Anhand Ihrer Depotunterlagen bekommen Sie eine Risikoanalyse. Dabei wird beurteilt, ob Sie eine sinnvolle Strategie verfolgen und wie es um die Nachhaltigkeit steht.

Untersucht werden weiter, welche Wertschriften eingesetzt werden, wie hoch die Kosten und die Rendite sind, und es wird ein Vergleich hergestellt zu einer Strategie, die auf kostengünstigen passiven Exchange Traded Funds basiert, wie sie das VZ einsetzt. Wie wenn der Versicherungsberater Ihr Versicherungsdepot untersucht und wenig überraschend zum Schluss kommt, dass Ihre Deckung nicht optimal ist, wage ich die Vermutung, dass beim Depot-Check des VZ herauskommt, dass mit einer Strategie, wie sie das VZ verfolgt, nicht nur die Kosten geringer wären, sondern auch die Rendite wohl besser ausgefallen wäre. Natürlich haben Sie aber keine Garantie, dass Sie mit der VZ-Strategie dann künftig wirklich besser fahren, denn auch das VZ kocht wie alle anderen Finanzanbieter nur mit Wasser.

Offen gesagt ist das für mich einfach eine Verkaufs- und Marketingmassnahme, so wie andere Finanzinstitute auch Werbung machen und Aktivitäten anbieten. Schaden kann es nicht, wenn Sie die Analyse erstellen lassen, ich würde mir anschliessend einfach wie bei jedem anderen Angebot gut überlegen, ob Sie wirklich auch ein zahlender Kunde des VZ werden möchten.

Eine Grobbeurteilung Ihres Depots können Sie kostenlos auch bei jeder anderen Bank vornehmen lassen. Wenn Sie aber einen detaillierten und umfangreichen Depotcheck wünschen, müssen Sie der Bank dafür eine Gebühr zahlen, die wesentlich höher ist als die 100 Franken beim VZ. Auch beim VZ wäre der Aufwand für einen solchen Depotcheck deutlich höher. Die Differenz dürfte aber als Kundengewinnungsmassnahme abgebucht werden.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die richtige Strategie verfolgen und allenfalls auf hohen Buchverlusten sitzen, können Sie durchaus das Angebot annehmen. Ich rate Ihnen aber, auch mit anderen Banken zu sprechen und von diesen eine Grobbeurteilung und einen Vorschlag zur Optimierung, inklusive Kosten, einzuholen. Erst wenn Sie mehrere Vorschläge haben, können Sie vergleichen und auf dieser Basis entscheiden, wie Sie weiter vorgehen möchten.

17 Kommentare zu «Wie der Depotcheck als Lockvogel dient»

  • Unknown sagt:

    War 12 Jahre Kunde beim VZ, ausser hohen Gebühren und ein Verlust im Depotwert ist leider nichts gewesen.
    Lustigerweise entspricht der Verlust genau den Depotgebühren, ca. 1% pro Jahr.

    • Michael sagt:

      Seltsam, bei mir ist es genau umgekehrt. Fondssparplan, 3. Säule und Top 10 haben sehr gut rendiert. Der Wechsel von meiner alten Bank hat sich mehr als gelohnt.

      • Fredy Strubel sagt:

        Freu dich Michael. Bei mir sieht die Bilanz von 10 Jahren VZ Vermögensverwaltung nicht nur durchzogen aus sondern endete mit einem Verlust von 25% des angelegten Kapitals.
        Die Bereitschaft des VZ die Ursachen zu ermitteln waren dabei gleich 0. Ist man noch kein Kunde ist scheint die Analysebereitschaft sehr gross. Gehts aber um die Analyse von Minusrendite über 10 Jahre kann man froh sein, wenn man überhaupt eine Antwort erhält. Die Stärke des VZ ist Marketing.

    • Paul Kellenberger sagt:

      @Michael. Bei mir auch positive Erfahrung beim Wechsel zu VZ. Selbst verwaltetes Depot mit ETF‘s bei einem Aktienanteil von 65%.
      Ebenfalls sehr wertvolle Erkenntnisse habe ich bei einer VZ- Analyse von einem Depot mit Vermögensverwaltungsauftrag bei der ZKB gemacht.
      Die Analyse ist seriös und sehr professionell. Man ist ja nicht dazu gezwungen, zur VZ zu wechseln.

  • Carmen Hauser sagt:

    VZ-Berater wie seine Kollegen bei den Banken haben das primäre Ziel, Neugeld ins VZ zu bringen. Denn er wird unter anderem an diesem Zufluss gemessen und auch entsprechend bezahlt. Je nach Leistung können sich VZ-Berater neben zwölf fixen Monatslöhnen bis zu zwei ­Monatslöhne an Boni sichern. Solche mit höherer Management-Funktion bis zu vier Monatslöhne.

    • Fränzi Kundert sagt:

      Wie toll ist das Leben im Management 12 Monate arbeiten minus 5 Wochen Ferien und 16 Monate Lohn erhalten. Woher das nötige Geld kommt? Man darf 3 mal raten, wieviel die Kunden davon zu zahlen haben.

  • Max Kuriger sagt:

    Auch ich kann vor der Leistung des VZ nur warnen. Diese Firma tätigt hohe Investitionen in Onlinemarketing und ist auf Kundenfang. Ich habe vor 4 Jahren beim VZ in ETF investiert. Die durchschnittliche Rendite p.a. beträgt 0.9%. Versprochen hat man mir anderes. Lasst die Finger vom VZ. Die wirken sehr seriös, die Performance ist aber sehr schlecht. Ich werde meine Anlage auch wechseln.

    • Hans-Günter sagt:

      Ich glaube nicht, das man Ihnen etwas anderes versprochen hat. Es ist wohl eher so, das sie nicht verstanden haben bzw. wollten, das vergangenheitsbezogene Gewinne nicht in die Zukunft zu transportieren sind. Es ist ein wirkliches Phänomen, wie hier von den Betroffenen Wirklichkeit und Realität auseinander klaffen.

  • Alain Surlemur sagt:

    Warum nur kommen mir da die Buchstaben „AWD“ und das Wort „Drückerkolonne“ in den Sinn…? Komisch, komisch…..

  • Josef Marti sagt:

    Die Dückerkolonnen sind gut organisierte Stosstrupps und haben es vor allem auf einsame reiche Wittwen abgesehen.

  • Jean Gilette sagt:

    Es ist seit Jahren immer wieder das Gleiche. Dank neuen Regulatoren und Gesetzen berät heute in der Schweiz jede Bank etwa gleich. Nach Einschätzung der Risikoaffinität in Form eines Beratergesprächs wird dem Kunden „ab der Stange“ ein Depot mit ETFs angeboten. That’s it. Mehr gibt es heute nicht, denn 98% der Berater gehen nach dem gleichen langweiligen Muster vor und besitzen den identischen CV. Und dann noch dieser Kostendruck. Eine Bankdienstleistung darf kaum noch was kosten. Es versteht sich von alleine, dass Billigangebote auch in der Finanzindustrie nichts wert sind.

  • maettu sagt:

    Das VZ Team kocht auch nur mit Wasser, korrekt. An alle, die über eine tiefe Performance (bei hohem Aktienanteil) der letzten 10 Jahre lamentieren, auch korrekt. ABER, das gilt für alle, da 2008 (für Aktien) so schlecht war, dass man das fast nicht aufholen kann.

  • Fred Nauer sagt:

    Mir erging es leider wie oben beschrieben. Ich liess meine Anlagen- und Versicherungen prüfen. Fazit:
    – Bewertet wurde nur wenn sie auch ein eigenes Produkt hatten
    – Es wurde nicht bewertet ob meine Anlagen- und Versicherungen auch Sinn machten
    – Doppelversicherungen wurden nicht einmal erkannt
    – Der Sachbearbeiter wechselte während der Beratung, unsere Beratung blieb deshalb liegen und ich musste mehrfach nachfragen und letztendlich wurde ich dann mit einer anderen Person verwechselt
    Natürlich ist mir bewusst, dass die VZ letztendlich auf ein Geschäft hofft und das ist soweit auch ok. Ich bemängle aber, dass sie den Job gesamthaft – in meinem Fall – schlecht machten.

  • Alexander Osborn sagt:

    Dass das VZ auch nur mit Wasser kocht ist klar. Ebenso klar aber ist, dass die Gebühren beim VZ konkurrenzlos tief sind. Das heisst die Netto-Rendite ist entsprechend höher.

  • Michael Belser sagt:

    Ich habe seit gut 4 Jahren 3 VV Mandate, 2 davon beim VZ. Beide Mandate schneiden netto besser ab, als das 3te (Kantonalbank). Eines leicht (+ca. 1%) und das andere relativ deutlich (+6.8%), wobei beim Zweiten der Aktienanteil leicht höher ist. Viel wichtiger ist aber das Betreuungspaket, welches beim VZ wesentlich mehr beinhaltet, als die Vermögensbewirtschaftung. Mein VZ Berater unterstützt mich bei allen Fragen rund um Steuern, Nachlass und Versicherungen, das ist dort im Packetpreis weitestgehend enthalten. Die Beratungsexpertise ist dabei kaum zu übertreffen. Dass das VZ auch noch gut gemachtes Marketing macht, ist doch nichts Anstössiges?!

  • Ch. Mayor sagt:

    Seit bald drei Jahren überlege ich mir, Geld in ETF’s beim VZ zu investieren anstatt es auf dem Konto liegen zu lassen. Aus einer Bauchentscheidung habe ich den Schritt noch nicht gewagt. Vielleicht auch weil der Kontakt und die Abwicklung zuerst lang nur via Email stattfand. Auf meinem Wunsch gab es später doch ein Gespräch vor Ort. Da wurde mir auch eine Analyse über Einkäufen in die Pensionskasse angeboten (Kosten 800.- CHF), obwohl sich meine PK in Unterdeckung befindet. Ich fand das kurios.

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